Buchara, Usbekistan — 8 Orte, die man gesehen haben muss
Ich war einige Tage in Buchara — während der ersten Buchara-Biennale — und habe acht Orte zusammengetragen, für die sich diese Reise wirklich lohnt: von der Ark-Zitadelle bis zur Tschor-Bakr-Nekropole am Stadtrand. Dazu erzähle ich, wo man echten bucharischen Plov isst, wo man um Ikat handelt und wo man tatsächlich anständigen Kaffee bekommt.

Buchara — was man vor der Reise wissen sollte
Buchara ist eine der ältesten Städte Zentralasiens, sie ist über 2.500 Jahre alt. Im Mittelalter war sie Hauptstadt des Samanidenreichs, später Sitz des Bucharischen Khanats und schließlich des Emirats von Buchara. Hier lehrten die Sufi-Meister des Naqschbandi-Ordens, hier handelten Karawanen mit Seide, Kupfer und Karakulpelz — und bis Anfang des 20. Jahrhunderts umschloss eine Lehmmauer mit elf Toren die Altstadt.
Heute ist das historische Zentrum UNESCO-Welterbe — und gleichzeitig eine bewohnte Stadt. In den überdachten Handelskuppeln arbeiten Kunsthandwerker, am Lyab-i-Hauz spielen abends ältere Männer Schach. Wer aus Samarkand kommt, sollte sich auf einen Kontrast einstellen: Samarkand ist repräsentativ, mit breiten Boulevards und glanzvoll restaurierten Fassaden. Buchara ist enger, staubiger, mit krummen Gassen und Katzen auf den Dächern.
Zur Größenordnung: Allein in der Altstadt von Buchara stehen über 140 historische Baudenkmäler. Und das nach allem, was im 20. Jahrhundert verloren ging.

Anreise aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
Die einfachste Verbindung ist der Direktflug Frankfurt — Taschkent mit Uzbekistan Airways (mehrmals wöchentlich, etwa 6,5 Stunden Flugzeit). Sehr beliebt sind außerdem Verbindungen mit Turkish Airlines über Istanbul — von praktisch jedem deutschsprachigen Flughafen aus, mit kurzem Umstieg. Saisonal (vor allem im Frühling und Herbst) gibt es zusätzlich Verbindungen ab München, Wien und Zürich.
Von Taschkent geht es weiter nach Buchara entweder mit dem Inlandsflug (etwa eine Stunde, Uzbekistan Airways, Centrum Air, Silk Avia) oder bequem mit dem Schnellzug Afrosiyob über Samarkand — etwa 3 Stunden 20 Minuten, mit moderner Klimaanlage und reservierten Plätzen wie im ICE.
Visum: Für Bürger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt visafreie Einreise bis zu 30 Tagen (Stand 2026). Es reicht ein Reisepass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Keine Online-Anmeldung, keine Gebühren — einfach ankommen.
1. Abdulaziz-Khan-Madrasa — die schönsten Muqarnas Bucharas
Ich setze die Abdulaziz-Khan-Madrasa bewusst an die erste Stelle, obwohl sie in den meisten Reiseführern eher beiläufig erwähnt wird — und das halte ich für ein echtes Versäumnis. Die Madrasa wurde 1652 erbaut, und ihr Pischtak (Eingangsportal) gilt als eines der dekorativ aufwendigsten Usbekistans. Sie steht direkt gegenüber ihrer älteren Nachbarin, der Ulugh-Beg-Madrasa von 1417 — zusammen bilden beide ein sogenanntes „Kosch-Madrasa“-Ensemble, also zwei Madrasen Fassade an Fassade.
Der eigentliche Grund, hineinzugehen, sind die Muqarnas. Das sind stalaktitartige Gewölbe, die aus Tausenden kleiner Zellen aufgebaut werden. Bei der Abdulaziz-Khan-Madrasa findet man sie überall: über dem Eingang, an den Decken der Eckräume, über dem Mihrab der Moschee. Konstruktiv ist das anspruchsvoll: Jede Zelle muss so berechnet sein, dass die Gesamtkontur eine perfekte Halbkugel ergibt — und gleichzeitig ist jede einzelne Zelle bemalt, mit Blüten, Blättern, manchmal sogar mit Landschaften im indisch-mogulischen Stil (Abdulaziz Khan unterhielt enge Handelsbeziehungen zu den Großmoguln).



Links — Muqarnas im Holzschnitzerei-Museum (kostenpflichtig). Rechts — das Gewölbe über dem Hauptportal, dort kann man kostenlos kurz hineintreten
Das Holzschnitzerei-Museum — der kostenpflichtige Teil, der den Eintritt wirklich wert ist
Im hinteren Teil der Madrasa, direkt hinter dem Hauptpischtak, gibt es ein separates Ticket — es führt in einen einzigen, eher kleinen Raum. Früher war das die Darschana, der Lehr- und Gebetssaal, in dem die Madrasa-Studenten ihren Unterricht hatten. Heute beherbergt der Raum ein Museum für Holzschnitzkunst: An den Wänden stehen geschnitzte Türen, Fensterläden, Säulen, eingelegte Truhen und Mihrabs — alles, was bucharische Meister vom 17. bis ins 19. Jahrhundert hergestellt haben.
Der Raum ist tatsächlich winzig, vielleicht zehn Meter im Durchmesser. Aber gerade deshalb ist alles greifbar: Man steht direkt vor den Exponaten, kann jede Spur des Schnitzmessers sehen, die feinen Reliefs der Islimi-Ranken und das Geflecht der Girih-Geometrie. Man verbringt zwanzig Minuten an einer einzigen Tür, geht dann zur nächsten weiter. Der Eintritt kostet etwa 20.000 UZS (rund 1,40 €) — das ist vermutlich das am meisten unterschätzte Ticket in ganz Buchara.
Und das eigentliche Highlight: die Decke. Über der Darschana hängen Muqarnas in der Kundal-Technik — Reliefstuck aus Gantsch, von Hand bemalt und teilweise vergoldet. Es ist eines der besterhaltenen Beispiele bucharischer Wandmalerei aus dem 17. Jahrhundert, deshalb reisen Architekturhistoriker eigens dorthin. Über dem Mihrab fügen sich die Muqarnas zu einer Kuppel zusammen; in den frühen Morgenstunden fällt Sonnenlicht durch die schmalen Fenster direkt darauf, und die Kuppel leuchtet deutlich heller als der Rest des Raums.

Tipp: Der Innenhof der Madrasa ist kostenlos zugänglich, das Ticket (~20.000 UZS / ~1,40 €) braucht man nur fürs Holzschnitzerei-Museum. Die Morgenstunden zwischen 9:00 und 10:30 Uhr sind die einzige Zeit, in der die Sonne schräg durch die Fensterchen direkt auf das Mihrab-Gewölbe fällt — die Muqarnas werfen dann lange Schatten quer über die Decke. Nach 11:00 Uhr wird das Licht flach.
Innenhof, Hudschras und Details — was man sonst noch sehen sollte
Der frei zugängliche Teil ist der eigentliche Innenhof mit den Hudschras auf zwei Etagen (den ehemaligen Studentenzellen), den seitlichen Iwanen und dem geschnitzten Wandschmuck. Man geht hier langsam — jede Nische ist anders, jede Säule individuell.


Geschnitzte Säule und Eckgewölbe. Das Sternmuster auf der Säule ist ein klassisches Girih — ein geometrisches Netzwerk aus fünfzackigen Sternen.


Innenhof und Seitenfassade. Die Hudschras sind heute zu Souvenirläden umgenutzt


Majolika-Details am Hauptportal.

Praktische Informationen — Abdulaziz-Khan-Madrasa
- Adresse: Khoja Nurabad str., gegenüber der Ulugh-Beg-Madrasa
- GPS: 39.7752, 64.4156
- Öffnungszeiten: 09:00–18:00
- Eintritt Innenhof: kostenlos
- Holzschnitzerei-Museum (frühere Darschana): ~20.000 UZS (~1,40 €)
- Zeitbedarf: 45–60 Minuten für beide Madrasen plus Museum
- Bestes Licht im Museum: 9:00–10:30 Uhr morgens
2. Po-i-Kalyan — Minarett, Moschee, Madrasa
Po-i-Kalyan (wörtlich „zu Füßen des Großen“) ist der zentrale Architekturplatz Bucharas. Hier stehen drei Bauwerke, die man von praktisch jedem Dach der Altstadt aus sieht: das Kalyan-Minarett, die Kalyan-Moschee und die Mir-i-Arab-Madrasa. Alle drei aus gebranntem Lehmziegel, ohne grelle Kachelflächen — und genau deshalb wirkt die Silhouette so geschlossen.
Das Kalyan-Minarett wurde 1127 errichtet — als Dschingis Khan vor der Stadt stand, war es bereits über hundert Jahre alt. Die Legende sagt, er habe den Kopf in den Nacken gelegt, um die Spitze zu sehen, und dabei sei ihm die Mütze heruntergefallen. So beeindruckt sei er von der Höhe gewesen, dass er anordnete, das Minarett unangetastet zu lassen — während er den Rest der Stadt zerstören ließ. Höhe: 48 Meter, Sockeldurchmesser 9 Meter. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde von hier oben zum Gebet gerufen; in finsteren Zeiten wurden auch zum Tode Verurteilte heruntergestürzt — daher der makabere Beiname „Turm des Todes“.



Links — das Kalyan-Minarett mit seinen 14 unterschiedlich gestalteten Zierringen, von denen sich kein einziger wiederholt. Rechts — die blaue Kuppel der Mir-i-Arab-Madrasa von der Hofseite.
Praktische Informationen — Po-i-Kalyan
- GPS: 39.7757, 64.4143
- Eintritt zum Platz: kostenlos
- Kalyan-Moschee: 30.000 UZS (~2,15 €)
- Aufstieg auf das Minarett: für Touristen geschlossen
- Tipp: Die Mir-i-Arab-Madrasa nur von außen anschauen — sie ist eine aktive Theologische Hochschule und für Besucher nicht zugänglich
3. Ark-Zitadelle — die antike Festung der Emire
Die Ark ist das älteste Bauwerk Bucharas und war vom 5. Jahrhundert bis 1920 die Residenz der jeweiligen Herrscher. Innerhalb der Mauern befanden sich Thronsaal, Moschee, Stallungen, Bibliothek, Harem und Gefängnis; bis zu 3.000 Menschen lebten hier.
Heute beherbergt die Ark mehrere Museen: ein archäologisches, ein historisches, den Thronsaal und die Hofmoschee. Aber schon die Außenmauern sind ein Erlebnis — bis zu 20 Meter hoch, an den Ecken massive runde Strebetürme, das Ziegelmauerwerk aus dem 19. Jahrhundert mit deutlich sichtbaren Reparaturschichten verschiedener Epochen.


Die Ark in der Abendsonne.
Praktische Informationen — Ark-Zitadelle
- Adresse: Registan-Platz, Buchara
- GPS: 39.7777, 64.4148
- Öffnungszeiten: 09:00–18:00 täglich (April–November bis 19:00)
- Eintritt: 60.000 UZS (~4,30 €)
- Zeitbedarf: 1,5–2 Stunden
- Tipp: Entweder früh morgens kommen (wenig Andrang) oder gegen Sonnenuntergang (das Licht auf den Mauern ist phänomenal)
4. Bolo-Hauz-Moschee — die „Moschee der vierzig Säulen“
Die Bolo-Hauz-Moschee steht direkt gegenüber der Ark, auf der anderen Seite des Registan-Platzes. Das Herzstück ist ihr Iwan — eine offene Galerie vor dem eigentlichen Gebetsraum, getragen von zwanzig kunstvoll geschnitzten Holzsäulen. Eine Bucharaer Legende nennt sie „Moschee der vierzig Säulen“: zwanzig stehen real, zwanzig spiegeln sich im Wasserbecken davor.
Die Säulen sind aus Walnuss, Ulme und Pappel; die Kapitelle sind geschnitzte Muqarnas, dazu farbig bemalt. Die schlanken Frontstützen wurden erst 1917 nachträglich ergänzt — das Dach hatte sich zu senken begonnen. Im Inneren des Iwans befindet sich eine bemalte Kassettendecke aus Holz, für mich die schönste Decke in ganz Buchara: jedes Kassettenfeld trägt ein anderes Muster.
Wer aus Mitteleuropa kommt, wird das Bauprinzip vielleicht wiedererkennen: Die Holzarchitektur erinnert an die Pfahlbauweise alpiner Bergregionen oder an persische Pavillonarchitektur — und die historischen Karawansereien entlang der Seidenstraße erfüllten dieselbe Funktion wie einst die Hansekontore und Wegestationen entlang der mittelalterlichen Handelsrouten Norddeutschlands: Übernachtung, Lagerung, Handel unter einem Dach.


Iwan bei Nacht und Säulendetail. Die Säulen sind aus Walnuss, Ulme und Pappel; der Iwan ist 12 Meter hoch


Praktische Informationen — Bolo-Hauz
- Adresse: Registan-Platz, gegenüber der Ark
- GPS: 39.7780, 64.4138
- Öffnungszeiten: von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang (aktive Moschee)
- Eintritt: kostenlos (Spende willkommen)
- Tipp: Beste Zeit ist der Sonnenuntergang, wenn sich die Säulen im Hauz spiegeln
5. Tschor-Minor — vier Minarette statt zwei
Tschor-Minor liegt abseits der üblichen Touristenrouten, in einem ganz normalen Wohnviertel östlich des Lyab-i-Hauz. Es ist ein kleines, quadratisches Bauwerk mit vier Türmchen-Minaretten an den Ecken — eine für Buchara höchst ungewöhnliche Komposition. Errichtet hat es 1807 ein wohlhabender Kaufmann turkmenischer Herkunft, Khalifa Niyazkul, als Geschenk an seine Familie. Ursprünglich war das Gebäude das Eingangstor einer großen Madrasa — die Madrasa wurde abgerissen, das Tor blieb stehen.
Jeder der vier Türme ist anders verziert. Einer Deutung zufolge symbolisieren die Muster die vier großen Weltreligionen: Man kann Motive erkennen, die an das buddhistische Rad oder das christliche Kreuz erinnern. Im Inneren befindet sich ein kleiner Sufi-Saal mit Kuppel — die Akustik ist dort hervorragend, perfekt für den meditativen Zikr, den Gesang der Derwische.



Tür und Garten beim Tschor-Minor. Das Wabengitter im Fenster ist die traditionelle Pandschara-Technik — gefertigt aus Gantsch (Alabaster) oder gebranntem Lehm

Praktische Informationen — Tschor-Minor
- Adresse: Mehtar Anbar Street, Buchara
- GPS: 39.7770, 64.4256
- Öffnungszeiten: 09:00–18:00
- Eintritt Innenhof: kostenlos
- Aufstieg aufs Dach: ~10.000 UZS (~0,70 €)
- Zeitbedarf: 20 Minuten
6. Sitorai Mochi-Chosa — der Sommerpalast des letzten Emirs
Sitorai Mochi-Chosa („Palast ähnlich Sternen und Mond“) war die Sommerresidenz des letzten Emirs von Buchara, Alim Khan, vier Kilometer nördlich der Altstadt. Ein eklektischer Mix aus Orient und Europa: russische Kachelöfen, japanische Vasen, bucharische Muqarnas und französische Spiegelsäle stehen Tür an Tür. Der Emir ließ den Palast Anfang des 20. Jahrhunderts errichten — formell als Sommerdatscha, tatsächlich aber als Manifest eines „neuen Buchara“.
Im Garten leben Pfauen, blühen Chrysanthemen, am Ufer des Teichs steht ein geschnitzter Holzpavillon, der als Sommermoschee diente. Heute ist die ganze Anlage ein Museum. Eine ausführliche Beschreibung jedes einzelnen Saals und der Geschichte des Emirs Alim Khan findet ihr in einem eigenen Artikel: Sitorai Mochi-Chosa — die Sommerresidenz des letzten Emirs von Buchara.



Gantsch-Stuck und der russische Kachelofen.


Links — der Aussichtsturm: Von hier blickte der Emir auf das Bad des Harems. Rechts — der geschnitzte Holzpavillon am Teich. Anders als oft in Reiseführern behauptet, ist das kein Teepavillon: die Halbmonde auf den Kuppeln zeigen, dass es eine Sommermoschee war
Praktische Informationen — Sitorai Mochi-Chosa
- Adresse: Gizhduwan-Straße, 4 km vom Stadtzentrum
- GPS: 39.8159, 64.4267
- Öffnungszeiten: 09:00–17:00
- Eintritt: 30.000 UZS (~2,15 €), Fotoerlaubnis extra
- Anfahrt: Yandex-Taxi (~25.000 UZS / ~1,80 € einfach), Bus Nr. 9
- Vertiefender Artikel: Sitorai Mochi-Chosa — Sommerresidenz des letzten Emirs
7. Tschor-Bakr — die Nekropole der Dschuibari-Scheichs
Tschor-Bakr ist ein Memorialkomplex aus dem 16. Jahrhundert im Dorf Sumitan, etwa fünf Kilometer westlich von Buchara. Es ist die Familiennekropole der Dschuibari-Scheichs — Sufi-Lehrer, die unter Khan Abdullah II. faktisch Buchara regierten. Das architektonische Ensemble (Moschee, Khanqah, Madrasa und ein Minarett, das das Kalyan-Minarett im Kleinformat zitiert) wurde 1560 errichtet, und im Lauf der Jahrhunderte wuchs darum eine „Stadt der Toten“ — ein Labyrinth aus Hazira, dachlosen Familienbegräbnisstätten.
Hierherzukommen lohnt sich vor allem wegen der Stille und der Weite. Es gibt weniger Touristen als an irgendeinem anderen Ort in Buchara — in einer halben Stunde begegnen einem vielleicht ein Wächter und ein paar Katzen auf der Mauer. Ausführlich habe ich den Ort in einem eigenen Artikel beschrieben: Tschor-Bakr — die Nekropole der Dschuibari-Scheichs vor den Toren Bucharas.



Eine rote Katze trabte vorbei


Tschor-Bakr im Herbst. Wer die Wahl hat — Ende Oktober oder Anfang November ist ideal
Praktische Informationen — Tschor-Bakr
- Adresse: Dorf Sumitan, 5 km von Buchara
- GPS: 39.7549, 64.3556
- Öffnungszeiten: 08:00–18:00
- Eintritt: 15.000 UZS (~1,10 €)
- Anfahrt: Taxi (~30.000 UZS / ~2,15 € hin und zurück inklusive Wartezeit)
- Vertiefender Artikel: Tschor-Bakr-Nekropole — vollständiger Reiseführer
8. Samaniden-Park — Mausoleum aus dem 9. Jahrhundert und Hiob-Quelle
Der Samaniden-Park ist ein grünes Quadrat westlich der Ark-Zitadelle, in dem zwei wichtige Mausoleen und ein modernes Mahnmal stehen. Ich setze ihn ans Ende der Route, weil es sich anbietet, am letzten Tag bei Sonnenuntergang hierherzukommen — alles ohne Eile abgehen, im Schatten sitzen, die Eindrücke der Altstadt sacken lassen.
Ismail-Samani-Mausoleum
Das älteste erhaltene Bauwerk Zentralasiens — entstanden um das Jahr 905. Ein kubischer Bau unter einer Kuppel, aufgemauert aus gebranntem Ziegel ohne jede Verputzung. Das Ornament entsteht allein durch das Spiel der Mauerwerkstechnik: Jede Wand wirkt anders, je nach Sonnenstand. Als die Mongolen Dschingis Khans Buchara erreichten, war das Mausoleum bereits unter Sandverwehungen begraben und wirkte wie ein Hügel — deshalb blieb es unbeschädigt. Erst in den 1930er Jahren wurde es freigelegt.

Tschaschma-Ayub — die Hiob-Quelle
Tschaschma-Ayub („Quelle Hiobs“) ist ein Mausoleum aus dem 12.–14. Jahrhundert mit einer konischen Zeltkuppel, die für Buchara untypisch ist. Der Legende nach soll an dieser Stelle der biblische Prophet Hiob mit seinem Stab auf die Erde geschlagen haben — woraufhin eine Quelle entsprang, die ihn von seinen Geschwüren heilte. Im Inneren ist die Quelle bis heute zugänglich, und Einheimische kommen weiterhin Wasser holen. In einem Nebenraum gibt es ein kleines Museum zur Wasserversorgung Bucharas — über Karize, Hauze und den jahrhundertelangen Kampf gegen die Trockenheit, der das Leben in dieser Region geprägt hat.


Tschaschma-Ayub (links) und Brunnen im Park (rechts).
Modernes Mahnmal
Im Park steht außerdem ein modernes Mahnmal — eine halbrunde Kolonnade mit Mittelturm, gebaut in den 2000er Jahren. Es liegt auf einer Achse mit dem Samaniden-Mausoleum, und im Abendlicht entsteht zwischen beiden eine lange Schattenkette.


Praktische Informationen — Samaniden-Park
- Adresse: Saiidjon Bobo str., freier Eintritt
- GPS: 39.7770, 64.4087
- Öffnungszeiten: Park rund um die Uhr, Mausoleen 09:00–17:00
- Eintritt Park: kostenlos
- Eintritt Mausoleen: je 15.000 UZS (~1,10 €)
- Zeitbedarf: 60–90 Minuten
Wo man in Buchara isst: Plov, Atschitschuk, Samsa
Buchara hat viele Restaurants, aber mein Tipp Nr. 1 ist das Restaurant „Buchara“: untergebracht in einem alten Stadthaus, mit Ikat-Tischdecken, bemaltem Geschirr und Blick auf den Bazarplatz. Auf der Karte steht usbekische Klassik — aber nicht in der vereinfachten Touristenversion, sondern so, wie die Einheimischen wirklich essen.
Pflicht ist der bucharische Plov — er unterscheidet sich vom Ferganaer Plov: Der Reis wird separat gegart, nicht zusammen mit dem Sirvak; die Möhren sind feiner geschnitten, das Lammfleisch wird in großen Stücken obenauf gelegt. Das Ergebnis ist locker, nicht fettig, mild im Geschmack. Dazu ein Atschitschuk-Salat (Tomaten, Zwiebeln, Basilikum, schwarzer Pfeffer) und Tee. Schwarztee mit Zitrone, ausgeschenkt aus einem Porzellankännchen.

Atschitschuk — der einfachste usbekische Salat, den man in Buchara essen muss
Atschitschuk ist nichts weiter als Tomaten, rote Zwiebeln und Basilikum. Salz, schwarzer Pfeffer, vielleicht ein Schuss Pflanzenöl — das war’s. Keine Mayonnaise-Saucen, kein Schnickschnack. Genau deshalb hängt der ganze Geschmack an den Zutaten: Hinter einer faden Tomate oder einer scharfen Zwiebel kann sich hier nichts verstecken.
Ich habe Atschitschuk überall in Usbekistan gegessen — in Taschkent, Samarkand, Chiwa, in Teehäusern an der Landstraße. Aber der beste war hier, in Buchara. Tomaten reif bis zur Süße, Zwiebeln grob geschnitten und unbedingt vom süßen roten Typ (nicht scharf), Basilikum vom violetten Rejhan, eine Minute vor dem Servieren dazugegeben. Bestellt ihn als Vorspeise zum Plov: Der schwere Reis und der leichte, scharfsüße, leicht säuerliche Salat — das reinigt den Gaumen zwischen den Löffeln.

Samsa und Tee — die obligatorische Fortsetzung

Praktische Informationen — Restaurant „Buchara“
- Adresse: in der Karte unter „Bukhara Restaurant“ zu finden
- GPS: ~39.7723, 64.4197
- Öffnungszeiten: 11:00–23:00
- Durchschnittspreis: 100.000–150.000 UZS (~7–11 €) pro Person
- Tipp: Für das Abendessen vorher reservieren — der Laden ist sehr beliebt
Wo man Kaffee trinkt — kurzer Tipp
Mit Kaffee ist es in Buchara schwieriger als mit Tee — die meisten Tschaikhanas brauen keinen Kaffee, und wenn doch, dann nur löslichen. Von den Orten, an denen man einen anständigen Latte oder Flat White bekommt, ist mir ein kleines Café direkt in der Altstadt aufgefallen — mit Bartheke, einem Stapel alter Bücher am Fenster und sehr ruhiger Atmosphäre.

Bonus: Buchara-Biennale — zeitgenössische Kunst in einer mittelalterlichen Stadt
Ich war während der ersten Buchara-Biennale in der Stadt. Das Thema lautete Recipes for Broken Hearts („Rezepte für gebrochene Herzen“) — eine Anspielung auf die Legende, der zufolge Avicenna den Plov als Heilmittel für einen liebeskranken Jüngling erfunden haben soll. Im gesamten historischen Zentrum waren über 70 Site-specific-Installationen von mehr als 200 Künstlerinnen und Künstlern verteilt — in Karawansereien, Madrasen, restaurierten Hauzen. Ein Teil der Installationen funktionierte ausschließlich nach Sonnenuntergang.



Wo man Souvenirs kauft: Handelskuppeln, Madrasen, Pavillon Kalon
Kurz gesagt: Buchara ist die beste Stadt Usbekistans zum Einkaufen. In Samarkand und Taschkent sind Souvenirläden weit verstreut: Man muss sie gezielt suchen, auf den Bazar fahren, nach dem Weg fragen. In Buchara ist es umgekehrt — buchstäblich an jeder Ecke der Altstadt steht ein Laden oder eine Werkstatt. Man muss nirgendwo extra hinfahren: Während man Po-i-Kalyan, Ark, Tschor-Minor und Lyab-i-Hauz abklappert, erledigt sich der Einkauf nebenbei.
Die Handelskuppeln aus dem 16. Jahrhundert — der zentrale Souvenir-Cluster
Der wichtigste Ort zum Einkaufen sind drei mittelalterliche überdachte Bazare zwischen Lyab-i-Hauz und Po-i-Kalyan. Sie wurden im 16. Jahrhundert als spezialisierte Bazare einzelner Handwerksgilden errichtet, und die alten Namen sind bis heute in Gebrauch:
- Tok-i Sargaron („Kuppel der Goldschmiede“) — Silber, Gold, Schmuck
- Tok-i Telpak Furuschon („Kuppel der Hutmacher“) — Textilien, Tschapane, Tjubeteika-Käppchen, Susani, Ikat
- Tok-i Sarrafon („Kuppel der Geldwechsler“) — die kleinste; historisch wurde hier Geld gewechselt, heute ebenfalls Souvenirs
Alle drei sind in Betrieb. Tritt man unter eine Kuppel, läuft unter dem Ziegelgewölbe eine ganze Gasse aus Läden weiter: Textilien, Kupfer, Miniaturen, Lackdosen, Keramik aus Rischtan, Seidenschals. Die Kuppeln schützen im Sommer vor der Hitze und im Winter vor dem Wind — entsprechend kann man hier stundenlang stöbern.
Wichtigster Tipp: Handeln. Die Erstpreise sind in der Regel deutlich überzogen.

Was man kauft: die wichtigsten Handwerke Bucharas
Susani — großflächige Stickerei auf Baumwolle oder Seide. Das bekannteste usbekische Kunsthandwerk. Ein gutes Susani aus dem 20. Jahrhundert kostet ab 200 €, antike Stücke ab 500 €. An einer großen Tafel sitzt eine Stickerin bis zu einem halben Jahr.
Ikat — eine Färbetechnik, bei der die Seidenfäden vor dem Weben gefärbt werden, woraus die charakteristischen „verschwommenen“ Muster entstehen. Ikat-Stoff vom Meter ab 30 €, ein Tschapan (Mantel) ab 150 €.
Storchenscheren — geschmiedete Scheren in Storchenform. Sie werden in Buchara nur noch von einer einzigen Familie gefertigt — der Dynastie der Ataulow. Ein Paar kostet 50.000–100.000 UZS (~4–7 €). Es ist das authentischste Souvenir überhaupt — nirgendwo sonst in Usbekistan werden diese Scheren noch geschmiedet.
Geschnitztes Kupfer und Emaille — eine Tradition, die mancherorts kaum noch überlebt. Alte Tabletts sind besser als neue.


Pavillon Kalon — die Premium-Alternative zum Bazar
Wenn der Bazar irgendwann anstrengend wird (und nach zwei Stunden unter den Kuppeln wird er anstrengend), gibt es eine ruhige Alternative — den Pavillon Kalon, einen kleinen Concept Store in einem alten Stadthaus direkt am Kalyan-Minarett. Hier wird nicht gefeilscht und nicht gedrängt. Eine kleine Galerie lokaler Textilmarken — Ikat, Susani, Keramik, Lampen mit Stoffschirmen, bucharischer Schmuck. Die Preise sind höher als in den Handelskuppeln, aber auch die Präsentation ist eine andere: Jedes Stück trägt den Namen der Künstlerin, alles ist wie in einem Showroom inszeniert.



Lali Home und handgearbeitete Messing-Emaille

Wann ist die beste Reisezeit?
Optimal sind April–Mai und Mitte Oktober bis Anfang November. Der Sommer ist heiß (bis 40–45 °C, trockener Wind), der Winter kalt (bis −10 °C nachts). Im Mai blühen Rosen und Aprikosen, im Oktober färbt sich das Laub gelb. Die nächste Buchara-Biennale ist für 2027 geplant — den genauen Zeitplan vor der Reise prüfen.
Anreise und Unterkunft
Flugzeug: Es gibt Direktflüge nach Buchara aus Taschkent — etwa eine Stunde Flugzeit, betrieben von Uzbekistan Airways, Centrum Air, Silk Avia.
Zug: Der Hochgeschwindigkeitszug Afrosiyob verbindet Taschkent, Samarkand und Buchara. Von Taschkent nach Buchara dauert es etwa 3 Stunden 20 Minuten (mit Umstieg in Samarkand), von Samarkand nach Buchara rund 1 Stunde 20 Minuten. Tickets unbedingt im Voraus reservieren, besonders in der Hochsaison.
Wo übernachten: Ich empfehle die Altstadt — im Umkreis von 500 Metern um Lyab-i-Hauz oder das Kalyan-Minarett. In den historischen Stadthäusern gibt es viele kleine Boutique-Hotels mit Innenhof und Iwan; von dort aus kann man alle Hauptpunkte bequem zu Fuß erreichen.
FAQ
Nein. Für Bürger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt visafreie Einreise bis zu **30 Tagen** (Stand 2026). Es genügt ein Reisepass mit mindestens sechs Monaten Restgültigkeit. Keine Online-Anmeldung, keine Gebühren.
Direktflug **Frankfurt — Taschkent** mit Uzbekistan Airways, oder über Istanbul mit Turkish Airlines (von praktisch jedem deutschsprachigen Flughafen). Saisonal auch ab München, Wien und Zürich. Von Taschkent weiter mit Inlandsflug oder dem Schnellzug Afrosiyob über Samarkand.
Die idealen Monate sind April, Mai und die zweite Oktoberhälfte. Im Sommer ist es heiß (bis 45 °C), im Winter kalt. Im Mai blühen die Aprikosen, im Oktober ist das Laub goldgelb.
Mindestens **zwei volle Tage** für die Altstadt. Plus jeweils einen halben Tag für Sitorai Mochi-Chosa und Tschor-Bakr. Ideal sind drei bis vier Tage.
Ark-Zitadelle 60.000 UZS, Mausoleen im Samaniden-Park je 15.000, Bolo-Hauz-Moschee kostenlos, Tschor-Bakr 15.000, Sitorai Mochi-Chosa 30.000. In Summe rund 150.000 UZS (~10,70 €) für die wichtigsten Punkte.
Technisch ja, sinnvoll ist es nicht. Buchara lebt von der Atmosphäre, nicht vom Abhaken einer Liste. An einem Tag schafft man maximal Po-i-Kalyan, Ark und Bolo-Hauz.
In kleinen, lokalen Restaurants — nicht in den großen Touristenlokalen. Bucharischer Plov unterscheidet sich vom Ferganaer: Der Reis wird separat gegart, die Möhren feiner geschnitten. Plov ist Mittagsessen — die Einheimischen essen ihn vor 14:00 Uhr, danach ist die Pfanne leer.
Ikat, Susani und die Storchenscheren. Letztere sind das authentischste Souvenir — sie werden nirgendwo sonst in Usbekistan mehr gefertigt.
Ja, wenn man die Kälte aushält. Im Winter sind keine Touristen da, die Moscheen sind leer, und man kann ohne Schlangen fotografieren. Aber die Tage sind kurz, und viele Sehenswürdigkeiten schließen schon um 16:00 Uhr.
In Buchara funktionieren ausländische Visa- und Mastercard-Karten in den meisten Hotels und größeren Restaurants. Auf dem Bazar, in Tschaikhanas und für Taxis braucht man **Bargeld** (UZS). Dollar oder Euro lassen sich problemlos in Wechselstuben tauschen, der Kurs ist dort meist besser als am Flughafen.
Eine der Städte, in die ich zurückkehren möchte
Von allen usbekischen Städten, die ich besucht habe, würde ich als Erstes nach Buchara zurückkehren. Man kann hier drei Tage lang durch dieselben Gassen laufen und entdeckt jedes Mal etwas Neues — eine geschnitzte Tür, eine Katze, eine Biegung im Hinterhof. Plant nicht nur einen Tag ein: Lieber drei oder vier — und unbedingt in der Altstadt übernachten.