Sitorai Mokhi-Khosa in Buchara: Der Sommerpalast des letzten Emirs

Sitorai Mokhi-Khosa ist die Sommerresidenz des letzten Emirs von Buchara: ein weißer Palast mit geschnitzten Veranden, Kachelöfen aus Sankt Petersburg und einem Spiegelsaal. Erbaut acht Jahre, bevor das Emirat von der Landkarte verschwand.

Weißer Turm des Sitorai Mokhi-Khosa Palastes mit Halbmond bei Sonnenuntergang
Der Turm über dem Palast ist die wichtigste Landmarke: schon von Weitem sichtbar, besonders zur goldenen Stunde

Über den Palast Sitorai Mokhi-Khosa – „Sterne und Mond"

Der Name bedeutet übersetzt „Palast, der den Sternen und dem Mond gleicht“. Bauten in diesem Garten gab es schon seit dem 18. Jahrhundert, doch das Ensemble, das die Touristen heute sehen, ist das Werk des letzten Emirs Sayyid Mir Muhammad Alim Khan, entstanden zwischen 1912 und 1918.

Haupttor von Sitorai Mokhi-Khosa mit Mosaikkacheln
Das Haupttor – das Mosaik ist genauso gelegt wie an den Medresen im Zentrum von Buchara, nur sind die Proportionen „häuslicher", nicht so prunkvoll-städtisch

Die bucharischen Meister, die der Emir zum Studieren nach Sankt Petersburg und Jalta geschickt hatte, kehrten mit europäischen Fertigkeiten zurück. So entstanden Wände und Decken im Palast in der traditionellen Gantsch-Technik (geschnitzter Stuck), während die Kachelöfen, gusseisernen Balkongitter und Kristallleuchter per Eisenbahn aus Russland kamen.

Der Emir selbst lebte hier nur kurze Zeit: 1920 fiel das Emirat Buchara, Alim Khan floh nach Afghanistan, und schon 1927 wurde der Palast zum Museum. Seither beherbergt er eine Sammlung kunsthandwerklicher Objekte – Suzani-Stickereien, Kostüme, Geschirr, Miniaturen – alles, was vom Hof und den Werkstätten Bucharas geblieben ist.

Was einen am Eingang erwartet: hölzerner Iwan und Lädchen mit Gewändern

Direkt hinter dem Haupttor liegt ein kleiner Innenhof mit einer hölzernen Pavillon-Iwan. Das ist das Erste, was ich nach dem Eintreten sah. Daneben standen einige Lädchen: Einheimische Handwerkerinnen verkaufen dort Chapan-Mäntel, Ikat, Suzani und bestickte Taschen. Man kann einfach nur schauen oder sofort etwas kaufen – die Preise sind nicht touristisch, vor allem wenn man morgens kommt.

Geschnitzte hölzerne Pavillon im Hof von Sitorai Mokhi-Khosa
Der hölzerne Iwan-Pavillon am Eingang – ein Ort, an dem man kaum vorbeikommt, ohne kurz innezuhalten

Lädchen direkt am Eingang: Chapan-Mäntel aus Ikat, Suzani-Tücher, handbestickte Taschen. Die meisten Frauen nähen direkt vor Ort – man kann ihnen bei der Arbeit zuschauen

Der Haupthof: Löwen, Arkaden und Brunnen

Hinter dem Tor gelangt man sofort in einen großen Prunkhof – weiße Arkaden, ein Brunnen in der Mitte und zwei steinerne Löwen, die den Eingang zu einem der Pavillons bewachen. Das ist der Teil des Palastes, in dem der Emir Gäste empfing und offizielle Zeremonien abhielt.

Haupthof von Sitorai Mokhi-Khosa mit Arkaden und rundem Brunnen
Der Haupthof: Arkaden, Brunnen und vor 11 Uhr fast immer keine Touristen

Löwen und geschnitztes Fenster: orientalisches Dekor auf europäischer Gebäudestruktur – das Markenzeichen dieses Palastes

Gantsch-Schnitzerei – weißer Stuck mit eingetieftem Muster. Auf dem Foto lässt sich der Maßstab kaum vermitteln: aus der Nähe sieht man, dass das Muster feiner als ein Bleistift ist

Der Weiße Saal: Thronsaal und das Werk von Schirin Muradow

Der Hauptgrund, warum man hierher kommt, ist der Weiße Saal. Lang, hell, mit hohen Fenstern und einem Kristallleuchter in der Mitte. Es ist der ehemalige Thronsaal, und seine Gantsch-Verzierung ist das Werk des Usto Schirin Muradow, eines bucharischen Meisters, der als einer der besten Gantsch-Schnitzer in der gesamten Geschichte Usbekistans gilt.

Weißer Saal – Thronsaal von Sitorai Mokhi-Khosa mit Kristallleuchter
Der Weiße Saal: lang, hell, mit Kristallleuchter in der Mitte. Dieser Ort ist gewissermaßen der „Prunksalon" des Palastes

Die Besonderheit von Schirin Muradow: Er hatte die Idee, weißen Gantsch auf Spiegelgrund zu verarbeiten. Hinter jedem Spitzenmuster der Schnitzerei steckt also ein Spiegel, der das Ornament von innen erhellt. Wenn man an einem sonnigen Tag gegen Mittag kommt, ist der Effekt am stärksten: Die Wände beginnen regelrecht zu leuchten.

Ecke des Weißen Saals mit geschnitztem Gantsch auf Spiegelgrund
Eine Ecke im Weißen Saal. Wenn man genau hinschaut, erkennt man: Hinter der Schnitzerei liegt ein Spiegel. Das ist die Technik von Schirin Muradow

Decken und Nischen: jedes Muster ist Handarbeit. Hier gibt es keine zwei identischen Elemente

Bemalte Vasen an den Wänden – ein eigenes Genre. Jede ist als eigenständiges Bild gemalt

Detail einer geschnitzten Säule im Weißen Saal
Säule in Nahaufnahme – fünf bis sechs übereinandergelegte Musterschichten. Jeder Zentimeter bedeutete Stunden Arbeit
Geschnitzter hölzerner Wandschirm im Palastinneren
Geschnitzte Holzpaneele in den Türen – davon gibt es Dutzende im Weißen Saal. Alle wurden von einem Team von Meistern in fünf Jahren angefertigt
Bemalte Vase mit weißen Blumen an der Wand
Noch ein Motiv: weiße Blumen in einer blauen Vase. Das Blau ist hier ein natürliches Pigment aus Lapislazuli

Ein Raum mit Teppichen und Kunstgegenständen

Direkt hinter dem Weißen Saal liegt ein kleiner Raum mit einem Teppich auf dem Boden, in dem kleinere Gegenstände aus dem Alltag des Emirs gesammelt sind: Bronzetabletts, bunte Glasfenster in Nischen, samtene Vorhänge, ein silbernes Barometer. Lange verweilen muss man hier nicht, aber durchschauen lohnt sich.

Buntglas und Bronzetablett mit arabischer Kalligrafie: beides aus dem Speisesaal des Emirs

Antikes rotes Samttextil mit Silberstickerei
Samtvorhänge: Original, die Stoffe sind über hundert Jahre alt. Die Silberstickerei ist stellenweise abgewetzt, aber das Muster ist gut zu erkennen
Vintage-Thermometer-Barometer mit Silberbeschlag
Thermometer-Barometer in Silberfassung – der Emir behielt das Wetter im Auge

Der Spiegelsaal: Gold und Emir-Porträts

Wände und Decke des Spiegelsaals sind mit hunderten kleinen Spiegeln in geschnitzten Rahmen besetzt. Dazwischen: Porträts der Emire, bunte Glasfenster, Goldbemalung. Wenn man durch den Saal geht, bewegen sich die Spiegelungen mit, und es scheint, als würde der Raum sein eigenes Leben führen.

Spiegelsaal von Sitorai Mokhi-Khosa mit Goldverzierung
Der Spiegelsaal: Jeder Zentimeter Wand ist ein Mosaik aus Spiegeln und Gold. Hier wurden besonders wichtige Gäste empfangen

Decke und Leuchter – Kristall, in Europa eigens für die Maße dieses Saals bestellt

Porträts der Emire von Buchara in Spiegelrahmen
Emir-Porträts – die zwei wichtigsten: Abdul-Ahad Khan und sein Sohn Alim Khan, der letzte Emir von Buchara

Russisches Erbe: Kachelöfen und Kristallleuchter

Das ist vielleicht das Unerwartetste. Der Emir bestellte alles in Russland – Möbel, Geschirr, Porzellan, vor allem aber Kachelöfen. In jedem Zimmer steht ein großer Kachelofen, herangefahren aus Sankt Petersburg oder Moskau. Und sie funktionierten – der Emir und seine Familie lebten ganzjährig im Palast, nicht nur im Sommer.

Russischer Kachelofen in einem Saal des Palastes
Russischer Kachelofen – aus Sankt Petersburg. Die usbekische Seite fertigte Fundament und Verkleidung an, das Ofengehäuse kam mit der Eisenbahn
Detail von Keramikkacheln an der Wand
Kacheln in Nahaufnahme – Reliefmuster aus dem 19. Jahrhundert. Der Ofen ist alt, wurde aber sorgfältig restauriert
Blaues Zimmer mit Kristallleuchter
Das Blaue Zimmer: Leuchter, Samtvorhänge, und wieder dieselbe hybride Ästhetik – europäische Volumen, orientalische Ornamente
Blaue Gitterwand mit geometrischem Muster
Wand des Blauen Zimmers in Nahaufnahme: geometrisches Gitter aus Gantsch, von Hand bemalt. Die Farbe ist hier das markanteste Merkmal des Saals
Kristallleuchter in Nahaufnahme
Detail des Leuchters: echtes Kristall, das im Sonnenlicht Regenbögen über alle Wände wirft

In demselben Blauen Zimmer sind auch geschnitzte Möbel erhalten – eine Truhenkommode, ein Schrank mit arabischer Kalligrafie und eine Vitrine mit Geschirr. Im Grunde ist das der „Wohnteil“ des Saals: das, was der Emir und seine Familie tatsächlich benutzten.

Truhe und Schrank mit Kalligrafie: An den Schranktüren stehen Verse auf Altusbekisch (Tschagataisch). Der Meister hat sie von Hand geschnitzt

Die gläserne Veranda – der letzte Saal des Hauptpalastes

Der allerletzte Raum im Hauptbau ist eine hölzern-gläserne Anbauveranda mit blauer Bemalung, die zum Hof hinausgeht. Im Grunde ist es eine Veranda-Orangerie: hohe Fenster auf allen Seiten, ein Buntglasfenster in der Decke, eine Vitrine mit Geschirr und große Bodenvasen. Als ich dort war, kam das Tageslicht von allen Seiten gleichzeitig – schwer zu fotografieren, aber wunderschön.

Gläserne Holzveranda des Hauptpalastes
Glasanbau mit blauer Holzverkleidung. Von außen wirkt er wie ein eigener Pavillon, ist aber Teil des Hauptpalastes
Buntglasdecke der gläsernen Veranda
Glasfenster in der Decke: rotes und oranges Glas. Im Sommer, wenn die Sonne hoch steht, erscheinen bunte Lichtflecken auf dem Boden

Veranda von innen und außen: Holz und Glas sind original, Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Glasvitrine mit orientalischem Geschirr
Geschirrvitrine in der Ecke der Veranda: Schalen, Teller und Service – ein Teil aus China, ein Teil bucharischer Arbeit

Kostümmuseum: Gewänder der Emire und bestickte Schuhe

In einem separaten Gebäude auf dem Palastgelände befindet sich das Kostümmuseum. Es ist ein eigenständiger Bau mit einem geschnitzten blauen Iwan am Eingang. Innen: eine Sammlung höfischer Trachten – Gewänder des Emirs, Frauenkleider, Schuhe, Kopfbedeckungen. Ein Teil ist hinter Glas ausgestellt, ein Teil auf Schaufensterpuppen. Wer Stoffe und Stickereien liebt, sollte mindestens eine halbe Stunde einplanen.

Blauer geschnitzter Iwan des Kostümmuseums
Der Iwan des Kostümmuseums. Die Farbe ist natürliches Grünspan – ein Pigment, das in Buchara seit dem Mittelalter verwendet wird
Geschnitzte Decke unter dem Vordach des Eingangs
Unter dem Vordach des Eingangs: eine bemalte Holzdecke. Man tritt ein und legt sofort den Kopf in den Nacken
Saal des Kostümmuseums mit drei Emir-Gewändern
Die zentrale Vitrine: drei Emir-Gewänder für unterschiedliche Anlässe. Das goldene ist das Prunkgewand, das gestreifte ist Alltagskleidung, das dunkle ist ebenfalls festlich, aber „abendlich"

Goldenes Prunkgewand und gestreiftes Alltagsgewand. Seide, Goldstickerei, Gewicht: jeweils etwa fünf Kilogramm

Stiefel und Schuhe – alle handbestickt. Die Stiefel sind Männerstiefel, festlich. Die Pantoffeln sind Damenschuhe für drinnen

Detail einer bestickten Weste mit Ornament
Stickerei am Kragen – sie heißt „Sarbof": Goldstickerei auf Samt. Wurde nur am Hof gefertigt
Vitrinen mit Hofkleidern im Museum
Saal der Frauenkostüme: Ikat, Seide, Brokat. Ein Teil der Kleider gehörte den Frauen des Emirs, ein Teil den Hofdamen
Bemalte achteckige Decke im Saal des Kostümmuseums
Achteckige Decke eines der Säle: Gold, grünes Pigment, ein Ornament in Form einer sich öffnenden Blume
Sternförmige geometrische Decke über der Ausstellung
Geometrische Decke: Stern im Stern – typisch usbekische Mathematik, eine Anspielung auf Kosmogonie und Astronomie. Diese hier befindet sich über einem der Kostümsäle

Der Harem: weißes Herrenhaus am Teich – Suzani- und Keramikmuseum

Etwas abseits des Hauptkomplexes steht ein eigenes weißes Herrenhaus mit einem Teich davor. Das ist der ehemalige Harem des Emirs. Alim Khan hatte mehrere Frauen, und jede bewohnte einen eigenen Teil des Hauses. Eine verbreitete bucharische Legende erzählt, dass der Emir eine seiner Frauen erwählte, als er sie in diesem Teich baden sah – deshalb beließ man den Teich neben ihrem Haus.

Heute befindet sich gerade im Harem das zweite große Museum des Palastes: eine Sammlung von Suzani (bucharische Handstickerei), Bodenvasen, Kachelöfen, Keramikpaneelen und rekonstruierten Wohnräumen.

Weißer Harem-Palast am Teich in Sitorai Mokhi-Khosa
Der Harem: ein weißes Gebäude im Stil eines „europäischen Pavillons" mit Teich. Der beste Blickwinkel ist von der gegenüberliegenden Seite des Teichs, damit man die Spiegelung im Bild hat
Geschnitzter hölzerner Iwan über dem Eingang zum Harem
Geschnitzter Iwan über dem Eingang zum Harem. Die Holzschnitzerei ist vollständig original

Säule am Teich und bemalte Decke über dem Eingang. Das Muster sieht aus wie eine Miniatur, nur zehnfach vergrößert

Fassade des Harems mit gusseisernem Balkon
Gusseiserner Balkon – ein Guss aus Russland. Das Gitter ist exakt dasselbe wie an den Petersburger Mietshäusern jener Zeit
Detail des geschnitzten Iwan-Vordachs am Harem
Der geschnitzte Iwan über dem Eingang – das ist bereits Arbeit der einheimischen bucharischen Meister

Suzani und rekonstruierte Räume

Rekonstruierter Raum mit Suzani und Textilien
In einem der Säle: ein rekonstruiertes Schlafzimmer – rote Suzani an den Wänden, niedriger Tisch, Petroleumlampe

Suzani mit Medaillons: ein typisch bucharisches Muster. Jeder Kreis ist ein eigenes Motiv und symbolisiert Sonne oder Blume

Der Suzani-Saal als Ganzes: an den Wänden hängen großformatige Tafeln aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, in den Vitrinen liegen Garn- und Nadelproben

Großes Suzani mit Blumenmedaillons
Das größte Suzani der Sammlung – etwa zwei Meter hoch. Es wurde rund sechs Jahre lang bestickt
Große Bodenvase mit Pfau im Museum
Japanische bemalte Vase, Anfang des 20. Jahrhunderts. Stand einst im Privatsalon des Emirs – heute hierher in das Harem-Museum gebracht

Kachelöfen und Keramikpaneele

In denselben Sälen stehen Kachelöfen, Wandfliesen und Geschirr. Im Grunde ist es eine Rekonstruktion der Wohninterieurs: Wie sahen Wohn- und Speisezimmer zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus.

Öfen: der cremefarbene aus dem späten Jugendstil, daneben Geschirr aus derselben Zeit

Suzani und Kachelofen in der Museumsausstellung
Suzani plus Ofen plus gedeckter Tisch – ein Versuch zu zeigen, wie eine Wohnstube zu Beginn des 20. Jahrhunderts aussah

Fliesen aus der Nähe: Relief-Jugendstil, Anfang 20. Jahrhundert. Man erkennt kleine Absplitterungen – der Ofen ist alt, wurde aber sorgsam restauriert

Stuck und Medaillons: alles aus Russland, aber die Motive sind dem lokalen Geschmack angepasst – keine Menschenfiguren, nur Blumen und Geometrie

Suzani neben großem Kachelofen
Die Verbindung zweier kultureller Hauptlinien: bucharisches Suzani und russischer Kachelofen in einem Bild

Sommermoschee im Garten – der geschnitzte Pavillon des Emirs

Im Garten steht der ungewöhnlichste Pavillon des Komplexes: ein zweistöckiges geschnitztes hölzernes Gartenhaus auf einem kleinen Hügel. Lokalen Quellen zufolge war es die persönliche Sommermoschee des Emirs – ein Ort zum Beten in der warmen Jahreszeit. Nach oben führt eine Holztreppe; im Inneren ist die obere Ebene offen, mit Bögen auf allen Seiten.

Handwerkerin bei der Arbeit am Suzani
Direkt bei der Sommermoschee, unter einem Vordach, sitzt eine Handwerkerin und stickt ein Suzani: erst die Kontur, dann die Füllung mit Farbe. Im Hintergrund stehen Körbchen mit Seidengarn

Sommermoschee auf dem Hügel: in den ersten Stock führt eine Holztreppe. Von oben hat man den schönsten Blick auf den Garten

Pavillon zur goldenen Stunde zwischen Bäumen
Derselbe Pavillon, aber zur goldenen Stunde. Das ist hier die beste Zeit zum Fotografieren – das Holz nimmt warme Töne an, und die Bögen leuchten von innen
Pavillon des Emirs mit Palmen und Bäumen
Blick auf den Pavillon durch den Garten: Hier ruht sich immer jemand auf den Bänken aus. Die Einheimischen kommen einfach, um hier zu sitzen

Der Palastturm: die wichtigste Landmarke

Über dem Dach des Hauptgebäudes erhebt sich ein weißer Turm mit Kuppel und Halbmond – das markanteste Detail des Palastes. Von hier oben, so erzählt man, schaute der Emir in seinen Garten. Heute darf man nicht mehr hinauf, doch von außen ist der Turm von überall sichtbar.

Turm von Sitorai Mokhi-Khosa in Nahaufnahme
Der Turm in Nahaufnahme: Kuppel, Arkaden, Halbmond. Die Architektur ist später orientalischer Jugendstil – sehr selten in der Region

Der Garten: Herbstlicht, Pfauen und Rosen

Im Palastgarten wachsen alte Schnurbäume, Apfelbäume und Granatapfelbäume. Im Herbst ist das Licht hier weich, ohne harten Mittagskontrast, und die beste Zeit, Architektur zu fotografieren, sind Oktober und November. Außerdem hat der Palast seine eigene große Voliere mit Pfauen, schon aus der Zeit des Emirs.

Sitorai Mokhi-Khosa vom Garten aus
Hauptfassade vom Garten aus. Man sieht den berühmten Turm und versteht, wie groß das Gebäude wirklich ist
Kuppel des Palastes durch Zweige bei Sonnenuntergang
Die Kuppel des Palastes durch Äste, etwa 15 Minuten vor Sonnenuntergang
Weinblätter im Garten gegen das Licht
Wein im Garten gegen das Licht – ein gewöhnliches Detail. Aber im Oktober wird er gerade goldgelb
Schnurbaum mit Herbstfrüchten im Palastgarten
Schnurbaum mit Früchten – ein typischer Baum für bucharische Gärten. Botaniker schätzen ihn auf mindestens 80 Jahre
Herbstblätter im Garten gegen das Licht
Herbstlicht unter einem alten Baum. Mein Tipp: nach 16:00 Uhr kommen, dann sind die Schatten lang und der Garten wird seitlich angestrahlt
Rosen im Palastgarten
Rosen im Garten – sie blühen von Mai bis Oktober, zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Sorten. Diese hier sind die letzten im November

Pfauen: Hier leben mehr als zwanzig. Wer Glück hat, sieht ein gefächertes Rad – das gibt es meist im März und April, in der Paarungszeit

Bucharische Miniaturmalerei

Mitten im Garten, unter einem Vordach, saß ein Mann an einem kleinen Tisch und malte mit feinem Pinsel etwas sehr Detailliertes auf ein kleines Blatt. Ich blieb stehen, schaute zu – und ging auf ihn zu. Einfach aus Neugier: Wie wird so etwas gemacht, welche Motive werden gewählt, wer malt? So lernten wir uns kennen – sein Name ist Abror.

Künstler Abror an seinem Arbeitstisch auf dem Palastgelände
Abror arbeitet im Freien – Tisch unter einem Vordach, Aquarellfarben, feine Pinsel aus Eichhörnchenhaar, und Dutzende fertiger Miniaturen hängen direkt an den Brettern hinter ihm

Abror erzählte mir, dass er seit zwanzig Jahren in dieser Technik arbeitet und eine Kunsthochschule abgeschlossen hat. Sein Atelier hat er direkt hier am Palast – er sitzt jeden Tag an diesem Tisch, und jede größere Miniatur dauert zwischen zwei Wochen und einem Monat.

Abror bei der Arbeit und eine seiner fertigen Miniaturen – eine Szene mit Kutsche und Figuren auf der Seidenstraße. Er zeigte sie mir direkt vor Ort

Symbolik: Jedes Tier bedeutet etwas Bestimmtes

Die bucharische Miniaturmalerei ist nicht einfach eine schöne Zeichnung, sondern eine Zeichensprache. Abror zeigte mir seine Arbeiten und erklärte: Auf jedem Bild gibt es eine eigene Reihe von Symbolen, und die einheimischen Meister lesen sie wie einen Text.

  • Eule – Weisheit
  • Wiedehopf – Sufismus
  • Tiger – Macht
  • Pferd – Treue
  • Katze – Zärtlichkeit

„Wenn die Leute eine Miniatur betrachten und eine Eule auf einem Ast sehen, ist das nicht einfach ein Vogel. Das ist ein Zeichen: Hier geht es um Wissen, um Weisheit“, erklärte Abror.

Miniatur mit Lebensbaum und Vögeln
Lebensbaum mit Vögeln – ein klassisches Motiv. Jeder Vogel hat seine eigene Bedeutung, und in einer Komposition können es zehn bis zwölf sein

Die Große Seidenstraße und ihre Helden

Das Hauptthema, das sich durch all seine Arbeiten zieht, ist die Große Seidenstraße. Von China bis Venedig, über Samarkand, Buchara und Chiwa. Auf manchen Miniaturen sind Karawanen Marco Polos zu sehen, auf anderen die Reise Ibn Battutas, des „arabischen Marco Polo“ aus Marokko, auf wieder anderen Scheherazade oder Hodscha Nasreddin.

Karawanen und Tänzer – typische Motive der bucharischen Miniaturmalerei. Eine ganze Geschichte passt in ein einziges Bild von der Größe einer Handfläche

Zu den Helden, die Abror malt, gehören:

  • Ulug Beg – Astronom, Enkel von Amir Timur, aus Samarkand
  • Avicenna (Ibn Sina) – Arzt, gebürtig aus Buchara
  • Al-Chwarizmi – Mathematiker aus Chiwa, in Europa „Mister Zero“ genannt, weil er den Begriff der Null einführte
  • Rumi – Dichter, geistiger Anführer der Derwische
  • Marco Polo und Ibn Battuta – die zwei großen Reisenden ihrer Zeit

Wenn man eine Miniatur als Geschenk kaufen möchte, ist es hier besser als auf dem Souvenirbasar im Zentrum von Buchara. Die Preise sind vergleichbar, aber die Qualität ist eine andere: Bei Abror sieht man, dass es ein einzelner Künstler malt, keine Werkstatt mit Hilfskräften. Und mit Glück erzählt er einem persönlich, was zu sehen ist: jede Karawane, jeder Held, jedes Tier in der Ecke der Komposition.

Praktische Informationen

Wie man hinkommt und wo es liegt

  • Adresse: Sitorai Mohi Hosa, Buchara, Usbekistan
  • GPS: 39.8456, 64.4406
  • Entfernung vom Zentrum Bucharas: ca. 4 km nördlich
  • Öffnungszeiten: 9:00–18:00 Uhr (Sommer), 9:00–17:00 Uhr (Winter). Ruhetag meist Mittwoch, am besten vorab nachfragen
  • Eintritt: ca. 50.000 UZS (~4 EUR) für Ausländer, Fotografieren kostenlos
  • Zeit einplanen: mindestens 2 Stunden, besser 3
  • Google Maps: Sitorai Mokhi-Khosa

Anreise vom Zentrum Bucharas

  • Taxi: 30.000–50.000 UZS (~2,5–4 EUR) pro Strecke. Am besten gleich eine Wartezeit vereinbaren, denn auf dem Rückweg ist es schwerer, ein Taxi zu bekommen
  • Marschrutka Nr. 70 oder Nr. 7: hält etwa 200 Meter vom Tor entfernt, ca. 4.000 UZS (~0,30 EUR)
  • Fahrrad: ebener Weg, 4 km, 25 Minuten. Verleih im Zentrum ab 50.000 UZS pro Tag (~4 EUR)
  • Zu Fuß: technisch machbar, aber 50 Minuten an einer lauten Straße entlang sind keine schöne Variante

Anreise nach Usbekistan

  • Visum: Deutsche Staatsbürger können das e-Visum online in wenigen Minuten beantragen (ca. 20 USD)
  • Flüge: Direktflüge von Frankfurt und München nach Taschkent mit Uzbekistan Airways, von dort weiter nach Buchara (Inlandsflug ca. 1 Stunde) oder mit dem Schnellzug Afrosiyob über Samarkand

FAQ

Wie kommt man von Buchara nach Sitorai Mokhi-Khosa?

Am einfachsten mit dem Taxi, etwa 30.000–50.000 UZS (~2,5–4 EUR) pro Strecke. Mit der Marschrutka Nr. 70 oder Nr. 7 zahlt man etwa 4.000 UZS (~0,30 EUR). Die Entfernung vom Zentrum beträgt 4 km nach Norden.

Wie viel Zeit braucht man für die Besichtigung?

Mindestens 2 Stunden, besser 3. Wer Stoffe, Kostüme und Miniaturen liebt, sollte für das Suzani-Museum und ein Treffen mit den lokalen Meistern eine weitere Stunde einplanen.

Wann ist die beste Reisezeit für Sitorai Mokhi-Khosa?

Die besten Monate sind April, Mai, Oktober und November. Im Sommer ist es heiß (über 40 °C), im Winter ist es im Palast kalt – die Heizung ist schwach. Die Morgenstunden (9:00–11:00 Uhr) sind ideal: wenig Touristen und schönes Licht.

Lohnt sich der Besuch im Anschluss an Buchara oder ist es Teil des Stadtprogramms?

Es ist Teil des Programms, aber als eigene Etappe – ich würde dafür einen halben Tag einplanen. Man kann es auch mit anderen weiter entfernten Punkten wie Tschor-Bakr verbinden, sie liegen ungefähr in derselben Richtung.

Kann man auf dem Gelände Souvenirs kaufen?

Ja. Am Tor und im Garten gibt es Werkstätten mit Suzani, Miniaturen, Keramik und Ikat-Kleidung. Die Preise sind mit den Bucharaer Basaren vergleichbar, die Qualität ist aber höher.

Wie viel kostet der Eintritt?

Etwa 50.000 UZS (~4 EUR) für Ausländer. Fotografieren und Filmen sind kostenlos. Einen Audioguide kann man für etwa 30.000 UZS (~2,5 EUR) zusätzlich buchen.

Was sollte man mitbringen?

Wasser (gibt es vor Ort, ist aber teuer), bequeme Schuhe – man läuft viel, einen Schal für Frauen (nicht zwingend, aber im Harem angenehmer), und ein gutes Objektiv, falls man mit Kamera unterwegs ist.

Ein stiller Palast abseits der Route

Die meisten Buchara-Touristen schaffen nur das Zentrum – Lyabi-Hauz, Kalon, die Medresen. Sitorai Mokhi-Khosa wird so zum „Bonus“, für den vielen die Zeit fehlt. Schade, denn hier sieht man die Alltagsseite des Emirats: wie man lebte, was bestellt wurde, wer an diesen Wänden arbeitete.

Wer mindestens zwei bis drei Tage in Buchara einplant, sollte einen halben Tag für den Palast reservieren – am besten den Nachmittag, um das Abendlicht am Turm und im Garten einzufangen.

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