Chor-Bakr Nekropole, Buchara — Kompletter Guide zur Totenstadt

Zehn Minuten mit dem Auto vom Zentrum Bucharas entfernt — und statt der Menschenmassen am Poi-Kalan spaziere ich plötzlich durch einen kompletten Komplex aus dem 16. Jahrhundert, in dem sich kaum eine Menschenseele aufhält. Das ist Chor-Bakr — die Familiennekropole der Juybar-Scheichs, erbaut 1560.

Hauptportal mit Mosaikband über dem Bogen und arabischer Kalligraphie
Eines der besterhaltenen Mosaikfragmente im gesamten Komplex. Geh ruhig nah ran — man sieht jeden Riss in den Kacheln

Was Chor-Bakr ist und warum es „vier Brüder“ heißt

Chor-Bakr bedeutet wörtlich „vier Brüder“ — benannt nach vier Nachfahren des Propheten Muhammad aus der Linie Abu Bakrs, die hier bestattet sind. Der wichtigste von ihnen, Abu Bakr Saad, ließ sich bereits im 10. Jahrhundert im Dorf Sumitan in der Nähe Bucharas nieder und starb hier im Jahr 970. Pilger begannen, sein Grab aufzusuchen — so entstand der Ort, lange bevor die heutigen Bauten errichtet wurden.

Der architektonische Komplex, den man heute sieht, wurde 1560–1563 von Khan Abdullah Khan II. erbaut — als Geschenk an seine Mutter. Auf dem Pilgergelände entstanden eine Moschee, eine Madrasa und eine Khanaqah, umgeben von einem Garten aus Zypressen, Platanen, Weiden und Rosen. Nach dem Tod von Scheich Khoja Juybari im Jahr 1563 wurde Chor-Bakr zur Familiengrabstätte der Juybar-Scheichs — Sufi-Meistern des Naqshbandi-Ordens, die unter Abdullah Khan faktisch Buchara regierten.

Den Juybar-Scheichs gehörten ganze Städte und Stadtviertel, sie kontrollierten den Karawanenhandel und dienten den Khanen als spirituelle Mentoren. In ihrem Einfluss werden sie oft mit den Jesuiten im Europa des 17. Jahrhunderts verglichen — ein religiöser Orden mit echter politischer und wirtschaftlicher Macht.

Hauptportal der Chor-Bakr-Khanaqah — Bogeniwan mit geschnitztem Gitterfenster
Hauptportal der Khanaqah. Der Bogen ist etwa 13 Meter hoch

Die Filmkulissen am Eingang

Direkt nach dem Haupteingang, noch bevor man zur eigentlichen Moschee und Khanaqah gelangt, sieht man einige merkwürdige Bauten, die man auf den ersten Blick für Teil des Komplexes halten könnte. Eine Backsteinmauer mit runden Türmen und Zinnen, ein Holztor, ein paar traditionelle Ochsenkarren unter Leinendächern, Körbe, irdene Vorratskrüge. All das stammt nicht aus dem 16. Jahrhundert — es sind Filmkulissen, die nach Dreharbeiten zu einem Historienfilm zurückgeblieben sind.

Chor-Bakr ist seit Jahren ein beliebter Drehort für zentralasiatische Filmemacher: Hier wurden mehrere Historiendramen über das Khanat Buchara und die Seidenstraße gedreht. Einige der Kulissen (gestaltet als Karawanserei-Tor und Händlerkonvoi) wurden nie abgebaut — sie stehen heute wie eine Art Open-Air-Requisitenmuseum. Praktischerweise sind sie vom Hauptkomplex etwas abgesetzt: Touristen fotografieren sie und ziehen weiter, während die Nekropole selbst nahezu leer bleibt.

Kulissen direkt nach dem Haupteingang. Das Mauerwerk wirkt „alt“, ist aber nur wenige Jahrzehnte und nicht 16. Jahrhundert. Die Einheimischen erzählen, dass hier mehrere Filme gedreht wurden — den genauen Titel konnte ich nicht herausfinden, frag den Wächter vor Ort

Pfau läuft an einem weiteren Dekorationsportal mit Buntglas vorbei
Die Pfauen hier sind echt und überhaupt nicht menschenscheu. Dieser hier flanierte gerade um ein Dekorationsportal und wusste ganz genau, wie fotogen er war
Geschnitzte Holzsäule mit Kapitell unter einem Baldachin — ebenfalls Filmrequisit
Auch diese geschnitzte Säule ist ein Filmrequisit, kein Original aus dem 16. Jahrhundert. Sie steht im selben Bereich, in der Nähe des Tors und der Ochsenkarren

Das architektonische Ensemble: Khanaqah, Moschee, Madrasa

Die Hauptbauten von Chor-Bakr reihen sich entlang einer einzigen Achse auf und bilden ein dichtes Ensemble. Im Zentrum steht die große Khanaqah (eine Sufi-Klause) mit einem schon von weitem sichtbaren Portal. Rechts davon — die Freitagsmoschee mit weißen Innenräumen. Links — die Madrasa. Dazwischen ein kleiner Platz und das Minarett, wegen dem die Hälfte der Besucher überhaupt hierherkommt.

Das Minarett — ein Mini-Kalan

Dieses runde Backsteinminarett ist eine verkleinerte Kopie des berühmten Kalan-Minaretts in Buchara selbst. Es ist etwa 18 Meter hoch und hat eine Wendeltreppe im Inneren (für Besucher gesperrt). Aus dem richtigen Winkel reihen sich Minarett, Madrasa und Khanaqah-Kuppel zu einem klassischen Buchara-Foto auf — nur eben ohne die Menschenmassen am Poi-Kalan.

Chor-Bakr-Minarett vor der Kulisse von Khanaqah und Madrasa
Chor-Bakr-Minarett ragt über das Ensemble aus Madrasa und Mausoleen
Das Minarett ist der höchste Punkt des Komplexes. Das beste Licht hat man etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang, wenn der Backstein honigfarben leuchtet

Im Inneren der Khanaqah und der Moschee

Die Khanaqah birgt einen riesigen oktogonalen Saal mit einer Muqarnas-Kuppel in Wabenform. Stellenweise ist der Putz abgefallen, die Wände sind fleckig — aber genau dieser raue Zustand lässt den Saal lebendig wirken, nicht museumsperfekt. Die Moschee ist das Gegenteil: vollständig restauriert, mit weißen Wänden, feiner ornamentaler Bemalung in Burgund und Grau, einem riesigen vergoldeten Kronleuchter. Die Moschee ist aktiv — freitags wird hier gebetet.

Oktogonaler Saal der Khanaqah von innen: Muqarnas-Kuppel und Bogennischen
Im Inneren der Khanaqah. An der Decke sieht man Vogelnester — und irgendwie wirkt die Architektur dadurch noch bewohnter
Saal der Chor-Bakr-Moschee mit vergoldetem Kronleuchter und bemalten Wänden
Im Inneren der Moschee. Der Eintritt ist erlaubt, aber die Schuhe müssen aus — und Frauen sollten ihren Kopf bedecken

Totenstadt: die Nekropole der Juybar-Scheichs

Hinter dem Hauptensemble liegt das eigentliche Herz von Chor-Bakr — die Nekropole selbst. Es ist ein Labyrinth aus Gassen und Höfen, durchsetzt mit Khazira — ummauerten Familiengrabhöfen ohne Dach. Innerhalb der Khaziras stehen steinerne Sarkophage, mal in Reihen, mal einzeln. Die Wege sind im Fischgrätmuster mit Backstein gepflastert und schlängeln sich so unvorhersehbar zwischen den Gebäuden, dass man eine Karte braucht, um die Orientierung zu behalten.

Genau diese berühmte Struktur einer „Totenstadt“ hat Chor-Bakr seinen Platz auf der UNESCO-Vorschlagsliste eingebracht: Die Nekropole bildet den Grundriss eines Wohnviertels in Buchara buchstäblich nach — nur dass es statt Häusern Khaziras gibt und statt Bewohnern die Juybar-Scheichs und ihre Nachfahren.

Gassen der Chor-Bakr-Nekropole: schmale Durchgänge zwischen Khaziras mit Bogenportalen
Die Gassen der Nekropole. Man kann eine halbe Stunde lang umherwandern und höchstens dem Wächter mit seinem Besen begegnen

Im Inneren einer typischen Khazira. Die Grabsteine heißen „Sagana“: gestufte Blöcke aus Marmor und behauenem Stein, ohne Dach darüber

Architekturdetails

Chor-Bakr belohnt langsames Gehen und den Blick nach oben. Jedes Khazira-Portal ist ein eigenes architektonisches Rätsel: Bei einem sind die Muqarnas zu einer strengen Wabe verdichtet, beim nächsten zieht sich ein Mosaikband mit kufischer Schrift am Rand entlang, beim dritten ist es nur ein schlichter Backstein-Iwan ohne Verzierung, dafür mit perfekten Proportionen. Viele der originalen Kacheln sind verloren und wurden nicht restauriert — und genau das ist vielleicht das Wertvollste: Was man hier sieht, ist keine Museumsrekonstruktion, sondern lebendige Architektur des 16. Jahrhunderts mit vier Jahrhunderten Patina.

Dakhma mit Portal und innerer Muqarnas-Kuppel aus Backstein
Eines der schönsten Portale im Komplex. Die Muqarnas sind hier schmucklos, reine Geometrie
Nahaufnahme des Muqarnas-Gewölbes über dem Eingangsiwan
Dasselbe Gewölbe aus der Nähe. Diese „Stalaktiten“ sind nicht nur Dekor — sie verteilen die Kuppellast bis hinunter auf die Wände

Die erhaltenen Kachelfragmente geben eine Vorstellung davon, wie die Portale einst aussahen. Bei den meisten sind nur noch Mosaikspuren übrig

Spitzbogenportal mit Doppelbogen und geschnitztem Backsteinwerk
Spitzbögen sind ein Erkennungsmerkmal der zentralasiatischen Architektur dieser Periode. An diesem Portal sieht man deutlich, wie die Backsteine in Schichten verlegt wurden, um Tiefe zu erzeugen
Lange Khazira-Mauer mit Panjara-Gitterfenstern und Eckiwan
Gitterfenster heißen „Panjara“. Sie halten das Innere selbst in der Hitze schattig und luftig — ein simpler, aber wirkungsvoller Trick gegen die usbekische Sonne
Backsteingewölbte Grabsteine (Sagana) in einem kleinen Hof
Sagana mit Backsteingewölben — eine der ältesten Grabsteinformen im Komplex

Grabsteine und alte Türen

Den Grabsteinen gehört ein eigener Absatz. Es gibt Hunderte davon in Chor-Bakr — von schlichten Steinplatten bis zu hohen schwarzen Stelen voller Schnitzereien und Kalligraphie. Die ältesten sind von der Zeit zu Spiegelglanz poliert. An manchen Portalen hängen noch originale Holztüren aus dem 17.–18. Jahrhundert: geschmiedete Eisenringe, Handschnitzereien, ausgetrocknete Bretter.

Hohe schwarze geschnitzte Stele mit arabischer Kalligraphie in einer Khazira
Diese schwarzen Stelen heißen „Kayrak“. Hineingemeißelt wurden Namen, Daten und manchmal auch Verse
Alte Holztür mit geschnitzter Tafel und geschmiedetem Eisenring
Eine originale geschnitzte Tür. Das Muster ist floral, ohne Lebewesen — klassische islamische Schnitzkunst
Schlichte Khazira mit Nischen und Sarkophagen vor alter Backsteinmauer
Eine schlichte Khazira ohne Portal — so sehen die meisten aus. Die Inszenierung ist minimal, und genau deshalb wirkt sie umso stärker
Halb verfallene Khazira mit Bogen und einem Sarkophag im Hof
Nicht alles in Chor-Bakr ist restauriert — und das ist auch gut so. In diesen Ruinen steckt mehr Wahrheit als in jedem überpolierten Museum
Zwei Khaziras mit Tympana und alten Sarkophagen dazwischen
Zwei Khaziras gegenüber — eine typische Chor-Bakr-Komposition. Dazwischen verläuft meist eine „Gasse“
Schlichtes Bogenportal einer Khazira mit offener Tür in einem stillen Hof
Das Portal führt in einen winzigen Innenhof. Die gesamte Nekropole ist aus dieser Art von Geometrie aufgebaut

Blicke auf Buchara und der Garten

Von einigen erhöhten Khaziras hat man einen Blick auf die Altstadt — eine türkisfarbene Kuppel einer der Bucharer Moscheen ragt über die Dächer. Eine nützliche Erinnerung daran, dass Chor-Bakr ein Vorort ist und nicht das absolute Nirgendwo. Ein Teil des Geländes ist Garten: Platanen, Maulbeeren, Ulmen — im Herbst werden die Blätter golden. Direkt an der Außenmauer liegt ein Ententeich — ein guter Ort, um vor dem Aufbruch noch zehn Minuten zu sitzen.

Blick durch die Mauer einer Khazira auf eine türkisfarbene Kuppel einer Bucharer Madrasa
Die türkisfarbene Kuppel in der Ferne ist die Altstadt von Buchara. Dieses Foto gelingt nur von genau diesem Punkt aus
Khaziras im Vordergrund und Stadtpanorama mit Kuppel und Minarett
Die Stadt ist buchstäblich gleich hinter den Mauern der Grabsteine sichtbar. Sonnenaufgangsfotos sollen von hier aus angeblich noch besser sein — ich bin am Abend gekommen
Teich mit Enten im Chor-Bakr-Garten, Weidenzweige hängen darüber
Der Teich an der Außenmauer. Ein schöner Platz zum Ausruhen, wenn man mehr als eine Stunde durch den Komplex gelaufen ist
Pfad zwischen zwei Backsteinmauern mit einem einzelnen Baum und einem Bogen am Ende
Der Weg zum Osttor. Hier ist fast nie jemand
Offener Hof von Chor-Bakr mit ausladendem Baum und der Bogenfassade der Moschee
Der Haupthof. Morgens steht die Sonne hier fast senkrecht — besser kommt man kurz vor Sonnenuntergang
Gewölbte Grabsteine zwischen Baumstämmen und Ästen im Garten der Nekropole
Ein Teil der Nekropole ist von den Bäumen überwuchert. Die Stämme haben sich um sie herum gebogen, und die Sarkophage sind geblieben

Sonnenuntergangslicht und Herbstdetails

Ich bin im Oktober angekommen, und Chor-Bakr hat mich mitten im Herbst erwischt: gelbe Blätter an den Platanen, warmer honigfarbener Backstein, niedrig stehende Sonne. Es ist nicht der berühmteste Ort in Buchara, aber zu dieser Jahreszeit einer der fotogensten. Vertikale Baumstämme vor Portalen, Nahaufnahmen von Laub, eine Katze auf einer Mauer — die Bilder setzen sich von selbst zusammen.

Der Oktober in Chor-Bakr ist ein eigenes Foto-Genre. Gelb auf Ocker — mein Pflichtfoto

Mausoleumskuppel und Minarett, gesehen durch herbstliche Zweige
Die Mausoleumskuppel durch die Zweige. Von unten zu fotografieren ist hier mein Lieblingswinkel
Madrasa-Kuppel und Bogenfassade durch einen ausladenden Baum
Derselbe Winkel von einem anderen Punkt. Die Bäume wachsen hier so gut, als hätte man sie gepflanzt, um die Bilder zu rahmen
Fassade der Chor-Bakr-Khanaqah mit doppelter Reihe Bogennischen und Kuppel
Die Khanaqah-Fassade. Die doppelte Bogenreihe ist eine Technik, die die zentralasiatische Architektur jahrhundertelang wiederholt hat
Rote Katze läuft auf der Backsteinmauer zwischen gelben Blättern
Die Katzen vor Ort. Diese hier hat eine Runde auf der Mauer gedreht und ging weiter ihren Geschäften nach — ein zweites Foto hat sie mir nicht erlaubt
Sonnenuntergangslicht auf einem Chor-Bakr-Hof mit dem Wächter am Portal
Das letzte Licht des Tages. Zu diesem Zeitpunkt ist nur noch der Wächter auf dem Gelände — er ist auch derjenige, der nachts die Tore abschließt

Praktische Informationen

Chor-Bakr — was du wissen musstAdresse: Dorf Sumitan, 5 km westlich vom Zentrum Bucharas, Usbekistan – GPS: 39.7549, 64.3556 – Öffnungszeiten: 09:00–19:00 (Sommer), 09:00–17:00 (Winter), täglich geöffnet – Eintritt: 25.000 UZS (~1,80 EUR) für Ausländer, günstiger für usbekische Staatsbürger – Zeitbedarf: mindestens 1,5 Stunden, ideal 2–3 – Toiletten: ja, vor Ort, einfach – Essen: nichts vor Ort, die nächsten Cafés sind im Zentrum von Buchara – Google Maps: Chor-Bakr Necropolis

Wie man hinkommt

  • Taxi vom Zentrum Bucharas: 30.000–50.000 UZS (~2,20–3,70 EUR) eine Strecke, 10–15 Minuten. Die bequemste Variante
  • Yandex Go / Uklon Apps: beide funktionieren in Buchara, oft gleich teuer oder günstiger als ein gewinktes Taxi
  • Marshrutka (Sammeltaxi): vom Bereich Registan in Richtung Dorf Sumitan, ca. 5.000 UZS (~0,40 EUR). Sie hält an der Hauptstraße, von dort sind es noch 5 Minuten zu Fuß bis zum Eingang
  • Fahrrad: in der Bucharer Innenstadt gibt es Fahrradverleih, die Strecke ist flach — bei Sommerhitze aber keine gute Idee
  • Taxi warten lassen: von Chor-Bakr aus ist es schwer, eine Mitfahrt zurück zu finden. Eine Wartestunde kostet etwa 50.000 UZS (~3,70 EUR)

Wie nach Buchara kommen

Direktflüge von Westeuropa nach Buchara gibt es nicht — die meisten Reisenden fliegen zunächst nach Tashkent. Aus dem deutschsprachigen Raum gibt es regelmäßige Verbindungen ab Frankfurt und München mit Uzbekistan Airways oder mit Turkish Airlines via Istanbul, ab Wien und Zürich ebenfalls über Istanbul oder Almaty. Lufthansa fliegt saisonal nach Tashkent. Von dort geht es weiter mit einem Inlandsflug, dem Schnellzug Afrosiyob (~3,5 Stunden ab Tashkent) oder einem Nachtzug nach Buchara. Der Schnellzug ist die beliebteste Option — komfortabel, landschaftlich schön und einfach online über die usbekische Bahn zu buchen. Ab Samarkand braucht der Zug nach Buchara etwa 1,5 Stunden.

Wann kommen

Die beste Zeit ist 1,5–2 Stunden vor Sonnenuntergang. Das Licht ist golden, die Schatten tief, und es sind kaum Besucher da (die meisten Reisegruppen kommen morgens). Der Sonnenaufgang funktioniert ebenfalls gut, vor allem wenn man menschenleere Bilder will — die türkisfarbene Kuppel der Altstadt von Buchara leuchtet im Morgenlicht. Die Mittagszeit ist die schlechteste: harte Schatten und Hitze.

Womit man es kombinieren kann

Chor-Bakr passt hervorragend zum Bahauddin-Naqshband-Mausoleum (12 km östlich vom Zentrum Bucharas) — der zweiten großen Sufi-Pilgerstätte der Region und dem spirituellen „Heimatort“ desselben Naqshbandi-Ordens. Daraus lässt sich ein ganzer Tag machen: morgens Bahauddin, mittags Buchara, abends Chor-Bakr.

Visum

Deutsche, Österreicher und Schweizer können visumfrei für bis zu 30 Tage einreisen — ein Reisepass mit mindestens sechs Monaten Restgültigkeit reicht aus. Auch Bürger der EU, Großbritanniens, Japans, der USA, Kanadas, Australiens und der meisten weiteren Industrienationen können seit 2025 visumfrei nach Usbekistan einreisen. Kein E-Visum, keine Stempelschlangen am Flughafen.

Foto-Tipp: Für die Innenräume ein Weitwinkel mitbringen (24–35 mm), für Schnitzdetails und Portale in der Gassenflucht ein kurzes Tele (50–85 mm). Stativ ist nicht nötig. Drohnen bitte nicht ohne offizielle Genehmigung fliegen — Chor-Bakr ist nach wie vor eine religiöse Stätte, und die Einheimischen sehen das nicht gern.

Was man im Hinterkopf behalten sollte

Chor-Bakr ist eine aktive religiöse Stätte. Freitags kommen immer noch Pilger, um an bestimmten Grabsteinen zu beten. Es ist kein Drehkreuzmuseum, sondern ein lebendiger Komplex — also gilt:

  • bescheidene Kleidung: lange Hosen oder ein Rock, bedeckte Schultern (Kopftuch für Frauen ist auf dem Gelände empfehlenswert und in der Moschee Pflicht)
  • Schuhe ausziehen beim Betreten der Moschee oder Khanaqah
  • nicht auf Grabsteine klettern oder auf Khazira-Mauern sitzen
  • keine betenden Menschen ohne zu fragen fotografieren
  • leise sprechen — auch wenn der Ort gerade leer ist

Wer mehr Tiefe möchte, fragt am Eingang den Wächter: gegen eine kleine Gebühr (vor Ort verhandeln, üblicherweise 50.000–100.000 UZS / ~3,70–7,40 EUR) gibt er eine kurze Führung auf Russisch oder Usbekisch. Einen englischsprachigen Guide findet man hier nicht — am besten engagiert man in Buchara einen Guide und vereinbart, Chor-Bakr ins Programm aufzunehmen.

FAQ

Wie komme ich von Buchara nach Chor-Bakr

Am einfachsten mit dem Taxi vom Stadtzentrum aus — 10–15 Minuten und etwa 30.000–50.000 UZS (~2,20–3,70 EUR) pro Strecke. Die Marshrutka vom Registan-Bereich ist günstiger, bringt einen aber nur bis zur Hauptstraße. Lass das Taxi am besten warten, denn auf dem Rückweg von Chor-Bakr ist es schwer, eine Mitfahrt zu finden.

Wie kommt man von Deutschland nach Buchara

Direktflüge gibt es nicht — man fliegt zunächst nach Tashkent. Ab Frankfurt und München gibt es Verbindungen mit Uzbekistan Airways oder mit Turkish Airlines über Istanbul, ab Wien und Zürich meist via Istanbul. Von Tashkent geht es dann am bequemsten mit dem Schnellzug Afrosiyob in etwa 3,5 Stunden weiter nach Buchara — Tickets lassen sich online über die usbekische Bahn buchen. Alternativ ein Inlandsflug (~1 Stunde) oder ein Nachtzug.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch in Chor-Bakr

Ideal sind 1,5–2 Stunden vor Sonnenuntergang — warmes Licht und kaum andere Besucher. Der Sonnenaufgang funktioniert ebenfalls gut, wenn man leere Bilder haben möchte. Die Mittagszeit, vor allem im Sommer, sollte man meiden: harte Schatten und ernsthafte Hitze.

Wie viel Zeit sollte ich in Chor-Bakr einplanen

Mindestens 1,5 Stunden, um durch die Nekropole zu gehen und einen Blick in Moschee und Khanaqah zu werfen. Wer sich für Architektur oder Fotografie begeistert, sollte 2,5–3 Stunden einrechnen. Der Komplex ist kompakt, aber das Labyrinth der Khaziras im Inneren ist größer, als es auf den ersten Blick wirkt.

Lohnt sich Chor-Bakr, wenn ich das Zentrum Bucharas schon gesehen habe

Ja — es ist ein völlig anderes Buchara: still, ohne Menschenmassen, mit Architektur aus dem 16. Jahrhundert in nahezu originalem Zustand. Wer zwei oder mehr Tage in Buchara einplant, sollte Chor-Bakr unbedingt mitnehmen. Bei einem Tagesausflug nur, wenn man ruhigere, weniger touristische Orte mag.

Wie viel kostet der Eintritt in Chor-Bakr

Für Ausländer: 25.000 UZS (etwa 1,80 EUR). Für usbekische Staatsbürger ist es deutlich günstiger. Dazu kommen optional die Gebühr für die Wächterführung (50.000–100.000 UZS / ~3,70–7,40 EUR) und das wartende Taxi (rund 50.000 UZS / ~3,70 EUR pro Wartestunde).

Kann ich Chor-Bakr ohne Guide besuchen

Auf jeden Fall. Beschilderung gibt es kaum, aber man verläuft sich auch nicht wirklich: Das Hauptensemble liegt auf einer Linie mit dem Eingang, und die Nekropole ist ein Labyrinth, durch das man ohnehin schlendern soll. Ein Guide hilft nur, wenn man die ganze Geschichte der Juybar-Scheichs und des Naqshbandi-Ordens hören möchte — auch ohne ist es eine wunderschön stille Ruine zum Durchstreifen.

Was sind diese Kulissen direkt am Eingang

Das sind Requisiten aus den Dreharbeiten zu einem Historienfilm — festungsartige Tore mit Türmen und alte Ochsenkarren unter Leinen. Chor-Bakr wird gelegentlich als Drehort für zentralasiatische Historiendramen genutzt, und nicht alle Kulissen werden anschließend abgebaut. Sie sind vom Hauptkomplex abgesetzt, sodass man sie problemlos überspringen kann, wenn man nur an den echten Bauten aus dem 16. Jahrhundert interessiert ist.

Brauchen EU-/Schweizer/österreichische Bürger ein Visum für Usbekistan

Nein — Bürger Deutschlands, Österreichs, der Schweiz sowie der übrigen EU, Großbritanniens, der USA, Kanadas, Australiens und Japans können seit 2025 visumfrei für bis zu 30 Tage nach Usbekistan einreisen. Es genügt ein Reisepass mit sechs Monaten Restgültigkeit. Kein E-Visum, keine Schlangen am Flughafen für Stempel.

Chor-Bakr ist einer dieser Orte, an die man zurückkehren möchte, sobald einem das Zentrum Bucharas zu viel wird. Still, fast menschenleer — und endlich kann man Architektur des 16. Jahrhunderts sehen, ohne fremde Hinterköpfe im Bildausschnitt.