Huanglongxi bei Chengdu: Eine alte Wasserstadt in Sichuan entdecken
Huanglongxi ist eine alte Stadt etwa eine Stunde von Chengdu entfernt. Holzhäuser entlang der Kanäle, Steinbrücken, Tempel und enge Gassen voller Läden und Streetfood. Touristisch ja, aber wunderschön und ein leichter Halbtages- oder Tagesausflug von der Stadt aus. Und wer das Glück hat, in der Nebensaison zu kommen, erwischt sogar völlig stille, menschenleere Viertel.

Über Huanglongxi — eine 1.700 Jahre alte Stadt
Huanglongxi (黄龙溪) ist eine alte Stadt im Bezirk Shuangliu, etwa 40 km südöstlich des Zentrums von Chengdu. Ihre Geschichte reicht bis in die Han-Dynastie zurück (206 v. Chr. – 220 n. Chr.), und in der Zeit der Drei Reiche war sie ein militärischer Vorposten, der den Zugang zur Hauptstadt des Shu-Reichs bewachte. Später lag die Stadt an einem Abzweig der Tee-Pferde-Straße, jener alten Handelsroute, über die Tee aus Sichuan gegen Pferde aus Tibet getauscht wurde.
Im Grunde ist es eine Wasserstadt im Sichuan-Stil. Wenn du von den berühmten Wasserdörfern bei Shanghai gehört hast — Zhouzhuang oder Wuzhen — dann ist Huanglongxi ungefähr dieselbe Idee, nur sichuanisch: Holzhäuser entlang der Kanäle, steinerne Bogenbrücken, Tempel und mit Steinplatten gepflasterte Straßen. Sieben alte Straßen und rund 76 Gebäude aus der Ming- (1368–1644) und der Qing-Dynastie (1644–1911) sind fast unversehrt erhalten geblieben.

Huanglongxi dient seit Langem als Kulisse für historische Filme und Fernsehserien. Deshalb wurde vieles ganz gezielt für die Kamera „alt“ restauriert, und stellenweise sieht die Stadt tatsächlich aus wie ein Filmset. Mir hat das ehrlich gefallen — es fühlt sich an, als würde man durch einen Film spazieren.
Wie man von Chengdu nach Huanglongxi kommt
Aus Deutschland erreichst du Chengdu (CTU) am bequemsten mit einem Direktflug oder einem Flug mit nur einem Zwischenstopp ab Frankfurt und anderen großen Drehkreuzen. Vor Ort ist die einfachste Variante dann Metro plus Taxi. Nimm die Metro bis zur Station Science City (das südliche Ende der Linie 1) und schnapp dir für das letzte Stück in die Stadt ein Taxi. Das Taxi lässt sich ganz bequem über Didi direkt in der Alipay-App bestellen.
Es gibt außerdem einen Direktbus — vom Busbahnhof Xinnanmen (新南门, nahe dem Zentrum) nach Huanglongxi, etwa eine Stunde, das Ticket kostet rund 14 RMB (~1,80 €).

Praktische Infos
- Wo: Huanglongxi, Bezirk Shuangliu, Chengdu, Provinz Sichuan
- GPS: 30.3186, 103.9786
- Eintritt in die Stadt: kostenlos (einzelne Museen und Attraktionen im Inneren können kostenpflichtig sein)
- Öffnungszeiten: die Stadt ist immer zugänglich, aber Läden und Cafés haben ungefähr von 9:00–10:00 Uhr bis zum Abend geöffnet
- Anreise: Metro bis Science City + Taxi (Didi über Alipay); oder der Direktbus ab Xinnanmen (~1 Stunde, ~14 RMB / ~1,80 €)
- Zeitbedarf: mindestens ein halber Tag, ein ganzer Tag ist entspannter


Alte Gassen und Holzarchitektur
Das Schönste in Huanglongxi ist einfach, langsam durch die Gassen zu gehen und auf die Details zu achten. Die Häuser sind meist zwei- oder dreistöckig, mit hölzernen Gitterfenstern, Balkonen und schweren Ziegeldächern. Viele Erdgeschosse sind von Läden, Teehäusern und kleinen Cafés belegt, mit roten Laternen und senkrechten Schildern über den Türen.


Typische Gassen der Stadt. Am Morgen, vor den Menschenmengen, sind sie fast leer und sehr still
Hier gibt es unzählige Details, man darf sich nur nicht hetzen. Geschnitzte Holztüren, die Enden der Ziegelreihen mit kleinen geformten Wächtergesichtern, fein gearbeitete alte Laternen.



Details, für die es sich lohnt langsamer zu werden: Holzschnitzereien, Wächtergesichter auf den Ziegeln und handgemachte Laternen
Stellenweise sind die Gassen geschmückt — Laternen, Bambus, herbstliche Zweige. Eine solch hübsche Ecke begrüßt dich gleich am Anfang der Stadt.

Genau hier, in der Nähe des Eingangs, gibt es auch einen Tempelhof mit einem mehrstöckigen Pavillon und stillen kleinen Innenhöfen unter roten Laternen.


Ein Tempelhof mit Pavillon und ein schlichter Eingang in einen Innenhof unter Laternen
Viele der Häuser haben reizvolle Details: ein Perlenladen mit geschnitztem Holz, eine Werkstatt für Bambushandwerk, Häuser mit Ginkgozweigen direkt an den Balkonen. Gegen Abend leuchten die Fenster von innen auf, und die Gasse wird warm und gemütlich.




Eine blaue Motor-Rikscha — das örtliche „Taxi“ — fährt ab und zu durch die Gassen. Und über einer der Straßen steht ein Tor mit den Zeichen „千古一溪“, „ein uralter Bach durch die Zeiten“.

Insgesamt würde ich einfach durch die Gassen streifen — im Gulong Temple vorbeischauen und durch den Wohnteil der Stadt gehen, wo es viele alte Häuser und schmale Gässchen gibt. Wenn du in der Nebensaison kommst, sind viele Läden geschlossen — aber dafür spürst du eine ganz andere Stimmung und kannst in Ruhe spazieren.
Zum hinteren Ende der Stadt hin, nahe dem Gulong Temple, sind über einem der Plätze Papierschirme gespannt — rot und cremefarben, ein ganzer Himmel aus Schirmen.

Kanäle, Brücken und das Ufer
Huanglongxi liegt am Wasser — daher das „溪“ (Bach) im Namen. Ein schmaler Bach fließt mitten durch die Hauptstraße, mit Läden und Cafés entlang seiner Ufer. Weiter hinten öffnet er sich zu breiterem Wasser, wo steinerne Bogenbrücken die Kanäle überspannen und hölzerne Stege und Galerien die Ufer säumen. Das ist der schönste Teil, besonders im Herbst, wenn das Laub gelb wird und sich im stillen Wasser spiegelt.


Die Kanäle verlaufen direkt neben den Gassen. Am längsten bin ich unter der überdachten Holzbrücke geblieben — dort ist es besonders still
Was einem von Huanglongxi am meisten in Erinnerung bleibt, sind die steinernen Bogenbrücken — die „Mondbrücke“ vom Foto ganz oben ist eine davon. Es gibt mehrere, und jede hat ihren eigenen Reiz: eine mit geschnitzter Balustrade und Figuren entlang des Geländers, und unter einer anderen kann man direkt am Wasser entlanggehen und zusehen, wie sich die roten Laternen des gegenüberliegenden Hauses im dunklen Bogen spiegeln.


Eine Brücke ist recht schlicht, während die geschwungene rechts dieselbe „Mondbrücke“ vom Anfang des Artikels ist, nur vom anderen Ufer aus
Neben einer der flachen kleinen Brücken über den Kanal gibt es statt eines Geländers steinerne „Trittsteine“ in Form von Schildkröten und Fröschen — auf ihnen gelangt man ans andere Ufer. Als ich dort war, war das Wasser fast verschwunden.



Schau auch unter die Brücken — von dort hat man einen schönen Blick auf das Wasser und die Häuser am gegenüberliegenden Ufer
Es gibt viele stille Ecken am Wasser: ein Pavillon mit Springbrunnen am Ufer, hölzerne Stege entlang der Kanäle, Pavillons auf Stelzen direkt über dem Teich. Irgendwo bewegt ein kleiner Springbrunnen das Wasser, irgendwo liegen Boote still an den Anlegestellen.


Ein Pavillon mit Springbrunnen im zentralen Teil der Stadt und ein hölzerner Steg entlang des Teichs
Über dem Wasser erhebt sich ein mehrstöckiger Holzturm — man sieht ihn schon von Weitem.


Der mehrstöckige Holzturm und ein Pavillon über dem Teich

Am breiteren Wasser liegen hölzerne Boote — man kann eine Fahrt zwischen den alten Häusern und Brücken machen. Ich bin nicht gefahren, aber vom Ufer aus sieht es wunderschön aus.

Das fast menschenleere Viertel: wie ein Spaziergang durch einen alten Film
Und nun — das, was Huanglongxi für mich nicht nur ein paar Stunden, sondern einen ganzen Tag wert macht.
Irgendwann bin ich aus dem belebten Teil abgebogen und in ein Viertel gekommen, in dem buchstäblich alles geschlossen war. Heruntergelassene Rollläden an den Läden, verriegelte Türen von Hotels und Cafés, kein einziger Mensch ringsum. Das ist ein neuerer, erweiterter Teil der Stadt — er wurde gebaut, um den wachsenden Besucherstrom zu bewältigen, aber an jenem Tag (Nebensaison und offenbar ein Wochentag) stand er völlig leer.

Das Gefühl war stark und ein wenig unheimlich — im guten Sinne. Wie ein Spaziergang durch einen abgeschalteten Vergnügungspark oder ein historisches Filmset, nachdem alle gegangen sind. Leere Innenhöfe unter den Laternen, fest verschlossene geschnitzte Türen, vor denen schon Wildblumen sprießen. So still, dass man die eigenen Schritte auf dem Stein hören konnte.


Verriegelte Türen mit bereits sprießenden Wildblumen und ein leerer Innenhof unter den Laternen, in dem überhaupt niemand war
Es gibt auch Gebäude, die eindeutig „für die Kamera“ gemacht sind: ein Gästehaus mit Wandmalereien, ein großes altes Haus mit einem Baum, der durch das Dach wächst, ein weißes Pferd und eine Kürbiskutsche wie aus einem Märchen. Ohne Menschen ringsum wirkt das alles surreal.


Kulissen „für die Filme“: ein Gästehaus mit Wandmalereien und ein Hof mit einer Märchenkutsche. Im leeren Viertel sieht es aus wie ein eingefrorenes Filmbild
In einem der Gebäude bin ich auf eine Wand aus ineinander verschlungenen Baumwurzeln gestoßen, mit einer kleinen Figur eines lachenden Buddha in der Mitte. Im gedämpften Licht, in völliger Stille, sah sie aus wie eine Requisite aus einem Fantasyfilm.

Und natürlich sehen in diesem stillen Teil die Holzhäuser am Wasser besonders gut aus — jene, die in der Saison geschäftige Gästehäuser sind und in der Nebensaison leer stehen und sich in den stillen Kanälen spiegeln.




Häuser mit weißen Giebeln entlang des Kanals und ein völlig menschenleerer Kanal dahinter
Wenn du, so wie ich, diese stillen, menschenleeren Orte liebst — dann geh unbedingt zu den hinteren Vierteln der Stadt hinaus. Denk nur daran: Da dort alles geschlossen ist, kauf Wasser und einen Snack vorher im belebten Teil.
Tempel, Statuen und Glückssymbole
In der Stadt gibt es mehrere buddhistische Tempel. An den Treppen und Brücken stehen steinerne Wächter: Löwen (Shi) und mythische Qilin-Wesen, viele schon mit Moos bedeckt. Nach chinesischer Tradition bewachen Figuren wie diese den Eingang und halten böse Geister fern.


Steinerne Wächter an der Tempeltreppe: ein Löwe und ein mythisches Qilin. Sie sollen den Eingang bewachen
Es gibt auch eine gemauerte Tempelhalle mit geschwungenem Giebel, die man über Stufen durch einen Garten erreicht — besonders hübsch im Herbst, wenn in der Nähe ein Ahorn rot wird.

Eine weitere lokale Tradition sind Wunschbäume und Wunschwände. Die Menschen binden rote Täfelchen und Bänder daran, mit Wünschen für Glück, Gesundheit und Liebe. Sie hängen in ganzen „Wasserfällen“.


Es gibt noch weitere kuriose Details: ein Springbrunnen mit einer geschnitzten Figur zwischen Farnen, ein hölzernes „Totem“ mit einem menschlichen Gesicht, überwuchert von Efeu, und eine Sichuan-Opernmaske an einer Ziegelwand. Die Sichuan-Oper ist für ihren „Masken-Wechsel“-Trick (Bian Lian) bekannt, bei dem der Schauspieler in einem Augenblick die Masken tauscht — und genau diese Masken findest du hier überall zum Verkauf.



Was man in Huanglongxi essen und mitbringen kann
Hier gibt es reichlich zu essen. Auf den Straßen grillen sie Spieße an Bambusstäbchen und drehen „Spiralkartoffeln“. Vom lokalen Essen solltest du die Flussfischgerichte probieren — das ist hier ganz alltägliche Küche.

An Souvenirs gibt es bestickte Duftsäckchen mit Kräutern, Stofffische als Glücksbringer, Schmuck aus Stein.



Und in den Gassen nahe dem Gulong Temple gibt es ein paar kleine Läden mit Holzwaren — Kämme, Massagegeräte, aus Wurzeln geschnitzte Figuren. Solches Handwerk findet man nicht überall, und es sind einige lohnende Stücke dabei. Ein Blick lohnt sich.



Holzwaren und Steinanhänger in den Läden nahe dem Gulong Temple
Es gibt in der Stadt auch einen Starbucks — du kannst dir einen Kaffee holen und die City-Serie-Tassen mit „CHENGDU“ und „CHINA“ darauf mitnehmen.

Lohnt sich ein Besuch in Huanglongxi
Huanglongxi ist keine unberührte Antike — es ist eher eine lebendige Kulisse: hier für den Film restauriert, dort echt alt, an manchen Stellen belebt und an anderen völlig leer. Was mir am meisten geblieben ist, war genau dieser Kontrast — von Gassen mit Streetfood und Laternen bis zu einem stillen Viertel, durch das man geht wie durch einen alten Film. Wenn du in Chengdu einen freien Tag hast und Lust hast, ein wenig von den üblichen Routen abzuweichen — fahr hin. Und geh unbedingt zu den hinteren Gassen hinaus.
FAQ
Am bequemsten ist Metro plus Taxi: Nimm die Metro bis zur Station Science City (das südliche Ende der Linie 1) und schnapp dir dann ein Taxi über Didi direkt in der Alipay-App. Es gibt außerdem einen Direktbus vom Busbahnhof Xinnanmen — etwa eine Stunde, das Ticket kostet rund 14 RMB (~1,80 €).
Der Eintritt in die Stadt selbst ist kostenlos. Du zahlst nur für einzelne Museen, Attraktionen und Aktivitäten im Inneren, falls du sie nutzen möchtest.
Mindestens einen halben Tag, aber ein ganzer Tag ist entspannter. So siehst du die alten Gassen, die Kanäle und Brücken, die stillen hinteren Viertel und hast Zeit, in Ruhe etwas Streetfood zu essen.
Komm am Morgen, etwa zur Öffnungszeit, um die leeren Gassen und das weiche Licht zu erwischen. Die schönste Jahreszeit ist der Herbst, wenn die Ginkgos gelb werden und die Ahornbäume am Wasser rot leuchten.
Ja. Neben dem belebten Zentrum gibt es einen neueren, erweiterten Teil der Stadt. In der Nebensaison und an Wochentagen kann er fast leer stehen — Läden und Hotels geschlossen, keine Menschen. Für Liebhaber stiller, „filmreifer“ Orte ist es wahrscheinlich das Interessanteste in der Stadt.
Straßenspieße an Bambusstäbchen, „Spiralkartoffel“, Sesamkuchen, Tofu und Flussfischgerichte.
Ja, absolut. Die Stadt ist klein, leicht zu überschauen, und du kommst mit Metro und Taxi ganz ohne Reiseführer hin.
Du fliegst zum Flughafen Chengdu Tianfu oder Chengdu Shuangliu (Stadtcode CTU) — zum Beispiel mit einem Direktflug ab Frankfurt oder mit einem Zwischenstopp ab anderen großen Drehkreuzen. Vom Flughafen geht es dann bequem mit Metro und Taxi weiter in die Stadt und nach Huanglongxi.