Registan in Samarkand: der vollständige Guide zum schönsten Platz Usbekistans
Dieser Ort hat mich umgehauen. Allein für ihn lohnt sich der Flug nach Samarkand. Hier mein vollständiger Bericht und meine Tipps für den Besuch.
Was ist der Registan
Das Wort „Registan“ bedeutet aus dem Persischen übersetzt „sandiger Platz“. Es ist der zentrale Platz von Samarkand und wohl auch das bekannteste Postkartenmotiv ganz Usbekistans. Drei riesige Medresen aus dem 15.–17. Jahrhundert, hufeisenförmig zueinander aufgestellt, bilden eines der geschlossensten Architekturensembles Zentralasiens. Seit 2001 gehört der Registan als Teil des historischen Zentrums von Samarkand zum UNESCO-Welterbe.
Für Usbekistan ist der Registan das, was das Kolosseum für Rom ist — oder die Porta Nigra für Trier: ein Wahrzeichen, das man einmal gesehen haben muss. Nur stehen hier nicht ein, sondern gleich drei Bauwerke, und vom Mittelpunkt aus sieht man sie alle gleichzeitig.


Die drei Medresen
Eine Medrese ist eine islamische Bildungseinrichtung, irgendwo zwischen Universität und geistlichem Seminar angesiedelt. Auf dem Registan stehen gleich drei davon:
- Ulugbek-Medrese (1417–1420) — links
- Sher-Dor-Medrese (1619–1636) — rechts
- Tilya-Kori-Medrese (1646–1660) — in der Mitte
Sie wurden zu unterschiedlichen Zeiten und unter verschiedenen Herrschern errichtet, doch jeder Architekt war bemüht, sich in das Gesamtbild einzufügen. Geglückt ist das ziemlich gut.
Ulugbek-Medrese (1417–1420)
Die älteste der drei. Sie entstand auf Befehl von Ulugh Beg, dem Enkel Timurs, Herrscher von Samarkand und einem der bedeutendsten Astronomen seiner Zeit. Die blauen Sterne im Ornament des Hauptportals sind eine Anspielung auf seine Leidenschaft für die Sternkunde. Im 15. Jahrhundert galt das Gebäude als eine der besten islamischen Universitäten überhaupt: Hier wurden Theologie, Mathematik und Astronomie unterrichtet. Die Medrese selbst misst 56 mal 81 Meter, an den Ecken stehen vier Minarette, jedes 33 Meter hoch.
Auf eines der Minarette der Ulugbek-Medrese kann man hinaufsteigen. Vor dem Eingang steht meist ein junger Mann mit einem Schild und bietet den Aufstieg gegen einen kleinen Aufpreis an — oben befindet sich eine kleine Aussichtsplattform, von der man den ganzen Platz von oben überblicken kann. Eine Schlange gibt es schon, aber sie bewegt sich schnell.

Sher-Dor-Medrese (1619–1636)
Errichtet zweihundert Jahre nach dem Ulugbek auf Befehl des usbekischen Herrschers Yalangtusch Bahadur. „Sher-Dor“ bedeutet so viel wie „die Tigerträger“: Auf dem Hauptportal sieht man ein Mosaik mit Tigern (oder, wie manche Forscher meinen, Löwen) und einer Sonne mit menschlichem Gesicht auf dem Rücken jedes Tieres. Für die islamische Architektur ist das ein absoluter Sonderfall: Die Darstellung von Lebewesen ist nach der Scharia eigentlich verboten, doch die Meister umgingen das Verbot kreativ — die Tiere wirken fantastisch, das Sonnengesicht ist gleichzeitig männlich und weiblich.
Der Legende nach sollen die Minarette des Sher-Dor leicht geneigt sein — wie der Schiefe Turm von Pisa, nur weniger auffällig. Hinaufsteigen kann man hier nicht, dafür aber auf das Minarett der benachbarten Ulugbek-Medrese (siehe Abschnitt oben).


Tilya-Kori-Medrese (1646–1660)
Die jüngste und beeindruckendste der drei. „Tilya-Kori“ lässt sich mit „mit Gold verziert“ übersetzen. Im Nordteil der Medrese liegt eine Moschee, deren Decke und Wände mit Blattgold überzogen sind. Tritt man ein, hat man tatsächlich das Gefühl, der gesamte Raum würde von innen leuchten. Die Tilya-Kori entstand auf dem Gelände einer früheren Karawanserei, zehn Jahre nach dem Sher-Dor. Sie erfüllte gleich zwei Funktionen — Lehrstätte und religiöses Zentrum: zu jener Zeit war sie die wichtigste Freitagsmoschee Samarkands.


Was sich im Inneren verbirgt (am Beispiel der Ulugbek)
In jeder Medrese gibt es einen Innenhof, Hudschra-Arkaden, Iwane (überdachte Portale) und viele Details, die man vom Platz aus leicht übersieht. Alle Aufnahmen in diesem Abschnitt stammen aus der Ulugbek-Medrese; die anderen beiden sind ähnlich aufgebaut.











Sonnenuntergang
Mein wichtigster Tipp: Kommt gegen sechs Uhr abends (im Winter etwas früher, im Sommer später). So bekommt ihr in einem Besuch drei Stimmungen — Tageslicht, goldene Stunde und nächtliche Beleuchtung. Die Tagesmenschenmenge hat sich dann meist schon verzogen, die Abendbesucher sind noch nicht da.
Kauft das Ticket gegen 17:00 Uhr, geht zuerst durch die Medresen, solange noch Tageslicht herrscht. Gegen 18:00 sinkt die Sonne genau hinter die Ulugbek-Medrese. Eine weitere Stunde später schaltet man die Beleuchtung ein — das Bauwerk verwandelt sich völlig: kühler im Ton, satter in den Farben.







Die Decke des Iwan. Das Muster ist so dicht, dass einem schon vom langen Hinschauen schwindelig wird




Die goldene Moschee der Tilya-Kori
Hineingehen muss man eigentlich nur wegen dieser Moschee. Die Kuppel ist so dicht bemalt, dass sich der Blick im Ornament verliert, in der Mitte prangt eine riesige goldene Rosette. Auch der Mihrab — die Nische in Richtung Mekka — ist mit Gold ausgekleidet.



Dämmerung und Lichtinszenierung
Nach Sonnenuntergang verwandelt sich der Platz. Jedes Gebäude wird einzeln angestrahlt: warmes Goldlicht auf den Fassaden, grüne und türkise Akzente auf den Kuppeln.
In der warmen Jahreszeit findet auf dem Platz eine Licht- und Musikshow statt — Bilder und Texte werden direkt auf die Fassaden projiziert. Der Spielplan ändert sich häufig; am besten an der Kasse oder an der Hotelrezeption nachfragen.


Links — fünfzehn Minuten Übergang vom Sonnenuntergangslicht zur Nacht. Rechts — die blaue Stunde: der Himmel ist noch tiefblau, die Gebäude leuchten bereits warm









Praktische Informationen
Praktische Informationen
- Adresse: Registan-Platz, Islom Karimov-Straße, Samarkand
- GPS: 39.6552, 66.9756
- Öffnungszeiten: 8:00–20:00 Uhr (Innenbesichtigung der Medresen). Der Platz selbst ist rund um die Uhr zugänglich — Außenansicht und Fotografieren sind jederzeit möglich
- Eintritt: 65 000–100 000 UZS (etwa 5–7 EUR), Preise können variieren. Ein Ticket gilt für alle drei Medresen
- Zeitaufwand: mindestens 2 Stunden für die Medresen selbst, besser 3–4 Stunden, wenn ihr Sonnenuntergang und Beleuchtung mitnehmen wollt
- Beste Zeit: 2 Stunden vor Sonnenuntergang
- Führungssprachen: Russisch, Englisch, Usbekisch. Guides nehmen ab 200 000 UZS (etwa 14 EUR) pro Gruppe
- Google Maps: Registan, Samarkand
Anreise
Vom Flughafen Samarkand (SKD): 6 km bis zum Platz, Taxi über Yandex Go — 30 000–50 000 UZS (etwa 2–4 EUR), Fahrzeit 15–20 Minuten.
Vom Bahnhof Samarkand: ebenfalls 6 km. Taxi über Yandex Go — gleicher Preis. Bus Nr. 3 fährt am Registan vorbei, kostet praktisch nichts, dauert aber deutlich länger.
Aus Taschkent: der Schnellzug „Afrosiyob“ — 2 Stunden 10 Minuten, Tickets ab 150 000 UZS (etwa 11 EUR) in der Economy. Die bequemste Variante; Samarkand lässt sich von Taschkent aus als Tagesausflug oder mit einer Übernachtung erleben.
Anreise aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Direktflüge aus Frankfurt nach Samarkand mit Uzbekistan Airways; auch über Istanbul mit Turkish Airlines aus München, Wien, Zürich. Praktischer Hinweis für EU-Bürger: visumfrei bis 30 Tage. Reisepass reicht.
Vom Zentrum Samarkands: zu Fuß von den meisten Hotels in der Altstadt — 10–20 Minuten. Bei Hitze oder müden Beinen: Yandex Go nimmt für innerstädtische Fahrten 15 000–25 000 UZS (1–2 EUR).
In der Stadt: die Buslinien Nr. 1, 22, 23, 54, 77, 92 fahren in der Nähe des Registan vorbei, der Fahrpreis liegt bei rund 1 700 UZS. In Samarkand seid ihr aber zu Fuß oder mit dem Taxi am schnellsten unterwegs.
Tipps
- Wasser mitnehmen — auf dem Gelände gibt es Wasser, aber teurer als im Laden gegenüber.
- Kleidung — nichts Spezielles, aber Schultern und Knie solltet ihr für den Eintritt in die Tilya-Kori-Moschee bedecken. Tücher gibt es am Eingang zu kaufen.
- Wenn ihr den Registan mit dem UNESCO-Welterbe von Trier oder Köln vergleicht: dort steht jeweils ein Bauwerk im Mittelpunkt, hier sind es drei in einem Ensemble — mit der gleichen historischen Tiefe, aber deutlich weniger Massentourismus.
- Was sich verbinden lässt — die Bibi-Khanum-Moschee (10 Minuten zu Fuß), das Mausoleum Gur-Emir (15 Minuten), der Siyob-Basar (15 Minuten). Den Registan plant man am besten ans Ende des Tages — für Sonnenuntergang und Beleuchtung.
- Bezahlung — an der Kasse werden Sum-Bargeld und Karten akzeptiert. Sum tauscht man am besten in einer Bank oder auf dem Basar zu einem leicht besseren Kurs.
FAQ
Lohnt sich die Reise
Ganz kurz — ja. Der Registan ist einer dieser Orte, zu denen ich gern noch einmal zurückkehren würde. Plant genug Zeit ein und bleibt unbedingt bis zur abendlichen Beleuchtung.
Mindestens 2 Stunden, um alle drei Medresen in Ruhe von innen anzuschauen. Wer Sonnenuntergang und Lichtinszenierung mitnehmen möchte, sollte 3–4 Stunden einplanen.
Am besten zwei Stunden vor Sonnenuntergang. So habt ihr Zeit für die Medresen bei Tageslicht, erlebt die goldene Stunde und bleibt für die nächtliche Beleuchtung. Auch der Vormittag ist schön: weniger Menschen, weiches Licht — allerdings ohne den Beleuchtungseffekt.
65 000–100 000 UZS (etwa 5–7 EUR), die Preise können sich ändern. Ein Ticket ermöglicht den Zugang zu allen drei Medresen und zur Tilya-Kori-Moschee mit der goldenen Decke.
Vom Flughafen oder Bahnhof — Taxi über Yandex Go, 15–20 Minuten. Aus Taschkent — der Schnellzug „Afrosiyob“, 2 Stunden 10 Minuten. Innerhalb Samarkands läuft man am besten zu Fuß: die Altstadt ist kompakt.
Im Inneren der Tilya-Kori liegt die Moschee mit der goldenen Kuppel — Hauptgrund, sich überhaupt ein Ticket zu kaufen. Jede Medrese hat einen Innenhof, Iwane, Läden mit Teppichen und Keramik. Nicht verpassen solltet ihr die Sonnenuhr im Hof und die Iwan-Decken mit ihren Muqarnas.
Der Registan für sich genommen — ja. Aber wenn ihr schon in Usbekistan seid, beschränkt euch nicht darauf: Samarkand bietet außerdem die Bibi-Khanum-Moschee, die Mausoleen Shah-i-Zinda und Gur-Emir. Für all das reichen zwei volle Tage gut aus.
Ja, kostenlos und ohne Einschränkungen. Den Blitz solltet ihr aber abschalten — die alten Mosaike sind empfindlich, und das Umgebungslicht wirkt sowieso weicher. Auch professionelle Aufnahmen mit Stativ sind erlaubt.
EU-Bürger reisen visumfrei für bis zu 30 Tage ein. Der Reisepass reicht völlig — kein Vorab-Antrag, keine elektronische Registrierung nötig.