Großer Buddha von Leshan, China: Der komplette Routenführer

Der größte Steinbuddha der Welt – 71 Meter hoch, direkt in die Felswand über dem Zusammenfluss dreier Flüsse gehauen. Doch der Buddha von Leshan ist kein einzelnes Fotomotiv, sondern eine halbtägige Route: Höhlen, Tempel, ein steiler Abstieg bis hinunter zu den Füßen der Statue, Boote auf dem Fluss und ein stiller Inseltempel am Ende. Hier erzähle ich, wie ich das Ganze gegangen bin.

Kopf des Großen Buddha von Leshan von der oberen Aussichtsplattform
Der berühmte Kopf, von der Aussichtsplattform aus gesehen. Hier beginnt der Abstieg zu den Füßen – entlang der ganzen Statue

Was der Große Buddha von Leshan eigentlich ist

Der Große Buddha von Leshan (乐山大佛, Leshan Dafo) ist die größte Steinbuddha-Statue der Welt. Es ist ein sitzender Maitreya-Buddha, 71 Meter hoch, direkt in den roten Sandstein des Lingyun-Bergs gehauen, genau dort, wo drei Flüsse zusammentreffen – der Min, der Dadu und der Qingyi. Seine Schultern sind 28 Meter breit, seine Ohren je 7 Meter lang (aus Holz, mit Lehm überzogen), und auf seinem kleinsten Zehennagel kann ein Erwachsener sitzen.

Die Arbeiten begannen um 713 n. Chr., während der Tang-Dynastie. Die Idee stammte von einem Mönch namens Haitong: Der Flusszusammenfluss war für die Boote gefährlich, und er glaubte, ein riesiger Buddha würde das wilde Wasser beruhigen. Er erlebte die Vollendung nicht mehr – seine Schüler führten das Werk fort, und die Statue wurde erst um 803 n. Chr. fertiggestellt, fast 90 Jahre später. Seit 1996 gehört sie zusammen mit dem Berg Emei zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Die Route durch den Park funktioniert als Rundweg: oben hinein und hinab zum Kopf, eine steile Treppe hinunter zu den Füßen, auf der anderen Seite wieder hinauf und schließlich über eine Brücke zu einer Nachbarinsel mit dem stillen Wuyou-Tempel. Ich bin die ganze Strecke gegangen und nehme euch der Reihe nach mit – genau so, wie sie sich entfaltet.

Der Eingang und der Weg zum Buddha

Der Park beginnt lange vor dem Buddha selbst. Vom Tor aus öffnet sich ein weiter Platz mit einem drachenförmigen Springbrunnen und Blumenbeeten – im Winter pflanzt man hier rote und weiße Weihnachtssterne. Dann kommen die riesigen, honigfarbenen steinernen Paifang-Tore, vollständig mit Schnitzereien bedeckt: Wächterfiguren stehen auf den Säulen, fein gearbeitet und eindrucksvoll.

Der Eingangsplatz mit seinem Brunnen und dem Haupt-Paifang-Tor. Am Morgen ist er fast menschenleer

Geschnitzte Wächterfigur an einer Torsäule
Jede Torsäule ist eine eigene Wächterskulptur

Vom Tor bis zu den eigentlichen Kontrollpunkten des Parks ist es noch ein Stück – etwa 15–20 Minuten zu Fuß. Wer nicht laufen möchte oder mit Kindern unterwegs ist, kann elektrische Mini-Carts (im Golfwagen-Stil) nehmen, die über den Platz fahren und einen zum Start der Route bringen.

Wer keine Lust zum Laufen hat, nimmt eines dieser Carts über den Platz

Direkt am Eingang gibt es einen Luckin Coffee – eine riesige chinesische Kette, günstig und wirklich gut. Ich würde den Coconut Latte nehmen. Eines sollte man bedenken: Das hier ist ein Touristenort, und die Preise sind deutlich höher als bei einem normalen Luckin in der Stadt.

Luckin-Coffee-Becher vor einem Tempel am Großen Buddha von Leshan
Luckin Coffee direkt am Eingang – nehmt den Coconut Latte. Teurer als in der Stadt, aber gut

Vor dem Aufstieg lohnt sich ein Blick auf die großen Parkkarten – sie stehen nahe dem Eingang und sind auf Englisch als „Guide Map of Leshan Giant Buddha Scenic Area“ beschriftet. Sie zeigen die ganze Route: den Berg mit dem Buddha, den Fluss, den Bootssteg und die Nachbarinsel. Macht ein Foto davon – so verläuft man sich nicht.

Fotografiert die Karte am Eingang – sie wird euch nützlich sein

Ein Stück weiter erscheint ein großes goldenes, siegelartiges Symbol an der Felswand, eingelassen in eine halbrunde Ziegelmauer, deren Nischen ebenfalls mit Schnitzereien bedeckt sind.

Goldenes Siegelsymbol im Fels am Großen Buddha
Dieses goldene Siegel im Fels lässt sich kaum übersehen

Die Maitreya-Höhle und der Aufstieg auf den Berg

Bevor der Treppenaufstieg beginnt, führt die Route in eine kleine, in den Fels gehauene Höhle. Im Inneren sitzt im Halbdunkel ein steinerner Maitreya-Buddha – der Buddha der Zukunft, der nach buddhistischem Glauben nach dem gegenwärtigen Zeitalter in die Welt kommen wird. In China wird er meist rundlich und lächelnd dargestellt, und genau so ist er hier gehauen.

Die Höhle des glückseligen Maitreya. Die Statue übersieht man leicht – drinnen ist es fast dunkel

Daneben steht eine Infotafel. Entlang der Route sind alle auf Englisch dupliziert, sodass man leicht versteht, was man vor sich hat. Diese hier ist die „Cave of Blissful Maitreya“ (喜生弥勒洞): Sie steht an der Stelle eines alten Tempels und ist dem zukünftigen Buddha Maitreya gewidmet.

Dann folgt ein Abschnitt mit auf und ab führenden Steintreppen durch dichten grünen Wald. Von den oberen Absätzen aus hat man einen Blick auf den Fluss und die Stadt Leshan am gegenüberliegenden Ufer – ein breites Flussbett mit Sandbänken und Hochhäusern in der Ferne.

Steintreppe mit Geländern im Wald am Lingyun-Berg
Blick auf den Fluss und die Stadt Leshan von einem Aussichtspunkt
Von den oberen Absätzen aus blickt man über das Wasser auf den Fluss und die Stadt

Das Museum, die Höhlen und die Schnitzereien des Lingyun-Bergs

Unterwegs liegt ein kleines Museum – Säle mit Kalligrafie, alten Dokumenten und Gemälden hinter Glas. Leshan ist die Heimatstadt von Guo Moruo, einem bekannten chinesischen Schriftsteller und Historiker des 20. Jahrhunderts, und ein Großteil der Ausstellung ist ihm und der lokalen Kultur gewidmet. Wer von den Treppen müde ist, hat einen guten Grund, in der Kühle eine Pause einzulegen.

Ein Blick lohnt sich – und es ist eine Gelegenheit, sich von den Treppen zu erholen

Weiter führt ein Abzweig des Weges durch einen mit Grün überwucherten Bogen – den Eingang zur Qianfeng-Höhle (千峰洞, „Höhle der tausend Gipfel“). Blumen säumen die Stufen. Im Inneren sind die Wände voller Schnitzereien: beschriftete Stelen, Buddha-Reliefs, Basreliefs.

Ranken-Tunnel über der Treppe an der Qianfeng-Höhle
Der Eingang zur Qianfeng-Höhle – ein Bogen aus Zweigen über den Stufen

Stelen, Reliefs und Figuren von Weisen im Inneren der Höhle

Geschnitzter Buddha und Szenen an einer Höhlenwand

Auch die Tempeldächer sind einen Blick wert – mit ihren geschwungenen Traufen und verzierten Firsten. An den Ecken sitzen keramische Drachen und Fabeltiere: die traditionellen Wächter chinesischer Tempel.

An den Dachecken sitzen keramische Wächterwesen

Die Höhle des „Buchs der Wandlungen“ – eine daoistische Ecke

Ein eigener und ziemlich unerwarteter Teil der Route ist die Zhuyi-Höhle (注易洞), die „Höhle der Yijing-Kommentare“. Es ist eine daoistische Stätte: Hier wurde einst das I Ging, das alte chinesische „Buch der Wandlungen“, studiert. Am Eingang steht eine Stele mit einer langen Inschrift, und die englische Tafel erklärt sie: Die Stele der „Yijing Annotation Cave“ ist 1,7 Meter hoch und stammt aus der Ming-Dynastie.

Beschriftete Stele an der Yijing-Kommentarhöhle
Eine Stele aus der Ming-Zeit am Höhleneingang

Im Inneren befinden sich in Stein gehauene Bilder: ein daoistischer Unsterblicher, der auf einem Fabeltier reitet, Sternkarten, die mit den „28 Mondhäusern“ beschriftet sind (der chinesische Tierkreis teilte den Himmel in vier Sektoren – den Azurblauen Drachen, den Roten Vogel, den Weißen Tiger und die Schwarze Schildkröte), und in der Mitte des Saals ein großes Yin-Yang-Symbol im Boden, umringt von Trigrammen.

Sternkarten, direkt in den Stein gehauen

Höhlensaal mit einem Yin-Yang-Symbol im Boden und Trigrammen
Ein großes Yin-Yang-Symbol, in der Mitte des Saals in den Boden eingelassen
Schnitzerei eines sitzenden Unsterblichen mit einem Waagesymbol

Vor dem nächsten Abschnitt gibt es noch eine Stele mit einer eingemeißelten Berglandschaft und eine ganze Felswand voller winziger Schriftzeichen – die Art von Wand, in die üblicherweise Sutren gehauen werden.

Eine gemeißelte Landschaft und eine mit einem Sutra beschriftete Wand

Lingyun-Tempel

Der Haupttempel auf dem Berg ist das Lingyun-Kloster (凌云寺), ein aktiver buddhistischer Tempel, der hier länger steht als der Buddha selbst. Im Inneren gibt es viel feine Arbeit: eine vergoldete Kassettendecke mit Schnitzereien, Reihen hölzerner Türen mit verzierten Paneelen – Landschaften, Lotusblüten, Blumen.

Vergoldete geschnitzte Kassettendecke im Lingyun-Tempel
Die vergoldete Kassettendecke der Haupthalle

Ich hatte das Glück, die Mönche während einer Andacht zu erwischen – in roten Roben in Reihen vor dem Altar sitzend. Das sieht man nicht oft, und gerade diese alltägliche Seite des Tempels bleibt einem mehr im Gedächtnis als all das Gold und die Schnitzereien. In der Nähe glimmen Räucherstäbchen, und bunte Kerzen in Lotusform brennen – rot, orange, grün, gelb.

Mönche in roten Roben bei einer Andacht im Lingyun-Tempel
Mönche bei einer Andacht. Das erwischt man nicht jedes Mal
Geschnitzte hölzerne Tempeltüren mit Verzierungen
Glimmende Räucherstäbchen im Tempel
Am Eingang der Halle brennt ununterbrochen Räucherwerk
Bunte Kerzen in Lotusform im Tempel
Schnitzdetail an einer hölzernen Tempeltür
Kerzen in Lotusform

In der Haupthalle stehen drei goldene Buddhas mit Opfertischen davor. An einer Wand hängen Hunderte roter Bänder und hölzerner Wunschtäfelchen, von Pilgern beschriftet, viele mit dem „Lingyun“-Siegel gestempelt. Daneben stehen vergoldete Statuen der Himmelskönige – der Wächter der Himmelsrichtungen; einen erkennt man an der Pipa-Laute in seinen Händen.

Drei goldene Buddhas in der Haupthalle des Lingyun-Tempels
Drei goldene Buddhas in der Haupthalle
Geschnitztes hölzernes Türpaneel mit einer Lotusblüte
Wand voller roter Bänder und Wunschtäfelchen im Lingyun-Tempel
Hunderte Wunschbänder – viele mit dem Siegel des Lingyun-Tempels gestempelt
Vergoldete Statue eines Himmelskönigs mit einer Pipa-Laute
Zwei vergoldete Wächterstatuen der Himmelskönige
Die Himmelskönige – Wächter der Himmelsrichtungen. Einen erkennt man an seiner Pipa-Laute

Der Kopf des Buddha und der Abstieg zu den Füßen

Hinter dem Tempel öffnet sich der Weg auf die obere Aussichtsplattform, und man steht auf gleicher Höhe mit dem Kopf des Buddha. Schaut euch die Details an: Laut Wikipedia besteht das Haar aus 1.021 gelockten Locken, und die Ohren reichen sieben Meter weit. Verborgen zwischen den Locken liegt ein Entwässerungssystem – versteckte Kanäle im Haar, im Kragen und hinter den Ohren leiten das Regenwasser ab; vor allem dem ist es zu verdanken, dass die Statue seit über 1.200 Jahren steht.

Gesicht des Großen Buddha von Leshan durch Äste
Das Gesicht des Buddha, durch die Zweige erhascht

Von der Plattform am Kopf hat man einen klaren Blick auf die ganze Felswand und den Fluss darunter – das breite Flussbett, die Sandbänke, die Stadt jenseits des Wassers. Hier sammeln sich auch die größten Menschenmengen, direkt neben dem Buddha.

Blick auf Felswand und Fluss vom Großen Buddha von Leshan
Menschen auf der oberen Plattform am Kopf des Großen Buddha
Die größten Menschenmengen sammeln sich direkt am Kopf des Buddha
Blick auf den Fluss mit einem Ausflugsboot vom Großen Buddha
Von oben sieht man die Ausflugsboote auf dem Fluss – mit denen kann man auch zum Buddha fahren

Kurz vor dem Abstieg lohnt sich ein Blick in Haitongs Höhle (海师洞) – die Höhlenzelle eben jenes Mönchs, der den Buddha erdacht hat. Hinein darf man nicht: Man kann nur von außen durch eine Absperrung hineinspähen – drinnen ist es leer und dämmrig. Eine weiße Statue Haitongs steht in der Nähe.

Eingang zur Höhle des Mönchs Haitong im Fels
Haitongs Höhlenzelle – der Mönch, der den Buddha begründete
Dämmriges Inneres der Höhle des Mönchs Haitong
Weiße Statue des Mönchs Haitong am Fels
Die weiße Statue Haitongs am Fels

Haitong war ein buddhistischer Mönch des 8. Jahrhunderts, und mit ihm begann das ganze Projekt. Über Jahre sammelte er Almosen für die Statue, überzeugt davon, dass ein Buddha das gefährliche Wasser am Zusammenfluss der drei Flüsse beruhigen würde. Als lokale Beamte die von ihm gesammelten Gelder beschlagnahmen wollten, soll er sich seine eigenen Augen ausgerissen haben – um zu beweisen, dass das Geld dem Buddha zukam und nichts anderem. Die Vollendung des Werks erlebte er nicht mehr; seine Schüler führten es zu Ende.

Blick auf Felswand und Fluss mit einem Ausflugsboot während des Abstiegs
Auf dem Weg nach unten sieht man den Fluss und die Ausflugsboote darunter

Der Abstieg zu den Füßen führt über den „Neun-Windungen-Plankenweg“ (九曲栈道), in die senkrechte Felswand gehauen: 278 Stufen, neun scharfe Kehren, an der engsten Stelle nur 0,6 Meter breit – nur im Gänsemarsch. Es ist kein ganz leichter Abstieg: Die Stufen sind steil und schmal, und stellenweise ist es fast eine senkrechte Wand mit Ketten und Geländern am Rand. Aber lasst euch nicht abschrecken – die Geländer sind solide, man kann sich Zeit lassen, und wer halbwegs fit ist, schafft es. Das Beste daran: Es ist an sich schon spannend – man steigt praktisch im Inneren des Felsens hinab, mal auf offenen Stufen über dem Wasser, mal durch eine in den Stein gehauene überdachte Galerie, mal durch einen schmalen, dunklen Tunnel, der von einer einzigen Lampe beleuchtet wird.

Die Stufen sind steil, aber die Geländer halten – man steigt direkt über dem Wasser hinab

Ein Teil des Wegs führt durch eine Galerie im Fels und einen schmalen Tunnel

Ganz unten, bei den Füßen des Buddha, gibt es eine Plattform. Von hier aus sieht man die ganze Statue, und erst jetzt wird einem die Größe wirklich bewusst: Man steht bei den Füßen, und der Kopf ist irgendwo weit oben. Von unten sieht man auch deutlich die seitlichen Nischen in der Felswand mit ihren kleinen Statuen.

Von den Füßen aus sieht man den ganzen Buddha. Erst hier trifft einen die wahre Größe

Zu Füßen des Buddha: Boote und Möwen

Die Plattform zu Füßen des Buddha ist ein Ort für sich. Ausflugsboote ziehen auf dem Fluss direkt davor vorbei: Man kann eine Fahrt getrennt von der Wanderroute machen. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten; das Boot nähert sich dem Buddha vom Wasser aus und hält ein paar Minuten davor – die einzige Möglichkeit, die Statue frontal und in voller Größe zu sehen, so wie sie gedacht war. Nur einsteigen kann man an den Füßen nicht: Die Boote legen an einem separaten Steg ab, dem Jiazhou-Fähranleger nahe dem Parkeingang (und bei Niedrigwasser am Anleger des Wuyou-Tempels). Es ist ein eigenes Ticket, etwa 70 Yuan (≈ 9 €); einen festen Fahrplan gibt es nicht – ein Boot fährt los, sobald es genug Fahrgäste hat. Wer die Zeit hat, sollte beides machen, die Route und das Boot: Der Spaziergang gibt euch die Details, das Boot das große Ganze.

Die Boote kommen vom Wasser her zum Buddha. Möwen kreisen ständig um sie

Von der Plattform zu Füßen des Buddha füttert man auch die Möwen. Die Vögel kommen in Schwärmen herangeflogen, hängen über dem Wasser und schnappen sich das Futter mitten in der Luft. Sie kreisen um die Boote und über der Plattform – laut und lebhaft; Kinder lieben das.

Der Aufstieg zurück und der Weg aus dem Park

Von den Füßen des Buddha führt die Route zurück – aber nicht über dieselben Treppen; man steigt auf der anderen Seite hinauf. Zunächst geht es zurück durch Tunnel und Höhlen, die in den Berg gehauen sind, mit grob behauenen Steinpfeilern, und dann beginnt der Aufstieg.

Höhle im Fels mit grob behauenen Pfeilern
Tunnel durch roten Sandstein gehauen
Der Rückweg führt durch Tunnel und Höhlen, die in den Berg gehauen sind

Der Aufstieg auf dieser Seite ist ebenfalls eine Treppe entlang der Felswand, mit roten Geländern. Von ihr aus hat man einen klaren Blick auf jenen steilen Abstieg vom Anfang der Route – die senkrechte Wand, an der die Treppe wie ein schmales Band hinab zum Buddha läuft. Von unten sieht man, wie steil der Weg zum Wasser abfällt.

Der Aufstieg auf der anderen Seite. Von hier sieht man den steilen Abstieg am Anfang der Route – fast eine senkrechte Wand

Weg entlang der Felswand mit Menschen und Blick auf die Stadt jenseits des Flusses
Ausflugsboot in Nahaufnahme auf dem Fluss
Der Weg windet sich am Rand entlang; unten kommen und gehen ständig die Boote

Dann kommt der Weg aus dem Park hinaus. Am Ausgang steht eine überdachte hölzerne Galerie mit roten Laternen entlang einer alten Gasse, die zu einem mehrstöckigen Torturm führt. Der Hauptteil der Route liegt an diesem Punkt hinter euch.

Alte Gasse mit roten Laternen und einem Torturm am Parkausgang
Am Ausgang – eine überdachte alte Gasse mit roten Laternen

Das Museum der Mahao-Felsengräber aus der Han-Zeit

Gleich hinter dem Parkausgang, vor der Brücke, steht ein eigenes Gebäude mit roten Toren – das Museum der Mahao-Felsengräber (麻浩崖墓). Es handelt sich um Gräber, die schon in der Han-Dynastie (25–220 n. Chr.) in den Fels gehauen wurden, mit einem kleinen angeschlossenen Museum. An den Grabwänden haben sich Reliefs erhalten: Prozessionen mit Karren und Pferden, Bankettszenen, weidende Pferde. Es gibt auch ein Detail, das mit dem benachbarten Großen Buddha in Resonanz steht – über einem der Gräber ist ein winziger sitzender Buddha eingehauen, eine der frühesten buddhistischen Darstellungen Chinas. Wer noch Kraft hat, sollte einen Blick hineinwerfen.

Das Museum der Mahao-Gräber am Parkausgang – Reliefs von Pferden und Karren aus der Han-Zeit

Die Brücke und die Insel mit dem Wuyou-Tempel

Viele Leute lassen diesen Teil aus – und das ist schade. Voraus spannt sich die Haoshang-Brücke (濠上大桥) über den Fluss – eine Bogenbrücke mit überdachten Pavillons, die zur benachbarten Hügelinsel Wuyou führt. Warmes Holz, orangefarbene Bögen, eine Spiegelung im Wasser – sie sieht aus der Ferne wie aus der Nähe gut aus.

Die Haoshang-Brücke führt zur Insel mit dem Wuyou-Tempel

Bogenförmige Haoshang-Brücke mit Pavillons, vom Ufer aus gesehen
Die Brücke spiegelt sich wunderschön im Wasser

Auf der Insel steht der Wuyou-Tempel (乌尤寺) – ein altes buddhistisches Kloster auf dem Hügel. Vor dem Aufstieg sucht die Karte: Sie ist auf Englisch als „Leshan Wuyou Temple Scenic Spot Diagram“ beschriftet und zeigt alle sieben Hallen und die Wege. Der Aufstieg ist kurz und führt über Holztreppen durch den Wald.

Holztreppe durch den Wald hinauf zum Wuyou-Hügel
Der Aufstieg zum Wuyou-Tempel führt über Waldtreppen

Die Karte des Wuyou-Tempels ist auf Englisch beschriftet – so findet man alle sieben Hallen leicht

Oben gibt es eine kleine Wuyou-Halle mit einem bronzenen Räuchergefäß am Eingang, dessen Griffe wie Elefantenköpfe geformt sind. Dahinter führt der Weg hinab zum größeren Haupttempel.

Ein altes bronzenes Räuchergefäß mit Elefantenköpfen an den Griffen

Der Abstieg zum Haupttempel

Der Haupttempel Wuyou – Stille zum Schluss

Von den Tempelterrassen aus hat man einen Blick auf den Fluss und die fernen Felder, und im Herbst versinkt der Ort in Chrysanthemen – in Hunderten von Töpfen aufgestellt, gelb, rosa, tiefrot.

Von den Terrassen des Wuyou-Tempels – ein Blick auf den Fluss und die Felder

Im Herbst stellt der Tempel Hunderte Töpfe mit Chrysanthemen auf

Rote Räucherkerzen brennen am Wuyou-Tempel
Goldener Drachenkopf und Chrysanthemen am Wuyou-Tempel
Ein Drachentanz-Kopf, mitten zwischen den Blumen

Im Tempelhof spazieren Pfauen umher – echte, lebendige, die zwischen den Blumentöpfen stolzieren. In der Mitte des Hofes steht ein achteckiger Pavillon, umringt von roten Galerien. Hier ist kaum jemand: Der Wuyou-Tempel liegt abseits des Hauptstroms der Besucher, und das ist gerade sein großer Reiz.

Zwei Pfauen im Hof des Wuyou-Tempels zwischen Blumen
Die Pfauen hier sind echt und völlig unbeeindruckt von Menschen
Rosa Chrysanthemen in Nahaufnahme am Wuyou-Tempel
Hof des Wuyou-Tempels mit einem achteckigen Pavillon und Pfauen
Hier ist kaum jemand – und genau deshalb ist es so still
Goldener Drachenkopf und Blumen am roten Wuyou-Tempel

Das Highlight hier ist die Arhat-Halle (Luohan Tang). Es ist eine lange Halle, an deren beiden Wänden sich 500 bemalte Statuen von Arhats – buddhistischen Heiligen – reihen, und keine zwei gleichen einander: Jede hat ihr eigenes Gesicht, ihre eigene Haltung, ihren eigenen Ausdruck. In der Mitte steht eine Figur auf einem Pfau mit aufgefächertem Schweif. Die schiere Zahl und Vielfalt machen es aus.

Bogen mit einem Pfauenthron vor einer Halle am Wuyou-Tempel
Arhat-Halle am Wuyou-Tempel mit Reihen von 500 bemalten Statuen
Die Arhat-Halle: 500 bemalte Statuen entlang der Wände, keine zwei gleich

Gegen Ende leert sich der Tempel vollständig. In einer der Hallen begegnete ich einer Tempelkatze, die neben einem mit einer Lotusblüte bestickten Ritualkissen döste – scheinbar die Einzige, die hier wirklich zu Hause ist. In den hinteren Hallen stehen eine vergoldete tausendarmige Guanyin unter einer bemalten Decke und ein goldener Amitabha-Buddha in einer roten Nische.

Die Tempelkatze – scheinbar die wahre Bewohnerin dieser Hallen

Flussblicke aus dem Tempel – durch die Blumen und durch ein geschnitztes Fenster

Rote Nische mit einem goldenen Amitabha-Buddha am Wuyou-Tempel
Bogen mit goldenen Schriftzeichen „Buddha des unendlichen Lebens
Die Amitabha-Halle – der Buddha des unendlichen Lebens. Genau das sagen die Schriftzeichen auf dem Bogen
Steintreppe hinab mit Blumen entlang der Mauer, vom Wuyou-Tempel weg
Die Stufen hinunter – und die Route ist zu Ende

Ein Timing-Tipp: Wo man die Route enden lassen sollte

Mein bester Tipp aus der ganzen Reise – plant es so, dass der Wuyou-Tempel zum Schluss kommt. Die meisten Besucher kehren gleich nach den Füßen des Buddha um und erreichen die Insel nie, sodass hier am Ende des Tages fast niemand mehr ist. Beim Hauptbuddha ist immer viel los, aber hier bekommt ihr Pfauen, Chrysanthemen, Flussblicke und vollkommene Stille. Es ist der perfekte ruhige Abschluss nach dem trubeligen Abstieg zur Statue.

Die ganze Route – vom Eingang, wo man hineingeht, bis zum Ziel am Wuyou-Tempel – dauert etwa 2–3 Stunden. Der Park ist im Sommer (1. April – 7. Oktober) von 7:30 bis 18:30 Uhr und im Winter (8. Oktober – 31. März) von 8:00 bis 17:30 Uhr geöffnet. Um den Wuyou-Tempel ohne Hektik zu erreichen, geht mindestens 3 Stunden vor Schließung hinein – also spätestens um 15:30 Uhr im Sommer und 14:30 Uhr im Winter. Und um die Insel am leersten zu erleben, hebt sie euch für den Schluss auf: Bis dahin hat sich der Hauptandrang gelichtet.

Praktische Informationen

  • Wo: Großer Buddha von Leshan, Lingyun-Berg, Leshan, Provinz Sichuan, China
  • GPS: 29.5447, 103.7739
  • Öffnungszeiten: 1. April – 7. Oktober, 07:30–18:30 Uhr; 8. Oktober – 31. März, 08:00–17:30 Uhr
  • Eintritt: Hochsaison (1. Apr. – 7. Okt.) 80 Yuan (≈ 10 €), Nebensaison 50 Yuan (≈ 6,50 €); frei für Kinder unter 1,2 m und unter 6 Jahren sowie für Besucher ab 65 Jahren
  • Boot: ca. 70 Yuan (≈ 9 €), separates Ticket; Abfahrt am Jiazhou-Fähranleger nahe dem Parkeingang, ca. 30 Minuten
  • Buchung: tägliche Obergrenze von 26.000 Besuchern – mindestens einen Tag im Voraus online kaufen („Dafu Tourism“-Mini-Programme in WeChat oder Alipay)
  • Visum: Für die Einreise nach China benötigen deutsche Staatsbürger in der Regel ein Visum. Es gibt zeitweise visumfreie Transitregelungen, doch die Bedingungen ändern sich häufig – prüft die aktuelle Lage vor der Reise
  • Wie lange: 2–3 Stunden für die Route selbst bis zum Wuyou-Tempel; mit Boot und Schlangen etwa ein halber Tag

Anreise

  • Aus Deutschland: Direktflüge gibt es nicht. Am bequemsten fliegt man von Frankfurt oder München mit einem Zwischenstopp nach Chengdu (Chengdu); von dort bringt einen ein Schnellzug in etwa 1 Stunde nach Leshan
  • Aus Chengdu: Schnellzug von Chengdu Ost oder Chengdu Süd zum Bahnhof Leshan – etwa 1 Stunde. Vom Bahnhof Leshan fährt Bus Nr. 3 zum Park, weitere ca. 45 Minuten
  • Im Park: Vom Eingang bis zum Start der Route kann man zu Fuß gehen oder ein elektrisches Cart nehmen

Tipps

  • Kommt zur Öffnung: am Morgen weniger Menschen und keine Schlange für den Abstieg zu den Füßen des Buddha
  • Bequeme Schuhe sind ein Muss – über den Tag gibt es viele steile Stufen hinauf und hinunter
  • Der Neun-Windungen-Abstieg ist steil, aber sicher: Es gibt Geländer, lasst euch einfach Zeit
  • Lest die Tafeln – fast alle sind auf Englisch dupliziert und erklären, was euch umgibt
  • Kombiniert die Wanderroute mit dem Boot: Vom Wasser aus seht ihr den Buddha in voller Größe, so wie es gedacht war
  • Hebt euch die Brücke und den Wuyou-Tempel für das Ende des Tages auf – dort ist kaum jemand
  • Bringt Wasser mit; Kaffee bekommt ihr beim Luckin Coffee am Eingang

Warum hingehen

Man steht vor dem Großen Buddha, den Kopf in den Nacken gelegt, und kann den Kopf der Statue trotzdem nicht auf einmal erfassen – in diesem Moment versteht man, warum die Menschen herkommen. 71 Meter, 1.200 Jahre, neunzig Jahre Steinhauerei und ein Mönch, der für die Idee sein Augenlicht gab. Und gleich daneben eine stille Insel mit Pfauen und fünfhundert steinernen Heiligen, zu der nur wenige gelangen. Wenn ihr in Sichuan seid, bleibt nicht beim Buddha stehen: Überquert die Brücke und steigt hinauf zum Wuyou-Tempel. Der beste Teil dieser Route liegt oft ganz am Ende.

FAQ

Wie komme ich von Chengdu zum Großen Buddha von Leshan?

Am einfachsten ist der Schnellzug von Chengdu Ost oder Chengdu Süd zum Bahnhof Leshan, etwa eine Stunde. Vom Bahnhof Leshan fährt Bus Nr. 3 zum Park, weitere 45 Minuten oder so.

Wie kommt man von Deutschland nach Leshan?

Direktflüge gibt es nicht. Am bequemsten fliegt man von Frankfurt oder München mit einer Zwischenlandung nach Chengdu. Von Chengdu bringt einen ein Schnellzug in etwa einer Stunde nach Leshan, von dort sind es mit Bus Nr. 3 noch rund 45 Minuten bis zum Park. Beachtet, dass deutsche Staatsbürger für China in der Regel ein Visum brauchen – die Bedingungen ändern sich, prüft sie vor der Reise.

Wie viel kostet der Eintritt in den Buddha-Park?

In der Hochsaison (1. April – 7. Oktober) kostet ein Ticket 80 Yuan (etwa 10 €), in der Nebensaison 50 Yuan (etwa 6,50 €). Kinder unter 1,2 m und unter 6 Jahren sowie Besucher ab 65 Jahren haben freien Eintritt. Die Bootsfahrt ist ein separates Ticket, etwa 70 Yuan (≈ 9 €).

Wie viel Zeit brauche ich?

Die Route selbst – vom Eingang bis zum Wuyou-Tempel auf der Insel – dauert etwa 2–3 Stunden. Mit der Bootsfahrt und Wochenend-Schlangen solltet ihr rund einen halben Tag einplanen.

Ist der Abstieg zu den Füßen schwer?

Der Neun-Windungen-Abstieg ist stellenweise steil und schmal, aber sicher: Am Rand gibt es solide Geländer. Wer halbwegs fit ist, schafft es; man sollte es nur nicht eilig haben. Am Wochenende kann sich am Abstieg eine Schlange bilden.

Lohnt sich die Bootsfahrt?

Ja, wenn ihr die Zeit habt. Vom Wasser aus seht ihr den ganzen Buddha frontal – genau so, wie er gesehen werden sollte, und ein Blick, den man zu Fuß nicht bekommt. Die Fahrt dauert etwa 30 Minuten, und das Boot hält vor der Statue.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch des Großen Buddha von Leshan?

Kommt zur Öffnung, um den Buddha vor den größten Menschenmengen zu erreichen und die Schlange am Abstieg zu umgehen. Im Herbst blühen am Wuyou-Tempel die Chrysanthemen. Hebt euch die zweite Tageshälfte für die Insel auf – nur wenige gelangen so weit.

Was gibt es außer dem Buddha noch zu sehen?

Die Maitreya-Höhle, die daoistische „Yijing-Kommentarhöhle“, den Lingyun-Tempel, die Höhle des Mönchs Haitong und – nach dem Ausgang – die Haoshang-Brücke und den Wuyou-Tempel mit seiner Halle der 500 Arhats. Den Wuyou-Tempel sollte man sich für das Ende der Route aufheben.

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