Bosnien und Herzegowina mit dem Auto: 7-Tage-Route ab Serbien

Eine Wochenroute quer durch Bosnien und Herzegowina: von der serbischen Grenze im Nordosten durch das Landesinnere nach Sarajevo, dann südlich in die Herzegowina und zurück. Rund 900 Kilometer, vier Übernachtungsbasen und sieben Stopps, von denen die meisten nur mit dem Auto erreichbar sind.

White Ottoman dervish house at the Buna river spring under a limestone cliff, Blagaj, Bosnia
Die Tekke von Blagaj — ein Derwischhaus an der Quelle der Buna, zwölf Kilometer von Mostar entfernt

Warum man Bosnien mit dem Auto bereist

Bosnien und Herzegowina ist ein kleines, aber gebirgiges Land. Gerade Strecken gibt es kaum: Die Straßen folgen Flusstälern und Pässen, deshalb werden aus 150 Kilometern auf der Karte schnell drei Stunden Fahrzeit. Fernbusse verbinden nur die größeren Städte, und ein guter Teil des Sehenswerten liegt dazwischen — Wassermühlen an einem Fluss, Dörfer an Hängen, Quellen im Wald.

Mit dem Auto lassen sich diese Punkte zu einer Route verbinden, und die Abstände sind kurz: In einer Woche kann man Zentralbosnien, Sarajevo und die Herzegowina sehen, ohne jede Nacht das Hotel zu wechseln.

Die Route unten beginnt in Serbien, funktioniert aber genauso gut ab Kroatien (über Zagreb oder Split) und ab Montenegro (über Trebinje). Die Reihenfolge der Stopps ist flexibel — Varianten stehen am Ende des Artikels.

Die Route im Überblick

  • Tag 1: serbische Grenze → Ethno-Dorf Mackovac → Übernachtung bei Tuzla
  • Tag 2: Tuzla → Travnik (Bunte Moschee, Festung) → Jajce
  • Tag 3: Jajce — Pliva-Mühlen, Wasserfall, Festung → Weiterfahrt nach Sarajevo
  • Tag 4: ein ganzer Tag in Sarajevo
  • Tag 5: Sarajevo → Mostar (über Konjic und das Neretva-Tal)
  • Tag 6: Blagaj, Kravica, abends Mostar
  • Tag 7: zurück nach Norden — Vrelo Miljacke und Grenze
  • Gesamt: rund 900 km, 4 Übernachtungsbasen

Praxis: Grenzen, Straßen, Geld

Die Grenze. Mehrere Übergänge verbinden Serbien und Bosnien; für diese Route sind Rača (an der Straße Belgrad–Bijeljina) und Zvornik am praktischsten. Im Sommer bilden sich an den frequentierten Übergängen Schlangen, meist 20–40 Minuten. Bei einem Mietwagen muss die Vermietung vorab über die Grenzüberfahrt informiert werden: Man braucht eine Grüne Versicherungskarte. Viele Anbieter verlangen dafür eine separate Gebühr, etwa 30–60 € pro Mietvorgang.

Straßen. Autobahnen gibt es wenige — ein gebührenpflichtiger Abschnitt der A1 um Sarajevo und nach Norden zur kroatischen Grenze, rund 4–6 € pro 100 km, zahlbar in bar oder per Karte an den Stationen. Alles andere sind zweispurige Landstraßen, oft kurvenreich. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt landesweit bei 50–60 km/h, planen Sie Zeitreserven ein.

Geld. Die Währung ist die Konvertible Mark (BAM, vor Ort als KM geschrieben). Sie ist fest an den Euro gebunden: 1 € ≈ 1,96 KM. Euro werden an touristischen Orten akzeptiert, das Wechselgeld kommt aber in Mark und zu einem schlechten Kurs. Karten funktionieren in den Städten, für Parkplätze, Naturattraktionen und kleine Cafés braucht man Bargeld.

Kraftstoff. Etwa 2,4–2,6 KM pro Liter (rund 1,25 €). Tankstellen gibt es auch auf dem Land, in den Bergen können die Abstände aber groß sein.

Übernachten. Eine sinnvolle Aufteilung der Basen: Tuzla (oder Banovići), Jajce, Sarajevo für zwei Nächte, Mostar für zwei Nächte. Ein Doppelzimmer in einer Kleinstadt kostet 60–90 KM (30–45 €), in Sarajevo und Mostar 90–150 KM (45–75 €).

Tag 1. Von Serbien nach Bosnien: das Ethno-Dorf Mackovac

Der erste Stopp nach der Grenze ist Mackovac, ein privates Freilichtmuseum eine halbe Stunde von Tuzla entfernt. Es ist keine staatliche Einrichtung, sondern das Projekt einer Familie: alte bosnische Häuser, Scheunen und Werkstätten wurden aus Dörfern der Umgebung zusammengetragen und hier wieder aufgebaut. Die Sammlung umfasst mehr als 30.000 Objekte.

Für den ersten Tag im Land ist das ein nützlicher Halt: In eineinhalb Stunden sieht man, wie das Landleben in diesem Teil des Balkans vor hundert Jahren organisiert war. Weiter auf der Route erkennt man dieselben Holzveranden und Schindeldächer dann in ganz normalen Dörfern wieder.

Die Anlage ist wie ein großer Dorfhof angelegt, die Häuser sind über Brücken und gepflasterte Wege verbunden

Zum Museum gehört ein Restaurant mit bosnischer Küche — es steht direkt über dem Wasser

Ausführlich zum Dorf, den Preisen und der Küche in einem eigenen Artikel: Ethno-Dorf Mackovac.

Praktische Informationen

  • Wo: Etno avlija Mačkovac, Dorf Mačkovac, 5 km von Banovići, 30 km von Tuzla
  • GPS: 44.38, 18.50 (ungefähr)
  • Zeitbedarf: 1,5–2 Stunden inklusive Mittagessen
  • Vom Übergang Rača: etwa 110 km, 2 Stunden
  • Übernachtung: Tuzla ist die nächste Stadt mit vernünftiger Hotelauswahl

Tag 2. Durch Zentralbosnien nach Travnik

Der zweite Tag ist fast reiner Fahrtag. Westlich von Tuzla führt eine zweispurige Straße durch Hügelland: Weiden, verstreute Häuser an den Hängen, Heustöcke. Ausgebaute Aussichtspunkte gibt es nicht, aber die Seitenstreifen sind breit und man kann fast überall halten — planen Sie mehr Zeit ein, als das Navi anzeigt.

Zentralbosnien zwischen Tuzla und Travnik

Šarena Džamija — die Bunte Moschee von Travnik

Vierhundert Jahre lang war Travnik Sitz der osmanischen Statthalter Bosniens, und die Stadt ist noch immer wie eine kleine Hauptstadt angelegt: enge Gassen, Steinhäuser, eine Festung über den Dächern.

Das wichtigste Gebäude ist die Šarena Džamija, übersetzt „Bunte“ oder „Bemalte Moschee“. Ihre Fassade ist vollständig bemalt: blühende Bäume, Weinreben, Mohnblumen, arabische Kalligrafie. Solche Malerei ist in der islamischen Architektur ungewöhnlich, üblich sind Geometrie und abstraktes Ornament. Die Moschee stammt aus dem 16. Jahrhundert und erhielt ihre heutige Form im frühen 19. Jahrhundert, nach einem Brand.

Noch ein ungewöhnliches Detail: Der Gebetsraum liegt nicht auf Bodenhöhe, sondern im Obergeschoss — darunter verläuft ein Bezistan, eine überdachte Marktzeile. Markt und Moschee teilen sich also ein Gebäude.

Die Malerei bedeckt Außenwände und Portal — blühende Bäume, Reben und Kalligrafie

Stone sadrvan ablution fountain in the courtyard of the Colourful Mosque, Travnik
Der Šadrvan, der Waschbrunnen im Moscheehof

Die Festung über der Stadt

Von der Moschee zur Festung sind es etwa fünfzehn Minuten bergauf. Die Anlage wurde im 15. Jahrhundert unter den bosnischen Königen erbaut und steht auf einem Felsen direkt über der Altstadt. Innen ist kaum etwas erhalten; der Aufstieg lohnt wegen der Aussicht — Ziegeldächer, Minarette, ein Friedhof am Hang und Berge ringsum.

Von der Festungsmauer und durch eine Schießscharte — Travnik liegt in einem engen Tal

Praktische Informationen

  • Šarena Džamija: Google Maps, Eintritt frei, Frauen brauchen ein Kopftuch
  • Festung Travnik: etwa 3 KM (1,50 €), täglich geöffnet
  • GPS der Moschee: 44.2266, 17.6664
  • Zeitbedarf für Travnik: 2–3 Stunden
  • Tuzla → Travnik: 130 km, etwa 2,5 Stunden

Weiter: Pass und Nebel

Von Travnik nach Jajce sind es 70 Kilometer, die Straße führt aber über einen Pass. Das Wetter wechselt hier innerhalb von Minuten: Aus einem sonnigen Tal wird dichter Nebel, in dem nur noch der Seitenstreifen und die Fichten daneben zu sehen sind. Die Fahrt ist sicher, aber langsam — rechnen Sie für diesen Abschnitt mit anderthalb Stunden.

Der Pass zwischen Travnik und Jajce

Tag 3. Jajce und die Wassermühlen an der Pliva

Jajce war die Hauptstadt des mittelalterlichen Königreichs Bosnien und hat einen ungewöhnlichen Grundriss: Ein 22 Meter hoher Wasserfall stürzt mitten im Stadtzentrum herab, dort wo die Pliva in den Vrbas mündet. Ein Wasserfall dieser Größe innerhalb bebauten Stadtgebiets ist in Europa selten.

Der zweite Teil der Stadt liegt fünf Kilometer entfernt an den Pliva-Seen. Zwischen dem großen und dem kleinen See fließt das Wasser über Kaskaden, und auf diesen Kaskaden stehen etwa zwanzig winzige Holzmühlen — die Mlinčići. Sie sind über zweihundert Jahre alt: Die Mühlen gehörten der Dorfgemeinschaft, jede Familie mahlte ihr Getreide in ihrer eigenen. In Betrieb sind sie nicht mehr, die Bauwerke wurden aber erhalten.

Wooden watermills Mlincici on the Pliva river cascades near Jajce, Bosnia
Die Mlinčići — Mühlen auf den Kaskaden zwischen den Pliva-Seen

Jede Mühle steht auf ihrem eigenen Arm des Wasserlaufs

Wooden boardwalk through the forest along the Pliva river, Jajce, Bosnia
Entlang des Wassers führen Holzstege — das gesamte Gelände lässt sich in etwa vierzig Minuten ablaufen

Zu den Pliva-Seen und der Brücke der Liebe gibt es einen eigenen Beitrag: Pliva-Seen und die Mühlen von Jajce.

Praktische Informationen

  • Pliva-Mühlen: Eintritt frei, Gelände rund um die Uhr offen, Parken ~1 KM pro Stunde
  • GPS: 44.3350, 17.2400
  • Pliva-Wasserfall in der Stadt: Aussichtsplattform etwa 4–10 KM (2–5 €) je nach Ebene
  • Festung Jajce: etwa 3 KM (1,50 €)
  • Zeitbedarf: ein halber Tag für die Seen, ein halber für die Stadt
  • Jajce → Sarajevo: 165 km, etwa 3 Stunden

Tag 4. Sarajevo an einem Tag

Das Zentrum von Sarajevo ist kompakt: Alles Folgende lässt sich an einem Tag zu Fuß ablaufen. Lassen Sie das Auto auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz am Hotel — die Altstadt ist fast durchgehend Fußgängerzone, und Parkplätze sind darin knapp.

Für deutsche und österreichische Besucher ist Sarajevo ohnehin ein besonderer Fall: Ein großer Teil der Stadt — Rathaus, Ministerien, Wohnviertel — entstand nach 1878 unter österreichisch-ungarischer Verwaltung. Wer Wien, Budapest oder Graz kennt, erkennt die Formensprache sofort wieder, hier aber direkt neben osmanischen Basargassen.

Frühstück außerhalb des Zentrums

Mrvica ist ein Café mit Bäckerei abseits des Touristenzentrums, etwa fünfzehn Minuten zu Fuß von der Baščaršija oder fünf Minuten mit dem Auto. Das Frühstück ist europäisch: Eggs Benedict, Croissants, Gebäck; Schlangen gibt es selbst am Wochenende nicht.

Croissant with salmon and poached egg on a plate at Mrvica cafe in Sarajevo
Croissant mit Lachs und pochiertem Ei bei Mrvica

Tipp: Mit dem Auto frühstückt man leichter außerhalb der Baščaršija — dort ist es ruhiger und das Parken einfacher. Mrvica auf der Karte.

Baščaršija und die Altstadt

Die Baščaršija ist das osmanische Marktviertel aus dem 15. Jahrhundert und der älteste Teil der Stadt. Niedrige Steinläden, Kupferschmiedewerkstätten, Kaffeehäuser. In einer Gasse ist eine Linie ins Pflaster eingelassen, mit der Aufschrift „Sarajevo — Meeting of Cultures“: Auf der einen Seite steht osmanische Bebauung, auf der anderen österreichisch-ungarische. Der Unterschied ist mit einem Schritt sichtbar.

Ein Minarett und ein Kirchturm im selben Block — in Sarajevo ein alltäglicher Anblick

Vijećnica — das Rathaus

Die Vijećnica (Gradska vijećnica) wurde 1896 im maurischen Stil erbaut: Österreichisch-ungarische Architekten nahmen die Moscheen und Paläste von Kairo und Andalusien zum Vorbild. Später beherbergte das Gebäude die Nationalbibliothek. In den 1990er-Jahren wurde es schwer beschädigt und bis 2014 wiederhergestellt.

Hinein geht man wegen des zentralen Atriums: Glasdecke, Hufeisenbögen auf drei Ebenen, Malerei auf allen Flächen.

Moorish revival arches and painted ceiling inside Sarajevo City Hall Vijecnica
Das Atrium der Vijećnica — drei Bogenebenen um einen offenen Raum
Stained glass ceiling with blue floral pattern inside Sarajevo City Hall
Die Glasdecke über dem Atrium

Praktische Informationen

  • Vijećnica: Obala Kulina bana 1, Sarajevo
  • Öffnungszeiten: täglich 09:00–17:00
  • Eintritt: etwa 10 KM (5 €)
  • GPS: 43.8590, 18.4340

Inat Kuća — das „Trotzhaus“

Direkt gegenüber der Vijećnica, am anderen Ufer der Miljacka, steht ein kleines osmanisches Haus. Als hier Ende des 19. Jahrhunderts der Rathausbau begann, weigerte sich der Eigentümer auszuziehen. Die Vereinbarung: Er bekommt einen Sack Goldmünzen, und sein Haus wird Stein für Stein abgetragen und am gegenüberliegenden Ufer wieder aufgebaut. Genau so kam es — daher der Name Inat kuća, „Trotzhaus“. Seit 1997 ist darin ein Restaurant.

Das Essen ist durchschnittlich, ein Standardsortiment bosnischer Küche. Man kommt vor allem wegen des Interieurs — geschnitzte, bemalte Decken, ein steinerner Herd, Stickereien an den Wänden — und wegen des Blicks auf die Vijećnica aus den Fenstern.

Im Inneren der Inat Kuća — bemalte Decken und ein steinerner Herd

Sarajevo City Hall seen from under a bridge over the Miljacka river
Die Vijećnica vom gegenüberliegenden Ufer der Miljacka

Das Museum der Brauerei Sarajevo

Die Brauerei Sarajevo arbeitet seit 1864 und ist damit einer der ältesten Betriebe des Landes. Der Backsteinkomplex mit gelben Zierelementen und Uhrturm stammt aus der österreichisch-ungarischen Zeit und nimmt im Stadtteil Bistrik einen ganzen Block ein. Ein Detail der Stadtgeschichte: Während der Belagerung in den 1990er-Jahren war die artesische Quelle auf dem Brauereigelände eine der wenigen zugänglichen Trinkwasserquellen.

Zur Brauerei gehört ein kleines Museum: Flaschen, Etiketten, Geräte und Dokumente aus anderthalb Jahrhunderten. Der Rundgang dauert etwa eine Stunde, die Brauerei selbst liegt zehn Gehminuten von der Baščaršija.

Das Brauereigebäude in Bistrik — roter Backstein, gelbe Zierelemente und ein Uhrturm

Praktische Informationen

  • Adresse: Franjevačka 15
  • Öffnungszeiten: Mo–Sa, 11:00–17:30
  • Eintritt: 5 KM (2,50 €)
  • Hinweis: Den Besuch besser vorab abstimmen, die Gruppengröße ist begrenzt

Die Miljacka-Promenade und die Lateinerbrücke

Die Miljacka ist ein kleiner Fluss, entlang dem sich das ganze Zentrum erstreckt. Mehr als zehn Brücken überspannen ihn, und ein Spaziergang am Ufer ist der einfachste Weg, den Stadtaufbau zu verstehen. Die Lateinerbrücke ist jene, an der 1914 das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand verübt wurde — das Ereignis, das den Ersten Weltkrieg auslöste. Daneben gibt es ein kleines Museum.

Latin Bridge and Austro-Hungarian buildings along the Miljacka river in Sarajevo
Die Miljacka-Promenade an der Lateinerbrücke
View along the Miljacka river with bridges and hills above Sarajevo
Die Stadt liegt eingeklemmt zwischen zwei Berghängen — vom Ufer aus gut zu sehen

Mejtaš — ein Wohnviertel über dem Zentrum

Mejtaš ist ein Hangviertel zehn Gehminuten von der Baščaršija, das touristische Routen kaum erreichen. Österreichisch-ungarische Villen mit Stuck, Rosenbüsche entlang der Zäune, steile Gassen; innerhalb eines Viertels stehen eine Synagoge, eine Moschee und ein katholisches Institut.

Sehenswürdigkeiten im üblichen Sinn gibt es hier nicht — keine Museen, keine Aussichtsplattformen. Es ist ein Wohnviertel, in das man hinaufsteigen sollte, um zu sehen, wie die Stadt jenseits der Altstadt funktioniert. Mejtaš auf der Karte.

Österreichisch-ungarische Villen und Rosen an den Zäunen — eine gewöhnliche Straße in Mejtaš

Bonustag: Bjelašnica und die Straße nach Lukomir

Wer in Sarajevo einen Tag übrig hat, sollte ihn für einen Ausflug in die Berge nutzen. In einer Stunde kommt man von der Stadt auf das Hochplateau der Bjelašnica — genau jenes Massiv, auf dem 1984 Wettbewerbe der Winterolympiade stattfanden. Die Straße bis zum Skizentrum ist gut und asphaltiert, danach beginnt das Hochland: Karstwiesen, nackte Felsrücken, einzelne Hirtenhütten und fast niemand ringsum.

Das Bjelašnica-Plateau im Juni — auf 1.500 Metern ist das Gras noch grün

Ziel dieser Straße ist Lukomir, das höchstgelegene Dorf Bosniens und Herzegowinas: 1.495 Meter, etwa fünfzig Steinhäuser mit Holzschindeldächern, am Rand der Rakitnica-Schlucht. Das Dorf lebt nach dem alten Muster: Im Sommer werden hier Schafe gehütet, für den Winter zieht der Großteil der Bewohner nach unten — die Straße wird verschneit, und das Dorf bleibt monatelang abgeschnitten.

Wir sind nicht angekommen. Hinter dem Skizentrum endet der Asphalt, und die letzten etwa fünfzehn Kilometer sind eine steinige Spur an den Hängen: eng, stufig, ohne Ausweichmöglichkeiten. Mit einem normalen Auto mit niedriger Bodenfreiheit ist das keine gute Idee, wir haben vor dem Dorf umgedreht. Das Plateau und die Aussichten unterwegs waren die Fahrt trotzdem wert, Lukomir selbst bleibt für das nächste Mal.

Genau diese Spur führt nach Lukomir, daneben die Hochwiesen

Die sinnvolle Variante ist ein lokaler Anbieter. Ab Sarajevo werden Jeep-Safaris auf die Bjelašnica und nach Lukomir angeboten: ein ganzer Tag, etwa acht Stunden, meist mit Halt bei den mittelalterlichen Stećci-Grabsteinen in Umoljani und Mittagessen im Dorf. Der Ort ist die Mühe wert, und beim nächsten Mal komme ich dort an.

Praktische Informationen

  • Lukomir: 1.495 m, etwa 50 km von Sarajevo, die Fahrt dauert aber 2–2,5 Stunden pro Richtung
  • Auf eigene Faust: nur mit Geländewagen und hoher Bodenfreiheit; nach Regen besser nicht
  • Saison: etwa Mitte Mai bis Oktober, im Winter ist das Dorf abgeschnitten
  • Jeep-Safari ab Sarajevo: ganzer Tag (8 Stunden), Platz in der Gruppe ab etwa 100 €, privates Fahrzeug für 2–3 Personen ab etwa 210 €
  • Unterwegs außerdem: Skizentrum Bjelašnica, die olympischen Sprungschanzen auf dem Igman, die Stećci in Umoljani

Tag 5. Sarajevo → Mostar

Die Straße in die Herzegowina folgt der Neretva: zuerst Berge und Nadelwald, dann der Jablanica-See bei Konjic, danach ein deutlicher Klimawechsel. Das Grün wird spärlicher, es kommen Stein, Feigen, Granatäpfel und Weinberge. Die Herzegowina ist im Grunde mediterran, im Sommer ist es hier 8–10 Grad heißer als in Sarajevo.

Valley with scattered red-roofed villages and hills on the road to Mostar, Bosnia
Täler auf dem Weg nach Süden

Das Zentrum von Mostar ist um die Alte Brücke herum gebaut. Sie wurde 1566 von dem Architekten Mimar Hayruddin errichtet, einem Schüler Sinans, des führenden osmanischen Baumeisters des 16. Jahrhunderts: ein einziger Steinbogen von 27 Metern, ohne Stützen. Die Brücke wurde 1993 zerstört und im Rahmen eines UNESCO-Programms bis 2004 wiederaufgebaut; 2005 kam sie auf die Welterbeliste. Sprünge von der Brücke in die Neretva sind eine lokale Tradition seit dem 17. Jahrhundert; heute findet hier auch eine Station der Cliff-Diving-Weltserie statt.

Etwas weiter flussaufwärts steht eine zweite Brücke, die Kriva Ćuprija, die „Schiefe Brücke“ — klein, 16. Jahrhundert. Einer Theorie zufolge wurde sie als Versuchsmodell für die Alte Brücke gebaut.

Die Alte Brücke und die Kriva Ćuprija — Mostars zweite, kleinere Brücke

Sunset over Mostar with the silhouette of a church tower and minaret
Mostar am Abend, von den Hügeln aus gesehen

Tipp: In Mostar lohnen sich zwei Nächte. Tagsüber ist die Altstadt voll — es kommen Busgruppen aus Dubrovnik und Split. Nach sieben Uhr abends fahren sie ab, und auf den Gassen wird es deutlich freier.

Tag 6. Blagaj und der Wasserfall Kravica

Mostar ist eine gute Basis für kurze Ausflüge — beide Hauptziele der Herzegowina liegen eine halbe Stunde entfernt.

Blagaj — die Tekke an der Buna-Quelle

Zwölf Kilometer von Mostar tritt die Buna unter einer zweihundert Meter hohen Felswand hervor, sofort wasserreich, kalt und türkis. Direkt an der Quelle, dicht an den Felsen gebaut, steht ein weißes Haus mit hölzernen Erkern: eine Tekke, eine Niederlassung der Derwische, einer Sufi-Bruderschaft. Erbaut im frühen 16. Jahrhundert.

Der Standort war kein Zufall: Sufi-Gemeinschaften siedelten dort, wo Wasser aus dem Boden tritt. Man kann hineingehen — die Gebetsräume sind erhalten, mit geschnitzten Decken samt Halbmonden und alten Holzböden. Die Schuhe bleiben am Eingang, Frauen erhalten ein Kopftuch.

Die Tekke steht dicht am Felsen, genau dort wo die Buna austritt; innen sind geschnitzte Decken erhalten

Praktische Informationen

  • Wo: Blagaj, 12 km von Mostar, Google Maps
  • GPS: 43.2560, 17.8975
  • Öffnungszeiten: 08:30–20:30 im Sommer, bis 17:00 in der Nebensaison
  • Eintritt: etwa 8–10 KM (4–5 €)
  • Zeitbedarf: 1–1,5 Stunden, plus Mittagessen in einem der Restaurants über dem Wasser

Kravica — ein Wasserfall 40 Minuten von Mostar

Kravica ist nicht ein einzelner Wasserfall, sondern ein Halbkreis aus Dutzenden Strömen, die 25 Meter tief in ein gemeinsames Becken stürzen. Im Sommer wird hier gebadet, es gibt Cafés und Boote; im Frühjahr, bei höherem Wasserstand, ist das Baden gesperrt, der Wasserfall aber deutlich mächtiger.

Vom Parkplatz führt ein Weg in etwa zehn Minuten hinunter; es gibt auch eine kleine Bimmelbahn für alle, die den Aufstieg vermeiden wollen.

Kravica waterfall with many streams falling into a pool, Herzegovina
Kravica — 25 Meter hoch und über hundert Meter breit

Praktische Informationen

  • Wo: 40 km von Mostar, bei der Stadt Ljubuški
  • GPS: 43.1583, 17.6083
  • Eintritt: 20 KM (10 €)
  • Öffnungszeiten: 07:00–22:00 im Sommer, 07:00–19:00 im Winter; Gebühr wird von 08:00 bis 20:00 erhoben
  • Tipp: Am besten zur Öffnung oder nach sieben Uhr abends kommen — mittags ist es in der Saison voll

Tag 7. Zurück nach Norden und Vrelo Miljacke

Der Rückweg nach Serbien führt über Sarajevo und dann nach Osten Richtung Višegrad. Morgens liegt in den Bergen fast immer Nebel: Er hält sich rund eineinhalb Stunden nach Sonnenaufgang in den Tälern und löst sich auf, sobald die Sonne über den Grat steigt.

Morgen in den Bergen auf dem Weg nach Norden

Der letzte Stopp ist Vrelo Miljacke, die Quelle des Flusses, der durch Sarajevo fließt. Sie liegt zwanzig Kilometer von der Hauptstadt entfernt, hinter der Stadt Pale, am Hang der Ravna Planina auf etwa 1.000 Metern. Das Wasser tritt sofort in großer Menge aus Karstspalten und fällt in Kaskaden durch den Wald, zwischen moosbewachsenen Felsblöcken.

Der Ort ist nicht ausgebaut: wenige Hinweistafeln, kaum Infrastruktur, ein kurzer, einfacher Pfad. Es sind hier deutlich weniger Menschen als an jedem anderen Punkt der Route.

Vrelo Miljacke — das Wasser tritt unter dem Felsen hervor und fällt in Kaskaden durch den Wald

Praktische Informationen

  • Wo: Gornje Pale, 20 km von Sarajevo, Google Maps
  • GPS: 43.79, 18.61 (ungefähr)
  • Eintritt: frei
  • Zeitbedarf: 1–1,5 Stunden
  • Schuhwerk: Der Pfad ist erdig und nach Regen rutschig, Turnschuhe sind besser
  • Weiter: bis zur serbischen Grenze bei Višegrad etwa 100 km

Wie man die Route anpasst

Diese Variante ist nicht die einzig sinnvolle und lässt sich leicht umbauen.

  • Aus Kroatien (Zagreb, Split, Dubrovnik) — die Route umdrehen: erst die Herzegowina, dann Sarajevo, dann Zentralbosnien. Mackovac passt dann ans Ende oder wird durch Tuzla ersetzt.
  • Aus Montenegro — über Trebinje einreisen und einen Tag für Stolac und Počitelj auf dem Weg nach Mostar einplanen.
  • Aus Deutschland oder Österreich mit dem eigenen Auto — von Wien sind es etwa 800 km nach Sarajevo, von München rund 1.100 km. Beides ist über Zagreb und Slavonski Brod machbar; realistisch sind zwei Fahrtage mit einer Zwischennacht in Kroatien.
  • Wenn Sie 5 statt 7 Tage haben — Mackovac und Vrelo Miljacke weglassen und Travnik – Jajce – Sarajevo – Mostar behalten.
  • Wenn Sie 10 Tage haben — Stolac, Počitelj und Trebinje im Süden ergänzen, im Nordwesten den Nationalpark Kozara oder Bihać mit der Una.
  • Wenn Sie Berge wollen — in Sarajevo einen Tag für Bjelašnica und Lukomir einplanen (siehe Bonusabschnitt oben) oder für Jahorina; von Jajce aus lohnt ein ganzer Tag an den Pliva-Seen mit Campingplatz.

Das Einzige, was man nicht ändern sollte: Versuchen Sie nicht, Sarajevo in einen halben Tag zu packen. Die Stadt braucht mindestens einen ganzen Tag, besser eineinhalb.

Was man unterwegs probieren sollte

  • Ćevapi — kleine gegrillte Hackfleischröllchen, serviert im Somun-Fladenbrot mit Zwiebeln und Kajmak, einem gesäuerten Rahm. Eine Portion mit 10 Stück kostet 8–12 KM (4–6 €). In Sarajevo ist das das Grundnahrungsmittel der Stadt.
  • Burek — eine Rolle aus dünnem Teig mit Fleisch; mit Käse heißt sie Sirnica, mit Spinat Zeljanica. 3–5 KM pro Portion.
  • Bosanski lonac — ein Gemüse-Fleisch-Eintopf, stundenlang im Tontopf geschmort.
  • Bosnischer Kaffee — in der Džezva gebrüht, serviert mit einem Stück Lokum und einem Zuckerwürfel. 2–3 KM.
  • Granatäpfel und Feigen in der Herzegowina — im Süden direkt von den Höfen am Straßenrand verkauft, von Juli bis Oktober.

FAQ

Wie viele Tage braucht man für Bosnien mit dem Auto?

Sieben Tage passen gut: Das reicht für Zentralbosnien, Sarajevo und die Herzegowina, ohne jede Nacht das Hotel zu wechseln. Fünf Tage ergeben eine Kurzfassung — Travnik, Jajce, Sarajevo, Mostar. Mit zehn Tagen kommen der Nordwesten mit der Una und der Süden mit Stolac und Počitelj hinzu.

Wie kommt man aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz nach Bosnien?

Nach Sarajevo gibt es Direktflüge aus Frankfurt, München, Düsseldorf, Stuttgart, Wien und Zürich, dazu saisonale Verbindungen aus Berlin und Basel. Ein Mietwagen am Flughafen Sarajevo kostet im Sommer ab etwa 35–45 € pro Tag. Wer mit dem eigenen Auto fährt: von Wien rund 800 km, von München rund 1.100 km über Zagreb.

Kann man mit einem Mietwagen aus Serbien nach Bosnien einreisen?

Ja, aber die Vermietung muss vorab informiert werden und eine Grüne Versicherungskarte ausstellen. Viele Anbieter verlangen dafür eine Zusatzgebühr von etwa 30–60 €. Ohne Anmeldung kann die Grenzüberfahrt gegen die Mietbedingungen verstoßen.

Ist Autofahren in Bosnien schwierig?

Die Straßen sind meist zweispurig und gebirgig, aber gut befahrbar, und der Verkehr ist gering. Das Hauptproblem ist das Tempo: 150 km auf der Karte bedeuten fast immer 2,5–3 Stunden realer Fahrzeit. Im Winter sind Winterreifen in den Bergen Pflicht.

Welche Währung gilt in Bosnien und Herzegowina?

Die Konvertible Mark (BAM, KM), fest an den Euro gebunden: 1 € ≈ 1,96 KM. Euro werden an vielen touristischen Orten akzeptiert, aber zu einem schlechten Kurs. Bargeld braucht man für Parkplätze, kleine Cafés und den Eintritt zu Naturattraktionen.

Kommt man mit einem normalen Auto nach Lukomir?

Nein. Hinter dem Skizentrum Bjelašnica endet der Asphalt, und die letzten 15 Kilometer sind eine steinige Spur — dafür braucht man einen Geländewagen mit hoher Bodenfreiheit. Mit Limousine oder leichtem SUV besser nicht versuchen, erst recht nicht nach Regen. Die Alternative ist eine Jeep-Safari ab Sarajevo für einen ganzen Tag.

Wann ist die beste Reisezeit?

Mai–Juni und September. Im Sommer wird es in der Herzegowina sehr heiß (bis 40 °C), und Mostar und Kravica füllen sich mit Busgruppen. Im Frühjahr führen die Wasserfälle mehr Wasser, im Herbst ist Zentralbosnien schöner.

Braucht man ein Visum?

EU-Bürger brauchen für Aufenthalte bis 90 Tage kein Visum; für Deutschland, Österreich und die Schweiz genügt der Personalausweis. Für andere Staatsangehörigkeiten die Bestimmungen vor der Reise prüfen.

Ist Bosnien sicher zu bereisen?

Ja, die Kriminalitätsrate ist niedrig und Gäste werden freundlich aufgenommen. Auf Naturwegen sollte man markierte Pfade nutzen, und in den Bergen das Wetter im Blick behalten: Nebel und Regen kommen schnell.

Fazit

Innerhalb einer Woche wechselt Bosnien mehrfach den Charakter: Hügel und Holzhäuser im Norden, das osmanische Travnik, Bergpässe, Sarajevo mit seiner Mischung aus Minaretten und österreichisch-ungarischem Stuck, und schließlich die heiße, steinige Herzegowina mit türkisem Wasser. Die Entfernungen bleiben dabei kurz — selten mehr als drei Stunden zwischen den Stopps.

Mit dem Auto ist es die logische Variante: Ein guter Teil dieser Route liegt zwischen den Städten, und dorthin fährt kein öffentlicher Verkehr.

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