National Orchid Garden Singapur: Guide zum Botanischen Garten

Die Singapore Botanic Gardens sind ein großer, kostenloser Park fast mitten in der Stadt – die Einheimischen kommen zum Spazieren, die Touristen wegen der Orchideen. Es gibt einen echten Regenwald, Seen mit wilden Ottern und den National Orchid Garden, in dem über sechzigtausend Pflanzen versammelt sind. Ich erzähle, was sich lohnt und wie man den Tag plant.

Rosa Bambusorchideen vor einem steinernen Brunnen im National Orchid Garden in Singapur
Der National Orchid Garden – das Herz des Parks und der einzige kostenpflichtige Bereich.

Ein Garten, älter als das moderne Singapur

Die Singapore Botanic Gardens werden von Einheimischen wie Touristen gleichermaßen geliebt. An dieser Stelle wurden sie 1859 eröffnet, sie erstrecken sich über 82 Hektar – das sind rund 115 Fußballfelder – und 2015 wurden sie zum UNESCO-Welterbe ernannt. Es ist der erste und bis heute einzige tropische Botanische Garten auf dieser Liste, neben dem Taj Mahal und dem Grand Canyon.

Der Park ist riesig – Seen, Rasenflächen, Regenwald, jahrhundertealte Bäume – und von 5 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet. Der Eintritt in diesen Teil ist frei; kostenpflichtig ist nur der National Orchid Garden auf dem Hügel in der Mitte. Hierher kommt man für einen ganzen Tag: im Morgengrauen die Jogger, tagsüber Familien mit Picknickdecken, Pärchen, die Hochzeitsfotos unter den Bäumen machen. Pro Jahr kommen etwa 4,5 Millionen Menschen hierher, und trotzdem wirkt der Garten fast nie überfüllt.

Ich bin durch das Tanglin Gate hineingegangen und den Wegen tiefer in den Park gefolgt.

Antike Zieruhr inmitten von tropischem Grün am Tanglin Gate
Die alte Uhr am Tanglin Gate – im historischen Teil des Gartens.

Swan Lake und die Otter

Das Erste, worauf man vom Tanglin Gate aus trifft, ist der Swan Lake. Er wurde 1866 angelegt und ist der älteste Zierteich Singapurs. Benannt ist er nach einem Höckerschwanpaar, das man eigens aus Amsterdam hierher brachte.

Swan Lake in den Singapore Botanic Gardens, umrahmt von alten Bäumen
Der Swan Lake – der älteste Zierteich des Landes.

Rund um den See führt ein Weg mit Bänken.

Direkt am Wasser steht eine Skulptur aus drei bronzenen Schwänen. Beinahe wäre ich daran vorbeigelaufen – dann entdeckte ich eine echte Schildkröte, die aus dem Wasser geklettert war und sich genau zu ihren Füßen niedergelassen hatte.

Bronzeskulptur von Schwänen am Swan Lake in den Singapore Botanic Gardens
Bronzeschwäne am Wasser.
Bronzeschwan-Skulptur mit einer echten Schildkröte am Sockel
Eine Schildkröte hat sich neben die Skulptur gesetzt.

Und dann das, womit ich nicht gerechnet hatte: Otter. In Singapur leben wilde Glattotter, sie ziehen in Familien durch die Gewässer der Insel. Einer schwamm direkt vor mir im See. Sie werden nicht gefüttert und nicht in Gehegen gehalten – einen Otter aus der Nähe zu sehen, ist also Glückssache.

Die Otter hier sind wild und leben ganz für sich.

Regenwald mitten in der Stadt

Mitten im Garten liegen sechs Hektar Primärregenwald. Primär heißt: Er wurde nie gerodet und nie neu aufgeforstet – er steht hier, noch bevor der Garten selbst entstand, und manche Bäume sind älter als das moderne Singapur, dessen Geschichte 1819 beginnt. Ein echter tropischer Regenwald innerhalb einer Stadt ist eine große Seltenheit: Neben Singapur kann sich, soweit ich weiß, nur Rio de Janeiro damit rühmen.

Holzsteg, der sich durch den Regenwald der Singapore Botanic Gardens windet
Ein Holzsteg führt durch den Regenwald.

Kleine Teiche im Grün, überzogen von Seerosen.

Manche Bäume sind gewaltig – mit Brettwurzeln höher als ein Mensch. Unten ist alles von Farn überwuchert.

Bach, Farn und ein Baum mit Wurzeln höher als ein Mensch.

Farne wachsen hier überall.

Seerosenteich am Rand des Regenwaldes
Ein Seerosenteich am Rand des Waldes.
Wasserfall, der über einen Felsen in ein kleines Becken fällt
Ein Wasserfall im Regenwald.
Kleiner Wasserfall, versteckt im dichten Grün
Derselbe Wasserfall von der Seite.

Entlang der Wege tauchen leuchtende Blüten auf – orangefarbene Helikonien und die stachelige, orange-weiße „Pfauenblume“.

Pfauenblume und Helikonie.

Der National Orchid Garden

Das ist der Hauptteil des Gartens und der einzige kostenpflichtige. Der National Orchid Garden liegt auf einem drei Hektar großen Hügel im westlichen Teil und beherbergt über 1.000 Orchideenarten und mehr als 2.000 Hybriden – rund 60.000 Pflanzen zur gleichen Zeit. Es gilt als die größte Orchideensammlung der Welt – und ist mit Sicherheit die größte, durch die ich je gegangen bin.

Man steigt über breite Stufen hinauf, und sofort sind die Orchideen überall – in Vasen, an den Wänden, entlang der Wege. Der Garten ist in thematische Bereiche gegliedert, und am bequemsten folgt man der empfohlenen Route – vom Eingang vorbei an den Brunnen und dem Mist Garden bis zu den Gewächshäusern am hinteren Ende.

Karte des National Orchid Garden mit Zonen und Rundweg
Karte des Orchideengartens. © NParks / Singapore Botanic Gardens
Breite Steinstufen, die zum National Orchid Garden hinaufführen
Die Stufen, die nach oben führen.

Der Garten ist nach Farben angelegt, ungefähr nach dem Prinzip der vier Jahreszeiten: irgendwo kühle Weiß- und Blautöne, anderswo glühende Rot- und Goldtöne. Zwischen den Beeten stehen alte Statuen und ein paar hölzerne Pavillons, in denen man im Schatten sitzen kann.

Holzpavillon inmitten üppiger Gartenvegetation
Ein Pavillon – ein Rückzugsort vor der Hitze.
Von Palmen gesäumter Weg zum Pavillon im Orchideengarten
Die Wege schlängeln sich zwischen den Beeten.
Weg mit Blattabdrücken, die in den Beton geprägt sind
Im Weg – Abdrücke echter Blätter.
Klassische Statue einer liegenden Figur, eingewachsen ins Grün
Statuen verstecken sich im Grün.

Büste, Steinlöwe und eine Bronzefigur im Bach.

Auch im Orchideengarten gibt es Wasser. In einer schattigen Ecke fällt ein schmaler Wasserfall über einen mit Farn bewachsenen Felsen.

Schmaler Wasserfall, der über einen mit Farn bewachsenen Felsen im Orchideengarten fällt
Ein kleiner Wasserfall im Orchideengarten.

Es gibt einen schattigen Weg entlang der Bromelien – Teil der Yuen Peng McNiece Collection – und Bänke im Grün, auf denen man durchatmen kann.

Der Weg entlang der Bromelien.

Bei den Orchideen bleibt es nicht: dazwischen wächst anderes tropisches Grün – Ingwer, Wildbananen, blühende Lianen.

Roter Ingwer, Wildbananenblüte und feurige Liane.

Samenkapseln an einem Zweig im weichen Licht
Samenkapseln an einem Zweig.

Und noch etwas – ein Blick auf die Schilder neben manchen Pflanzen lohnt sich. In Singapur gibt es eine alte Tradition, neue Orchideenhybriden nach hohen Gästen und Berühmtheiten zu benennen: Hier gibt es Orchideen, die nach Prinzessin Diana, Nelson Mandela und vielen anderen benannt sind. Es ist schön, plötzlich auf einen bekannten Namen zu stoßen.

Gravierte Tafel mit dem Namen einer VIP-Orchideenhybride
Orchideen werden nach berühmten Gästen benannt.

Die Orchideen selbst

Und dann die Blüten. Ich tue nicht so, als kennte ich sie alle beim Namen, aber ich habe versucht, die festzuhalten, die mich innehalten ließen. Übrigens ist auch die Nationalblume Singapurs eine Orchidee – die Kletterhybride Vanda Miss Joaquim, 1981 gewählt.

Nahaufnahme einer Vanda mit rosa Sprenkeln
Die Vanda – eine Verwandte der Nationalblume Singapurs.

Rote, magentafarbene und orangefarbene Orchideen.

Rosa Dendrobien und gelbe „tanzende Damen“.

Orchideen in hohen Pflanzgefäßen und feine weiße Rispen.

Rosa Orchideen in einem weißen Keramiktopf
Eine Orchidee im Topf.

Gelbe Vandas und Dendrobien.

Noch mehr Orchideen aus den warmen Beeten.

In den gekühlten Gewächshäusern

Tief im Orchideengarten führt der Weg in eine Reihe von Gewächshäusern, und das ist vielleicht der spannendste Teil. Singapur liegt fast auf dem Äquator, deshalb ist es hier das ganze Jahr über heiß und feucht. Um Orchideen zu züchten, die hoch in den tropischen Bergen leben, hat der Garten gekühlte Gewächshäuser gebaut – sie bilden das Klima eines nebligen Bergwaldes nach. Auf der Karte heißt dieser Komplex Tropical Montane Orchidetum – „tropischer Bergorchideengarten“.

Weg, der in ein nebliges, gekühltes Orchideen-Gewächshaus führt
Der Eingang zu den gekühlten Gewächshäusern.

Das Nebelhaus Tan Hoon Siang Mist House bildet einen tropischen Garten in 650 bis 1.000 Metern Höhe nach – feucht und voller Duft. Dahinter liegt das Sembcorp Cool House, in dem es zwischen 16 und 23 °C ist, die erste kühle Luft des ganzen Tages. Hier sind über 500 Orchideenarten geborgen, viele davon in der Natur vom Aussterben bedroht.

Drinnen wachsen die Pflanzen überall – an den Wänden und unter der Decke.

Das Cool House – wie ein Bergwald, mit Farnen und nassen Felsen.

Weiter Blick auf das kuppelförmige Cool House mit herabhängenden Orchideen
Unter der Kuppel ist es kühl, die Orchideen hängen von oben herab.

Hier im Gewächshaus ist eine ganze Wand mit blassrosa „Mottenorchideen“ bedeckt, Hunderte Blüten übereinander. Es wirkt unwirklich, bis man direkt davorsteht.

Wand, bedeckt mit blassrosa Phalaenopsis
Eine ganze Wand aus rosa Phalaenopsis.
Nahaufnahme zartrosa Phalaenopsis-Orchideen
Dieselben Orchideen aus der Nähe.

Drinnen, neben den Orchideen, wachsen fleischfressende Pflanzen – Kannenpflanzen mit hängenden „Krügen“, die Insekten fangen. Neben den zarten Blüten wirken sie fast prähistorisch.

Fleischfressende Kannenpflanzen wachsen neben den Orchideen.

Auch die ungewöhnlichsten Orchideen leben hier – ganz anders als die klassische Blume aus dem Laden. Frauenschuhe mit kleinen „Pantöffelchen“, gesprenkelte, Spinnenorchideen mit langen, gedrehten Blütenblättern und „Stiefmütterchen“-Orchideen.

Frauenschuhorchideen.

Gesprenkelt, zweifarbig und „Stiefmütterchen“.

Spinnenorchideen mit langen Blütenblättern.

Oncidium, Knospe und ein orangefarbener Vireya-Rhododendron.

Noch zwei Orchideen aus dem Gewächshaus.

Praktische Infos

Singapore Botanic Gardens – das Wichtigste

  • Adresse: 1 Cluny Road, Singapore 259569
  • GPS: 1.3138, 103.8159
  • Öffnungszeiten Park: 5:00 – 00:00 Uhr, täglich
  • Eintritt Park: kostenlos
  • Öffnungszeiten Orchideengarten: 8:30 – 19:00 Uhr täglich (Einlass bis 18:00 Uhr)
  • Tickets Orchideengarten: S$15 (≈ 10 €) für Erwachsene (Nicht-Einheimische); S$3 für Studierende und Senioren; Kinder unter 12 frei
  • Zeit einplanen: ein halber Tag für den Park; mindestens 2 Stunden nur für die Orchideen
  • Website: nparks.gov.sg/sbg

Anreise

  • Mit der U-Bahn (MRT): mit der Circle Line oder Downtown Line bis zur Station Botanic Gardens (CC19/DT9). Das Bukit Timah Gate liegt 2 Minuten vom Ausgang entfernt. Das ist der nächstgelegene Eingang zu Regenwald und Orchideengarten.
  • Zum anderen Ende des Parks: Bis zum Swan Lake und zum Tanglin Gate erstreckt sich der Park über etwa 2,5 km – ein langer, aber schöner Spaziergang zwischen den Toren.
  • Mit dem Bus: Die Buslinien 7, 75, 77, 105, 106, 123 und 174 halten am Tanglin Gate; die Linien 48, 66, 67, 151, 153, 154, 156 und 170 am Bukit Timah Gate.
  • Mit Taxi oder Grab: schnell und günstig aus dem Zentrum (etwa 15 Minuten von der Orchard Road).
  • Anreise nach Singapur: Es gibt Direktflüge nach Singapur (Changi) ab Frankfurt, München, Zürich und Wien, etwa mit Singapore Airlines oder Lufthansa. Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Einreise visumfrei (bis zu 90 Tage), der Reisepass genügt.

Tipps

  • Kommt früh. Der Park öffnet um 5 Uhr, der Orchideengarten um 8:30 Uhr. Morgens ist es kühler und ruhiger, mittags wird die Hitze ernst.
  • Nehmt Wasser mit und füllt die Flasche nach. Es ist das ganze Jahr heiß und feucht, im Park stehen kostenlose Trinkbrunnen. Das Leitungswasser in Singapur ist bedenkenlos trinkbar.
  • Leichte Kleidung und Sonnencreme, aber packt eine dünne Jacke fürs Cool House ein – drinnen ist es wirklich kalt.
  • Womit kombinieren: der Vormittag im Garten und der Nachmittag auf der nahen Orchard Road, oder ein eigener Tag für Gardens by the Bay.
Wasserflasche wird an einem öffentlichen Trinkbrunnen im Garten aufgefüllt
Im Park stehen kostenlose Trinkbrunnen.

FAQ

Wie komme ich zu den Singapore Botanic Gardens?

Fahrt mit der U-Bahn (Circle Line oder Downtown Line) bis zur Station Botanic Gardens – das Bukit Timah Gate ist 2 Minuten entfernt und der nächstgelegene Eingang zu den Orchideen. Mehrere Buslinien halten am Tanglin und am Bukit Timah Gate, und ein Taxi aus dem Zentrum braucht etwa 15 Minuten.

Kostet der Eintritt in den Botanischen Garten?

Der Hauptpark ist völlig kostenlos und von 5 Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet. Bezahlen muss man nur für den National Orchid Garden – S$15 (≈ 10 €) für erwachsene Nicht-Einheimische, mit Ermäßigung für Studierende und Senioren und freiem Eintritt für Kinder unter 12.

Wie viel Zeit braucht man für den Orchideengarten?

Plant mindestens zwei Stunden ein, um in Ruhe die Farbgärten, die VIP-Orchideen, das Nebelhaus und das Cool House zu sehen. Wer auch den ganzen Park – Swan Lake und Regenwald – erkunden möchte, sollte einen halben Tag einplanen.

Wann kommt man am besten?

Früh am Morgen. Der Park öffnet um 5:00 Uhr, der Orchideengarten um 8:30 Uhr, und bis zur Mittagshitze, wenn die tropische Wärme ihren Höhepunkt erreicht, ist die Luft kühler und ruhiger. Orchideen blühen das ganze Jahr, eine Nebensaison gibt es hier also nicht.

Was gibt es außer Orchideen zu sehen?

Den Swan Lake (Singapurs ältester Zierteich), sechs Hektar Primärregenwald mit Holzsteg, Wasserfälle, jahrhundertealte Bäume und – mit etwas Glück – wilde Otter.

Brauche ich ein Visum für Singapur?

Nein. Für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Einreise visumfrei für Aufenthalte bis zu 90 Tagen. Ein bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültiger Reisepass genügt; eine elektronische Einreisekarte (SG Arrival Card) wird vorab online ausgefüllt.

Lohnt sich der Botanische Garten in Singapur?

Ja. Es ist ein UNESCO-Welterbe, der Eintritt ist frei, und allein der National Orchid Garden – über 60.000 Orchideen auf einem Hügel – beeindruckt selbst die, die Blumen sonst kaltlassen.

Praktisch ist, dass alles an einem Ort liegt: der Spaziergang durch den Park, der Regenwald und die Orchideen. Wenn ihr in Singapur seid, solltet ihr für den Garten mindestens einen halben Tag einplanen.

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