Marmaris: Altstadt, Amos, Selimiye & Bozburun — Tagestour Guide
Marmaris, das ist vor allem die Altstadt Kaleiçi und die Uferpromenade mit den Gulets, die im Abendlicht besonders schön sind. Die Tageszeit habe ich lieber für einen Ausflug in die Umgebung genutzt: Die Halbinsel Bozburun beginnt direkt hinter der Stadt, und dort gibt es genug Orte für eine abwechslungsreiche Tagestour — das antike Amos über der Bucht von Kumlubük, das stille Fischerdorf Selimiye, Bozburun und den Sonnenuntergang am äußersten Ende der Halbinsel, hinter den griechischen Inseln.

Marmaris: Uferpromenade und Marina mit Gulets
Marmaris ist ein Badeort an der Südwestküste der Türkei, in der Provinz Muğla. Im Sommer lebt die Stadt von Stränden und Bars, aber die Uferpromenade hat ihr eigenes Leben: Die riesige Netsel-Marina, eine der größten in der südlichen Ägäis, und Hunderte Yachten und hölzerne Gulets in ihren Buchten. Am Morgen war ich dort fast allein — nur Masten und Berge hinter dem Wasser. Gulets sind traditionelle türkische Zweimaster, die bis heute in Dörfern wie Bozburun von Hand gebaut werden, genau am anderen Ende der Route dieses Artikels.


Marina Marmaris am Morgen
Die Altstadt von Marmaris (Kaleiçi)
Kaleiçi besteht aus ein paar Vierteln am Fuße des Hügels mit der osmanischen Festung aus dem 16. Jahrhundert. Süleyman der Prächtige ließ sie 1522 als Stützpunkt für seinen Feldzug gegen Rhodos errichten — Rhodos sieht man übrigens von hier aus, nur 18 km über die Meerenge. In der Festung befindet sich heute ein kleines Museum (Eintritt 10 TL ≈ 0,30 €, geöffnet ab 08:30), aber der eigentliche Reiz von Kaleiçi sind die Gassen unterhalb der Festung.
Weiß getünchte Mauern, Holzbalkone, Kopfsteinpflaster. Und überall, aus jeder Ritze in der Wand, leuchtet rosa und weiße Bougainvillea hervor.

Die Hauptfarbe von Kaleiçi ist Türkis. Türen, Fensterläden, Balkongeländer, Sonnensegel über den Cafés — überall derselbe Farbton. Man sagt, das stamme aus osmanischer Zeit: Blau und Grün galten als Schutzfarben.


Türkis prägt ganz Kaleiçi
Zwischen den Häusern finden sich viele echte osmanische Bauten mit hölzernen, vorspringenden Balkonen — auf Türkisch heißen sie Cumba. Eckig, mit filigranem Gitterwerk und fast immer türkis — eines der markantesten Details der regionalen Architektur.



Cumba — der osmanische Holzerker, fast immer türkis
Die Türen in Kaleiçi sind ein Thema für sich. Geschnitzte Holztüren mit grüner Patina, schmiedeeiserne Bogentore mit Kakteen dahinter, alte Schlösser und Türklopfer. Keine gleicht der anderen.



Jede Tür ein Unikat
Kaleiçi lässt sich am besten am frühen Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang erkunden. Tagsüber ist es heiß und voll, am Morgen sind die Gassen fast menschenleer.



Die Gassen von Kaleiçi
Wer langsam geht, entdeckt die Details: blaue Blumentöpfe, keramische Gefäße, Fliesen statt Hausnummernschilder. Diese Fliesen sind Iznik-Keramik, eine alte türkische Handmalerei auf weißer Glasur aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Heute werden meist Kopien hergestellt, aber sie sehen trotzdem gut aus.



Keramik und Fliesen
Im oberen Teil von Kaleiçi führen Steinstufen zur Festungsmauer. Oben sind fast keine Menschen, und von dort öffnet sich der Blick über die gesamte Bucht von Marmaris.



Stufen zur Festung
Bei Sonnenuntergang bricht das Licht wunderschön durch die Zweige der Bougainvillea — besonders im Juni, zur Hauptblütezeit.

In einer der Gassen liegt die Galerie Mona Titi mit ihrer Mosaikfassade. Irgendwo zwischen Gaudí und Streetart.

Praktische Infos: Marmaris
- Kaleiçi: Kaleiçi Mah., Marmaris; GPS: 36.8542°N, 28.2726°E
- Google Maps — Altstadt
- Burgmuseum: 10 TL (≈ 0,30 €), 08:30–19:00 (Sommer), bis 17:00 (Winter)
- Google Maps — Uferpromenade
- Beste Zeit: früher Morgen oder kurz vor Sonnenuntergang
- Rollervermietung: 400–600 TL pro Tag (≈ 12–18 €), Verleihstationen im Zentrum
Tagesausflüge ab Marmaris
Marmaris selbst erkundet man am besten am Abend. Tagsüber ist es in der Altstadt heiß und voll, aber nach Sonnenuntergang werden die Laternen angezündet, die Touristen werden merklich weniger, und man kann stundenlang durch Kaleiçi streifen. Deshalb lohnt es sich, den Tag für Ausflüge außerhalb der Stadt zu nutzen — gute Optionen gibt es genug in der Umgebung.
Die wichtigsten Tagesausflüge ab Marmaris:
- Diese Route: Amos → Selimiye → Bozburun → Söğüt → Sonnenuntergang (~100 km hin und zurück). Antike Ruinen über der Bucht von Kumlubük, das stille Fischerdorf Selimiye, Sonnenuntergang hinter den griechischen Inseln. Ein ganzer Tag auf dem Roller.
- Datça und Knidos (~75 km westlich). Die Nachbarhalbinsel, eine ruhige Stadt mit langer Uferpromenade. Am äußersten Zipfel liegt das antike Knidos, einst einer der größten Häfen des antiken Karien.
- Dalyan (~75 km östlich). Der Fluss, lykische Felsengräber direkt über dem Wasser, der Iztuzu-Strand und das Meeresschildkröten-Reservat. Klassisch: eine Bootsfahrt den Fluss hinauf.
- Kleopatra-Strand (Sedir Adası) (~35 km). Eine Insel mit seltenem weißen Sand im Golf von Gökova. Erreichbar nur per Boot vom Dorf Çamlı.
- Akyaka (~35 km nördlich). Kleines Städtchen an der Mündung des Flusses Azmak mit flacher Bucht, beliebt bei Kitesurfern.
Die Karte der Route, um die es in diesem Artikel geht:
Amos: Antike Stadt mit Aussichtspunkt über Kumlubük
Die erste Station nach Marmaris war das antike Amos. Von Marmaris bis zum Dorf Turunç sind es rund 20 km entlang der Küstenstraße, etwa 30 Minuten mit dem Roller. Von Turunç geht es noch rund vier Kilometer über eine Schotterpiste — und der Parkplatz liegt direkt zwischen zwei Buchten, der Amos-Bucht und Kumlubük. Die Ruinen thronen auf dem Hügel darüber.
Die Stadt ist etwa 2700 Jahre alt, gegründet von Doriern aus dem benachbarten Rhodos. Und dennoch gibt es selbst in der Hochsaison kaum Touristen — eine Seltenheit an der türkischen Küste. Wer die Römerstädte Trier oder Xanten kennt, kann sich Amos gut vorstellen — nur dass man hier statt Porta Nigra und Touristenmassen mit Ziegen und dem Meer allein ist.
Das Besondere an Amos sind weniger die Ruinen selbst als der Aussichtspunkt. Vom Rand der Klippe sieht man gleich zwei Buchten und die lange Kette griechischer Inseln am Horizont. Der Eintritt ist frei, es gibt keine Kasse, keine Reisebusse und keine Souvenirstände.
Historisch war Amos ein kleiner Handelshafen zwischen Rhodos und dem Festland. Von der Stadt sind Mauerreste erhalten, stellenweise bis zu vier Meter hoch, mehrere Türme und das Nordtor — hellenistisches Mauerwerk, an dem man deutlich die Spuren späterer Reparaturen erkennt. Außerdem die Umrisse des Theaters (einst für rund 1300 Zuschauer) und das Fundament des Tempels des Apollon Samnaios, einer lokalen Gottheit, die nirgendwo sonst belegt ist.


Der Weg vom Parkplatz — 15 bis 25 Minuten



Unten liegen Turunç und Kumlubük






Praktische Infos: Amos
- Anfahrt: von Marmaris nach Turunç (~20 km), von dort ~4 km Schotterpiste bis zum Parkplatz
- Aufstieg: 15–25 Minuten zu Fuß
- Eintritt: kostenlos, jederzeit zugänglich
- Touristen: praktisch keine
- Dauer: 1,5 bis 2 Stunden
- Mitnehmen: Wasser, festes Schuhwerk, Sonnenhut
- Beste Zeit: morgens bis 10:00 Uhr oder nach 16:00 Uhr
Selimiye: Stille Bucht auf der Halbinsel Bozburun
Selimiye liegt schon auf der ganz anderen Seite der Halbinsel. Von Amos sind es noch etwa 25 km: zurück zur Hauptstraße, quer über Bozburun und dann hinunter zum Golf von Hisarönü auf der anderen Seite. Von Marmaris insgesamt sind es rund 45 km, etwa eine gute Stunde mit dem Roller.
Das Dorf selbst ist winzig — knapp sechshundert Einwohner. Eine geschützte Bucht, ein paar Restaurants am Wasser, hölzerne Stege und Olivenhaine an den Hängen. Nach Marmaris war der Kontrast krass: kein Lärm, keine Clubs. Segler halten Selimiye für einen der besten Ankerplätze entlang der „Blauen Route“ — die Bucht liegt rundum windgeschützt.


Unterwegs nach Selimiye
An der Bucht liegen mehrere hölzerne Stege mit Yachten und Fischerbooten. Selbst im Juni ist es hier still.


Die Stege von Selimiye
Vom Hügel über dem Dorf überblickt man die ganze Bucht — Yachten, Häuser an den Hängen, Berge ringsum.



Am Ortsausgang steht Oleander in voller Blüte, und der Blick öffnet sich über die Meerenge zu den griechischen Inseln.


Blühender Oleander am Straßenrand
Die Fahrt über die Halbinsel Bozburun
Von Selimiye nach Bozburun sind es nochmal rund 13 km über Bergserpentinen. Das ist der stillste Abschnitt der Tour: schmaler Asphalt, Pässe, lange Strecken ohne ein einziges Auto. Die gesamte Halbinsel ist Naturschutzgebiet, die Bebauung ist gesetzlich stark eingeschränkt, deshalb gibt es hier weder große Hotels noch Ferienanlagen.


Die Straße über die Halbinsel


Von den Pässen sieht man das Meer auf beiden Seiten der Halbinsel


Das Innere der Halbinsel
Bozburun: Das Dorf der Gulet-Bauer
Bozburun ist ein Dorf am südwestlichen Ende der Halbinsel mit rund 2200 Einwohnern. Fast der ganze Ort ist auf die eine oder andere Weise mit den Werften verbunden: Hier werden bis heute hölzerne Gulets von Hand gebaut. Achtzehn kleine Werkstätten, 70 bis 80 Boote pro Jahr, gebaut aus Teak, Mahagoni und Iroko.
Die erste Werft öffnete in Bozburun 1975, und das Dorf stellte sich nach und nach vom Fischfang auf den Bootsbau um. Heute werden die Gulets aus Bozburun ins ganze Mittelmeer exportiert — nach Griechenland, Kroatien, Frankreich. Jeden Oktober findet im Dorf das internationale Gulet-Festival statt.
Bozburun selbst ist klein, zu Fuß hat man es in rund dreißig Minuten umrundet. Ein Hafen, ein paar Restaurants, Boote am Wasser. Touristen gibt es hier fast keine.



Praktische Infos: Bozburun
- GPS: 36,690°N, 27,968°E
- Entfernung von Marmaris: ~52 km, rund 1,5 Stunden
- Essen: Fischrestaurants an der Promenade, 250–400 TL pro Gericht (≈ 7,50–12 €)
- Gulet-Festival: jeden Oktober
- Benzin: Auf der Halbinsel gibt es kaum Tankstellen — am besten noch in Marmaris volltanken
Söğüt: Fischerdorf auf der Halbinsel Bozburun
Nach Bozburun führt die Straße noch weiter nach Westen — nach wenigen Kilometern landet man in Söğüt. Ein winziges Dorf: ein paar Häuser, ein Fischerhafen, nicht ein einziger Laden. Ein guter Ort für einen kurzen Stopp am Steg vor dem letzten Abschnitt zum Aussichtspunkt zum Sonnenuntergang.


Sonnenuntergang am Ende der Bozburun-Halbinsel (Straße nach Taşlıca)
Der beste Punkt für den Sonnenuntergang ist nicht Bozburun selbst, sondern ein offener Hügel hinter dem Dorf, an der Straße Richtung Taşlıca. Hierhin sollte man gezielt fahren und mindestens eine Stunde vor Sonnenuntergang ankommen. Von dort überblickt man den ganzen Archipel und die lange Kette der Inseln am Horizont.
Die Straße nach Taşlıca verläuft über einsame Hänge: trockene Gräser, Sträucher, Felsen. Am Abend wird hier alles golden.



Die Inseln am Horizont gehören zu Griechenland


Die letzten Minuten


Zurück nach Marmaris dauert es im Dunkeln eine bis anderthalb Stunden
Tipp für Fotografen
Der Aussichtspunkt ist ein eigener Hügel hinter Bozburun, an der Straße nach Taşlıca. Die Sonne versinkt hinter dem Dodekanes. Kommt mindestens eine Stunde vorher.
Tipps für die Route
- Roller: Ein 50-ccm-Modell reicht für ebene Abschnitte, auf den Bergserpentinen ist ein 125-ccm-Roller oder größer aber deutlich angenehmer.
- Zeit: Startet spätestens um 09:00 Uhr aus Marmaris.
- Benzin: Tankt in Marmaris voll — auf der Halbinsel gibt es kaum Tankstellen.
- Saison: April bis Mai und September bis Oktober sind ideal. Im Sommer heizen sich die Straßen extrem auf.
- Wasser: mindestens 1,5 Liter pro Person.
- Navigation: Ladet eine Offline-Karte herunter — es gibt Stellen ohne Empfang.
Am einfachsten mit einem gemieteten Roller (400–600 TL bzw. ≈ 12–18 € pro Tag), rund 1,5 Stunden über die Bergstraße, etwa 52 km über Selimiye. Taxis und geführte Touren sind ebenfalls möglich, aber deutlich teurer. Dolmuş (lokale Sammeltaxis) fahren nur selten aus Marmaris und oft nicht bis ins Dorf selbst.
Ja. Nach Dalaman (DLM) gibt es Direktflüge von Frankfurt, München, Düsseldorf, Wien und Zürich — vor allem von April bis Oktober fliegen mehrere Airlines (SunExpress, Pegasus, Corendon, Eurowings). Der Flughafen Dalaman liegt rund 90 km östlich von Marmaris, der Transfer dauert etwa 60 bis 75 Minuten. Als Hinweis: Gelegentlich wird der Flughafen in Reiseportalen mit „etwa 30 Minuten vom Hotel“ beworben, realistisch sind aber rund eine Stunde.
Nein. Für Staatsangehörige aus Deutschland und Österreich reicht der Personalausweis für Aufenthalte bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen. Schweizer Staatsangehörige benötigen einen gültigen Reisepass, aber ebenfalls kein Visum. Der Ausweis bzw. Pass muss bei der Einreise noch mindestens 150 Tage gültig sein.
Ja, wenn ihr die nicht-touristische Seite der Ägäisküste sehen wollt. Werften, ein stiller Hafen, Sonnenuntergang hinter dem Dodekanes — ein ganz anderes Format als Marmaris. Viele Segler nehmen Bozburun in ihre „Blaue Kreuzfahrt“ mit auf.
Ja. Der Aufstieg vom Parkplatz ist einfach — 15 bis 25 Minuten auf einem Pfad. Wichtig sind nur festes Schuhwerk mit griffiger Sohle und genug Wasser. Stellenweise ist es steinig. Wer die Römerstädte Trier oder Xanten kennt: Amos hat die gleiche Atmosphäre antiker Mauern, nur mit Meerblick statt mittelalterlicher Stadt drumherum.
Optimal sind Mai bis Juni und September bis Oktober. Das Meer ist schon oder noch warm, aber die Sommerhitze und die Menschenmassen fehlen. Juli und August sind Hochsaison — die Preise steigen, es wird voll.
10 TL (≈ 0,30 €). Öffnungszeiten: 08:30–19:00 Uhr im Sommer. Der Spaziergang durch Kaleiçi selbst ist kostenlos.
In beiden Dörfern gibt es Fischrestaurants am Wasser und Cafés am Steg. In der Hochsaison solltet ihr einen Tisch vorab reservieren. Rechnet mit 250 bis 400 TL (≈ 7,50–12 €) pro Gericht im Restaurant.
Ja, von Marmaris aus fahren Tagestouren mit Gulets entlang der Küste von Bozburun. Das Format ist ein anderes, aber ihr seht dieselben Buchten und Inseln — nur vom Wasser aus.




