Akropolis von Pergamon, Türkei — Was man in dieser antiken Bergstadt bei Bergama sehen sollte
Zwei Stunden mit dem Auto ab Izmir — und ich stand in Bergama, am Fuße des Hügels, auf dem vor über zweitausend Jahren eine der mächtigsten Hauptstädte der antiken Welt thronte. Oben auf dem Gipfel: die Ruinen von Pergamon, die kaum jemand kennt, weil alle nach Ephesos fahren.

Pergamon — eine Hauptstadt, von der kaum jemand gehört hat
Ich muss ehrlich zugeben: Vor meiner Reise wusste ich über Pergamon eigentlich nur, dass das Wort „Pergament“ daher stammt. Dabei war Pergamon im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr. eine Stadt, die ernsthaft mit Athen und Alexandria konkurrierte. Die Attaliden-Dynastie baute eine Bibliothek mit 200.000 Schriftrollen auf — die zweitgrößte der antiken Welt nach Alexandria. Die Ägypter waren übrigens so besorgt über die Konkurrenz, dass sie den Export von Papyrus verboten. Daraufhin erfand man in Pergamon eine Alternative: Man schrieb auf bearbeitete Tierhaut — und so entstand das Pergament.
Später vermachte der letzte König Attalos III. sein gesamtes Reich einfach an Rom — ohne Krieg, ohne Bedingungen. Seitdem war Pergamon Hauptstadt der römischen Provinz Asia. Heute gehört die Stätte zum UNESCO-Welterbe, aber Touristen gibt es hier um ein Vielfaches weniger als etwa in Ephesos.
Wer aus Deutschland kommt, kennt den Namen Pergamon vermutlich vor allem vom Pergamonmuseum in Berlin — dort steht der berühmte Zeusaltar, der einst genau hier auf dieser Akropolis stand. Die Fundamente kann man vor Ort noch sehen, aber das Original befindet sich seit dem 19. Jahrhundert in Berlin. Ein seltsames Gefühl, an der Stelle zu stehen, von der dieses monumentale Werk einmal nach Deutschland gebracht wurde.

Anreise zur Akropolis
Flüge in die Türkei: Von Frankfurt, München und Düsseldorf gibt es Direktflüge nach Izmir — die nächstgelegene größere Stadt. Auch ab Wien und Zürich fliegen mehrere Airlines direkt nach Izmir. Die Flugzeit beträgt etwa drei Stunden. Am Flughafen Izmir lässt sich bequem ein Mietwagen nehmen.
Visum: EU-Bürger benötigen für Aufenthalte bis 90 Tage kein Visum. Für Deutsche und Österreicher genügt sogar der Personalausweis — ein Reisepass ist nicht zwingend erforderlich (wird aber empfohlen). Schweizer Staatsbürger benötigen ebenfalls kein Visum, müssen aber einen Reisepass vorlegen.
Ich fuhr mit dem Auto von Izmir — etwa zwei Stunden über eine gut ausgebaute Straße. Bergama ist ein idealer Zwischenstopp, wenn man entlang der ägäischen Küste der Türkei mit dem Mietwagen unterwegs ist. Oben auf der Akropolis gibt es einen Parkplatz, man kann also direkt über die Serpentinenstraße hinauffahren.
Die Akropolis liegt auf einem 335 Meter hohen Hügel direkt über dem modernen Bergama. Wer ohne Auto kommt, nimmt die Seilbahn (Teleferik) von der Talstation im Stadtzentrum — die Fahrt dauert etwa vier Minuten. Man kann auch zu Fuß hinauf, aber das sind 30–40 Minuten bei Hitze, und oben kommt man ziemlich erschöpft an.



Die Kasse öffnet um 08:30. Tickets kann man in Euro oder Türkischen Lira bezahlen, auch Müzekart und Museum Pass werden akzeptiert
Was es auf der Akropolis von Pergamon zu sehen gibt
Erster Eindruck — das Ausmaß der Ruinen
Gleich nach dem Eingang versteht man, wie gewaltig diese Stadt einmal war. Überall liegen Säulentrümmer, Mauerfundamente und Bruchstücke antiker Gebäude. Die Fläche der Akropolis ist enorm — wer alles sehen möchte, sollte mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Zum Vergleich: Die Dimension erinnert durchaus an die Römerruinen in Trier oder den Archäologischen Park in Xanten, allerdings in einer viel dramatischeren Landschaft.


Unterirdische Galerien
Unter der Terrasse des Trajanstempels befinden sich Korridore aus Stein mit Gewölbebögen. Eigentlich bilden sie das Fundament, das die gesamte Plattform des Tempels darüber trägt. Aber wenn man nach dem glühend heißen Akropolis-Gelände hineingeht, ist das eine echte Wohltat — gefühlt zehn Grad kühler. Wir standen dort bestimmt fünf Minuten einfach nur da und kühlten ab.


Die unterirdischen Galerien unter dem Trajanstempel — selbst bei Hitze angenehm kühl. Die Konstruktionen sind hervorragend erhalten
Das Theater von Pergamon — das steilste der Antike
Wenn man an den Rand trat und nach unten blickte, raubte es mir buchstäblich den Atem. 80 Sitzreihen, 10.000 Plätze, und das Ganze nahezu senkrecht in den Hang geschnitten. Ich hatte schon viele antike Theater gesehen, aber die sind meist breit und flach. Dieses hier ist schmal, extrem steil, und das Gefühl ist ein völlig anderes: als stünde man am Rand einer Klippe.
Dazu eine faszinierende Besonderheit: Die Bühne war aus Holz und zerlegbar. Man baute sie nur für Aufführungen auf und nahm sie danach wieder ab — damit der Blick ins Tal nicht verstellt wurde. Die Panoramasicht war den Bewohnern von Pergamon also wichtiger als jede Theaterkulisse.


Der Trajanstempel (Trajaneum) — das Wahrzeichen von Pergamon
Das Trajaneum ist das einzige Gebäude auf der Akropolis, das teilweise wieder zusammengesetzt wurde. Archäologen nennen das „Anastylose“ — dabei werden Originalblöcke an ihren ursprünglichen Platz zurückgestellt. Der Tempel wurde unter Trajan und Hadrian (2. Jh. n. Chr.) errichtet und steht auf dem höchsten Punkt des Hügels — sichtbar von überall.
Das ist der Postkarten-Anblick von Pergamon schlechthin: weiße Säulen vor tiefblauem Himmel. Ich kam mittags an und das Licht war ziemlich hart, aber zum Fotografieren empfiehlt es sich, kurz vor Sonnenuntergang zu kommen — das warme Licht auf dem weißen Marmor wirkt deutlich besser.




Die Säulen des Trajaneums — jede einzelne aus einzelnen Trommeln zusammengesetzt. Durch sie hindurch sieht man das Tal und die umliegenden Hügel




Details von Giebel und Kapitellen. Korinthische Ordnung — die dekorativste der drei klassischen Säulenordnungen, mit den charakteristischen Akanthusblättern

Marmorsäulen und die Ruinen der Bibliothek
Neben dem Athena-Tempel stehen einige wiederaufgerichtete weiße Säulen — Reste einer überdachten Kolonnade (Stoa). Irgendwo hier befand sich auch die berühmte Bibliothek mit ihren 200.000 Schriftrollen. Von ihr sind nur noch die Fundamente übrig, aber die Geschichte ist großartig: Glaubt man Plutarch, ließ Marcus Antonius die gesamte Sammlung abtransportieren und schenkte sie Kleopatra.

Römische Skulpturen
Auf der Akropolis steht eine kopflose Statue eines Kriegers in Rüstung — vermutlich einer der römischen Kaiser. Der Kopf ist längst verschwunden, aber alles Übrige ist so gut erhalten, dass man jedes Detail erkennt: den Brustpanzer, den Lederschurz und die Medusa-Medaillons am Gürtel. Es lohnt sich, näher heranzutreten.


Steinmetzarbeiten und Fragmente
Entlang der Mauern liegen Fragmente von Kapitellen — die verzierten Bekrönungen der Säulen. Akanthusblätter, Voluten, Ornamente — alles von Hand gemeißelt, vor über zweitausend Jahren. Man kann ganz nah herangehen und so lange betrachten, wie man möchte, keinerlei Absperrungen.


Kapitellfragmente entlang der Mauern — Akanthusblätter und Voluten der korinthischen Ordnung
Festungsmauern und Palast-Ruinen
Ganz oben befinden sich das Arsenal, die Königspaläste und die Festungsmauern. Von den Palästen sind allerdings nur noch die Fundamente übrig — für eine antike Hauptstadt waren sie eher bescheiden. Dafür hat man von hier einen 360-Grad-Rundblick: Tal, Berge, die Stadt unten. Man versteht sofort, warum die Könige genau hier residierten.


Der obere Teil der Akropolis — Reste von Kolonnaden und ein Wachturm


Karten und Modell der Akropolis
Über das Gelände verteilt stehen Informationstafeln mit Karten — ich empfehle, gleich zu Beginn eine zu fotografieren, das erleichtert die Orientierung erheblich. Außerdem gibt es ein Modell der Akropolis unter einem Glasdach — so bekommt man sofort einen Eindruck, wie alles in der Blütezeit ausgesehen hat.


Informationstafeln — die Karte lohnt sich zu fotografieren, bevor man losläuft


Detailplan der Akropolis und Karte von ganz Bergama mit Routenvorschlägen

Was man sonst noch in Bergama sehen kann
Die Akropolis ist das Highlight, aber nicht der einzige Grund, nach Bergama zu fahren. Wer Zeit hat, sollte sich noch zwei weitere Orte ansehen:
Asklepieion — ein antikes Heilzentrum, eine Art Kurort der Antike. Hier wirkte Galen — der Arzt, nach dessen Büchern noch anderthalb Jahrtausende nach seinem Tod Medizin gelehrt wurde. Das Asklepieion liegt etwa 2 km vom Zentrum entfernt, der Eintritt erfolgt mit einem separaten Ticket oder dem Museum Pass. Für die Besichtigung reicht eine bis anderthalb Stunden.
Rote Basilika (Kızıl Avlu) — ein gewaltiges Bauwerk aus rotem Backstein mitten im Stadtzentrum. Ursprünglich ein Tempel für ägyptische Götter, später eine christliche Kirche (eine der Sieben Gemeinden Asiens aus der Offenbarung des Johannes). Durch das Gebäude fließt bis heute ein Fluss durch unterirdische Tunnel — ein ungewöhnlicher Anblick.


Die Rote Basilika (Kızıl Avlu) — eines der ungewöhnlichsten antiken Bauwerke der Türkei. Mehr in unserem ausführlichen Reiseführer
Bergama selbst — man sollte nach dem Akropolis-Besuch nicht sofort weiterfahren. Die Stadt am Fuße des Hügels verdient einen eigenen Spaziergang: der überdachte Basar Arastası mit Teppichen und Antiquitäten, eine Pergament-Werkstatt, in der noch heute von Hand gefertigt wird, alte Steinhäuser und ein Glas Maulbeer-Kompott in der Hitze. Mehr dazu in unserem Artikel über Bergama.


Die Altstadt von Bergama — überdachter Basar und charmante Gassen. Mindestens ein paar Stunden einplanen. Ausführlicher Bergama-Reiseführer hier
Praktische Informationen
- Adresse: Pergamon Akropol Ören Yeri, Bergama, İzmir, Türkei
- GPS: 39.1317, 27.1840
- Öffnungszeiten: 08:00–19:00 (Sommer), 08:30–17:30 (Winter)
- Eintritt: ~15 €. Müzekart und Museum Pass werden akzeptiert
- Seilbahn: ~5–7 € Hin- und Rückfahrt (~200–280 TL)
- Anreise: Mit dem Auto ab Izmir — ca. 2 Stunden, Parkplatz oben vorhanden. Ohne Auto: Bus nach Bergama (ca. 2 Stunden, ~150–250 TL / ~5–7 €), dann Seilbahn oder Taxi
- Zeitbedarf: Mindestens 2–3 Stunden. Mit Asklepieion und Roter Basilika — ein ganzer Tag
- Mitbringen: Wasser, Kopfbedeckung, bequeme Schuhe
Tipps
- Beste Besuchszeit — früh morgens oder zwei Stunden vor Schließung.
- Museum Pass lohnt sich, wenn man mehrere Sehenswürdigkeiten in der Türkei besucht.
- Im Sommer wird es extrem heiß — bis +40 °C. Kaum Schatten. Mindestens einen Liter Wasser mitnehmen.
- Kombinieren mit dem Asklepieion — vormittags die Akropolis, nachmittags das Asklepieion.
- Für Fotografen: Ein Weitwinkelobjektiv ist Pflicht. Das beste Licht gibt es etwa zwei Stunden vor Sonnenuntergang.
- Währung: An den Kassen wird Euro akzeptiert, aber mit Türkischen Lira (TL) bezahlt man in der Regel etwas günstiger. Geldautomaten gibt es in Bergama.
Tipp für Fotografen: Das Trajaneum fotografiert man am besten von der Südostecke. Das Theater — von oben nach unten. Für Details empfiehlt sich ein Teleobjektiv.
Direktflüge nach Izmir gibt es ab Frankfurt, München und Düsseldorf (ca. 3 Stunden). Auch ab Wien und Zürich fliegen mehrere Airlines direkt. Von Izmir mit dem Mietwagen etwa zwei Stunden nach Bergama, oben gibt es einen Parkplatz. Ohne Auto: Bus nach Bergama (~2 Stunden), dann Seilbahn auf den Gipfel (4 Minuten) oder Taxi.
EU-Bürger benötigen für Aufenthalte bis 90 Tage kein Visum. Deutsche und Österreicher können sogar mit dem Personalausweis einreisen. Schweizer Staatsbürger brauchen ebenfalls kein Visum, müssen aber einen Reisepass vorlegen.
Ca. 15 €. Die Seilbahn kostet ~5–7 € (~200–280 TL) extra. Der Museum Pass deckt den Eintritt ab, aber nicht die Seilbahn.
Mindestens 2–3 Stunden. Mit Asklepieion und Roter Basilika — ein ganzer Tag.
Frühling (April–Mai) oder Herbst (September–Oktober). Im Sommer am besten gleich zur Öffnung morgens kommen.
Auf jeden Fall. Weniger überlaufen als Ephesos, aber nicht weniger beeindruckend. Deutlich weniger Touristen.
Ja, 30–40 Minuten über die Serpentinenstraße. Im Sommer wegen der Hitze anstrengend. Alternativ ein Taxi nehmen.
Im Pergamonmuseum in Berlin. Auf der Akropolis selbst ist nur noch das Fundament der Plattform zu sehen. Wer das Museum in Berlin kennt, kann sich hier vor Ort vorstellen, wo der Altar einst stand — ein besonderes Erlebnis.
Pergamon oder Ephesos
Wenn die Frage lautet: Pergamon oder Ephesos — dann lautet meine Antwort: beides. Ephesos beeindruckt durch Ausmaß und Erhaltungszustand. Pergamon ist weniger bekannt, hat deutlich weniger Touristen, und der Ausblick vom Hügel ist schlicht atemberaubend — das kann Ephesos nicht bieten. Einer dieser Orte, an die man zurückkehren möchte, wenn einen die Touristenmassen anderswo müde gemacht haben.




